Zweifel bleiben trotzdem

Auf großes Interesse unter den Bürgern stößt die Infoveranstaltung zur Zukunft der Krankenhäuser im Landkreis Ravensburg. Foto: Schubert

500 interessierte Bürger waren am Dienstagabend vergangener Woche gegen 17 Uhr in die Rainturnhalle gekommen. Ohne die Gefahr der Eskalation und vor allem sachlich wollten sich über die Zukunft des Isnyer Krankenhauses und der Oberschwaben Kliniken (OSK) infor- mieren und diskutieren. Zur Debatte stehen derzeit gleich drei Szenarien der Bremer Beratergesellschaft BAB.

Ravensburgs Landrat Kurt Widmaier übernahm die Begrüßung und umriss die nach seiner Meinung wichtigsten Punkte der medizinischen Versorgung im Landkreis. Die finanzielle Schieflage der OSK wird wohl auch Landrat Widmaier unruhige Nächte bereiten, besonders nachdem auch er im letzten Modell vor einigen Jahren für die dezentrale Versorgung eingetreten war. Seiner Ansicht nach sieht die Realität mittlerweile aber anders aus: 6,7 Millionen Euro Verlust sind ein gewaltiger Berg an Verpflichtungen, für die der Landkreis eintreten muss. Ein Paket mit Sofortmaßnahmen will der Landrat dafür beschließen – sofern der Ravensburger Kreistag zustimmt. Die medizinische Versorgung hat sich unterdessen auf einer reduzierten Ebene eingespielt und das EK in Ravensburg ist mit Abstand der größte Defizitfaktor. In den anschließenden Arbeitsgruppen konnten die Teilnehmer dann ihre Meinung äußern. Ob diese in die Entscheidungen des Kreistages und der Ausschüsse mit einfließen werden, ist allerdings abzuwarten. Nach den teilweise emotionalen Einsprüchen betroffener Bürger wird sich der Ravensburger Kreistag vor einer schweren Aufgabe sehen. Eines ist jedoch in allen drei Arbeitsgruppen klargeworden: So einfach hinnehmen werden die Betroffenen die Entscheidungen nicht. Immer wieder wurde betont, dass die Notarztversorgung auch im Allgäu sicher gestellt werden soll. Wie aber soll das geschehen, wurde immer wieder gefragt. Nicht zu vergessen, dass die Kassenärztliche Vereinigung ebenfalls an den Schrauben mit dreht. Immerhin ist im Gespräch, dass nur noch an Standorten mit einem Krankenhaus diese Notarztversorgung weiter bestehen soll. Anders ausgedrückt – so ein Kommentar – ist es offenbar angedacht, die Notarztversorgung für Isny von Lindenberg, Wolfsried und – wenn es klemmt – auch von Kempten her zu organisieren. Wer sich das ausgedacht hat, war noch nie im Winter im Allgäu unterwegs, wurde als Kritik laut. Immer wieder machten die Experten der BAB klar, dass sie mit einer Abwanderung von Patienten nach Memmingen und Kempten rechnen. Da sollte sich die Geschäftsführung der OSK nach Meinung der Diskussionsteilnehmer nicht ausrechnen, dass die wegfallenden Krankheitsfälle in Isny und Leutkirch nahtlos zur Behandlung nach Wangen und Ravensburg kommen. Nach Ravensburg braucht man locker 45 bis 60 Minuten mit dem eigenen Fahrzeug oder dem Krankenwagen und im Akutfall ist dann natürlich alles zu spät. Kommt der Ärztenotstand? Ebenfalls immer wieder betont wurde während des Dialogs, dass es hier um die Versorgung von rund 60 000 Menschen in diesem Teil des Landkreises geht. Viele davon sind allerdings nicht nur Steuerzahler sondern auch Wähler. „Wir galoppieren auf dem Weg zum Ärztenotstand“, war ein weiteres Argument der Experten. Das heißt: Junge Ärzte überlegen sich genau, welchen Katalog an Behandlungen sie haben müssen, um ihren Facharzt bestätigt zu bekommen. Ist das Krankenhaus aufgrund der Reduzierungen nicht in der Lage, die Vorstellungen und Auflagen zu berücksichtigen weil einfach die Krankheitsfälle an den amputierten Standorten Isny und Leutkirch gar nicht eingeliefert werden, sind Zweifel erlaubt. So weit ein Einblick in die abgehandelte Problematik. Wohl zur Beruhigung der Gemüter wurde angeboten, die Vorschläge und Einwände in ein „Szenario 4“ einzuarbeiten. Dann sind die drei bisherigen Modelle bereits wieder Makulatur. Das Ganze wird jedenfalls teuer werden und bleiben und auch die Dialoge mit der Menge der aufgebotenen Experten sind nicht gerade zum Nulltarif zu haben.

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