Ein spannendes Festival trotz fehlender Live-Atmosphäre 

Zweite Halbzeit beim Jazzfrühling 

Jazznacht: Tom Hauser .
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Jazznacht: Tom Hauser ...
.. mit Christian Kraus (Drums), Jakob Mühleisen (Gitarre und Vocals)..
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... mit Christian Kraus (Drums), Jakob Mühleisen (Gitarre und Vocals)...
... sowie Sängerin Leonie Leuchtenmüller.
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... sowie Sängerin Leonie Leuchtenmüller.
In der Videoregie hatte das Team alle Hände voll zu tun, wie hier De- nis Spieß.
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In der Videoregie hatte das Team alle Hände voll zu tun, wie hier Denis Spieß.
„Hackberry“ präsentierten Americana, Blues, Folk, Jazz, Country und Western bei der Jazznacht auf ihre spezielle Art.
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„Hackberry“ präsentierten Americana, Blues, Folk, Jazz, Country und Western bei der Jazznacht auf ihre spezielle Art.
Klecks-Mitarbeiter verfolgen den Auftritt von King Lui and the Jazzmop am Bildschirm hinter der Bühne.
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Klecks-Mitarbeiter verfolgen den Auftritt von King Lui and the Jazzmop am Bildschirm hinter der Bühne.

Kempten – Die Jazzfrühlingswoche! Nach dem seit einigen Jahren praktizierten, bewährten Ablauf steht immer nach den ersten Tagen ein Bandwettbewerb an. Die vier geladenen Bands haben bereits ein Auswahlverfahren mit vielen anderen Bands hinter sich, das ebenso wie die Stiftung eines Förderpreises vom Bayerischen Jazzverband durchgeführt wird. 

Vergangenen Mittwoch betrat zuerst eine vierköpfige Band mit dem jazz-untypischen Namen „Die Therapie“ die Bühne des Stadttheaters. Der einfallsreiche Sound war geprägt vom Zusammenklang des Klaviers mit der Gitarre und teilweise der Stimme des Bandleaders Arno Grußendorf. Es folgten drei weitere hervorragende Bands, das Kilian Sladek Duo, das Lukas Diller Quartett und das Lukas Langguth Trio. Von der Jury zum Sieger des Abends wurde schließlich das Kilian Sladek Duo gewählt.

Der Donnerstag begann mit Hansi Enzensbergers Hammondversion des alten Shadows-Gitarren-Klassikers „Apache“. Der Sound einer elektro-akustischen Hammondorgel ist unvergleichlich und kann selbst mit modernster Sampletechnik nur annähernd nachgeahmt werden. Wenn dann noch zwei ebenso versierte wie spielfreudige Mitmusiker wie Manfred Mildenberger am Schlagzeug und Ludwig Klöckner am Bass die Stücke zum Grooven bringen, dann lohnt sich der „tonnenschwere“ Aufwand, dieses Instrument mit sei- ner speziellen Leslie-Box auf die Bühne zu hieven. Die Organ Explosion leisteten sich zusätzlich den erfrischenden Gag, durch zugespielten Beifall die Pausen zwischen den Stücken aufzupeppen.

In der JazzNacht am Freitag, genauer gesagt bei der live übertragenen Nachstellung einer solchen, bei der fünf Bands nacheinander auf der Stadttheaterbühne spielten, vermisste man am meisten von allen Tagen das Live-Erlebnis. Den vielen Musikerinnen und Musikern gelang es aber auch übers Internet, eine Ahnung der Live-Atmosphäre zu erzeugen, wie es sie in „normalen“ Zeiten in den verschiedenen Locations der Stadt gegeben hätte. Vielleicht wurden ja einige wilde Solotänze vor den heimischen Computern aufgeführt.

Am Samstag dann der größte Name des diesjährigen Jazzfrühlings. Bill Frisell war um 20 Uhr live aus New York zugeschaltet und spielte – wie das inzwischen bei altgedienten Jazzgrößen so üblich ist – mit zwei jungen und nichtsdestotrotz bereits fest im Musikgeschäft mitmischenden Begleitern seine Musik, die sich schon lange entfernt hat von den wilden Tagen mit John Zorn und Fred Frith. Die musikalische Spannung, die entsteht, ist mehr subtil und speist sich eher aus der Art, wie Frisell seine Töne auf der Gitarre formt, als aus spektakulärem Tonmaterial. Bereits seit zwanzig Jahren lässt er sich von der in den USA ständig gegenwärtigen Tradition der Countrymusic inspirieren, und wenn es jazziger wird, dann klingt mehr ein Jim Hall durch als ein Wes Montgomery. „Weißer“, sophisticated Jazz also, der sich an diesem Abend interessant mit seinem „schwarzen“ Schlagzeuger reibt.

Fazit des diesjährigen Jazzfrühlings: Das Qualitätsniveau zumindest einiger der jungen Bands aus heimischen Landen ist aufregend hoch und man fragt sich besorgt, angesichts der aktuellen Möglichkeiten dieser tollen Musiker, ihr legitimes Auskommen mit dem, worin sie bereits Meister sind, zu haben, ob nicht hier wie in anderen Bereichen unseres Lebens eine Schere eher auseinandergeht als sich harmonisch zu schließen.

Jürgen Kus

Einige Zahlen 

• Abi Wallenstein ist „Quotenkönig“ mit bis zu 210 gleichzeitig eingeloggten PCs (vor denen meist mehrere Leute sitzen); gefolgt von der Jazznacht.

• Eingegangen sind ca. 300 Spenden plus noch mal so viele PayPal-Überweisungen.

• Spendenaufkommen: rund 20.000 Euro durch Beträge zwischen 20 und 1000 Euro.

• Ursula Speiser, Finanzchefin des Klecks: „Mit etwas Glück gibt es eine schwarze Null.“

Rubriklistenbild: © Tröger

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