Zwischen Tradition und Moderne

Dem künstlerischen Schaffen einer nur selten gezeigten Periode widmet sich die aktuell eröffnete Doppelausstellung „Kunst im Allgäu 1945 – 1965“. Entsprechend groß war der Andrang zur öffentlichen Vernissage am vergangenen Freitag in der Kunsthalle, neben dem Kemptener Kunstkabinett der zweite Ausstellungsort. Gezeigt werden knapp 100 Werke aus der Sammlung Dr. Wilhelm Maul (siehe nebenstehenden Artikel) von 30 hiesigen Künstlern, beziehungsweise solchen, die es im Zuge der Nachkriegswirren vorübergehend ins Allgäu verschlagen hatte.

Für das Zustandekommen der Ausstellung hatten das Kemptener Kunstkabinett, der Berufsverband bildender Künstler Schwaben-Süd (BBK), die Freunde Kemptener Museen (fkm) und die Stadt Kempten eng zusammengearbeitet, was laut BBK-Vorsitzendem Helmut Domnik „nicht selbstverständlich ist“. Wie verwoben das Wirken des 1973 verstorbenen Kemptener Sammlers und Kunstmäzens Dr. Wilhelm Maul mit vor allem den Anfängen des sich im Januar 1948 konstituierten BBK gewesen war, machte fkm-Vorstand Dr. Werner Scharrer in seinem interessanten und aufschlussreichen Vortrag über das damalige Künstlerdasein und die dazugehörige Szene im Allgäu deutlich. Er berichtete unter anderem von der „Aufbruchstimmung“ und Neuorientierung der Künstler, die nach Jahren des „ideologischen Kunstdiktats“ herrschten. Und von den „jedweder Habe beraubten“ heimatvertriebenen Künstlern, deren Werke im Dritten Reich unerwünscht oder gar vernichtet worden waren, die aus den Ostgebieten ins Allgäu „gespült“, im noch jungen BBK auf einen Stamm seit langem hier ansässiger, gut etablierter Künstler getroffen seien. In den besonders für Künstler schwierigen Zeiten sei Maul als „eine Art Geheimtipp“ gehandelt worden, der nicht nur freundschaftlichen Kontakt zu den Kunstschaffenden pflegte, sondern auch kaufte und sammelte. Mangels geeigneter Ausstellungsräume in Kempten habe er dem BBK 1961 zudem ein paar helle Räume in seinem Haus zur Verfügung gestellt, das „Kemptener Kunstkabinett“, das so, neben der eigenen Sammlung auch lebenden Künstlern Plattform geworden sei. Die ausgestellten Werke „zwischen Tradition und Moderne, zwischen Realismus und dem Weg in die Abstraktion“ sollen, so Scharrer, an die Kunstschaffenden der Zeit zwischen „Nachkriegselend und Wiederaufbau erinnern“. Neben Werken einer „verschollenen Generation“, wie Bürgermeister Josef Mayr (CSU) es ausdrückte, wird die Ausstellung durch Künstlerbriefe, alte Kunstkataloge und auch der Verdienstmedaille ergänzt, die erstmals im Jahr 1966 an Dr. Wilhelm Maul als Auszeichnung für private Förderinitiativen verliehen worden war. Die Zeit der künstlerischen Neuorientierung spiegelt sich in den zum Teil recht unterschiedlichen Stilen und Techniken der einzelnen Künstler, wie bei den gezeigten Werken von Heinz Schubert. Erlebte hinter sich lassen Während Kathrin Veits-Kick in ihrer Kohle-Kreidezeichnung „Flüchtlinge“ des Jahres 1947 Erlebnisse aus der Kriegszeit verarbeitete, waren andere bestrebt, das Erlebte hinter sich zu lassen. So widmete sich Max Rankl im selben Jahr einer „Seiltanzgruppe am Sankt Mang Platz“, die er in Öl auf Pappe fest hielt. Oder Gottfried Andreas Herrmann in seinem Aquarell „Kirchengängerinnen“, ebenfalls aus dem Jahr 1947. Die Ausstellung zeigt Werke bekannter, aber auch heute vergessener Künstler, die dennoch alle das Kunstgeschehen im Allgäu der Nachkriegszeit geprägt haben: Hans Dietmann, Peter Zeiler, Udo Scholz, Georg Tyrkowski, Walter Jacob, Ferdinand Kuschel, Hermann Raddatz, Michael Pascevitius und viele mehr. Die sehenswerte Doppelausstellung kann bei freiem Eintritt noch bis zum 1. März besucht werden. Geöffnet hat die Ausstellung im Kunstkabinett und der Kunsthalle donnerstags bis sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr.

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