Frack oder T-Shirt

Der Kultursalon Landsberg widmet sich der Selbstinszenierung

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Drei Herren im Kultursalon Landsberg: Alexander vom Stein, Gregor Netzer und Peter Wilson (von links)

Landsberg – Mit Melone, Frack und lässig geschlungenen Halstuch tritt Alexander vom Stein gerne auf. Nicht zu vergessen: der Spazierstock mit goldenem Knauf. Doch was steckt hinter diesem Auftritt? Denn vielleicht ist es ja nur eine Inszenierung der eigenen Person, die sich da der Welt stellt. Vom Steins Vortrag beim dritten Kultursalon Landsberg – „Ein gerüttelt Maß an Selbstüberschätzung hat noch niemandem geschadet“ – klärte genau darüber auf.

Angekündigt wurde vom Stein von Gregor Netzer, die eine Häfte der Kultursalonbetreiber, als „Impressario, Theaterdirektor, Tänzer und Schauspieler.“ Die andere Hälfte der Kultursalonverantwortlichen, Peter Wilson, übersetzte – natürlich nicht ins Englische. Was da aus seinem Mund hervorquoll, war eine amüsante Nonsens-Sprache: „Ich bin eben ein Sprachgenie!“ 

Vom Stein selbst schritt zuerst bedächtig auf und ab, galant den Spazierstock schwingend. „Danke für das zahlreiche Erscheinen“, begrüßte er die gut 30 Interessierten. „Obwohl ja jeder einzeln erscheint, die Formulierung somit Unsinn ist.“ Kurzerhand setze er sich ans E-Piano und stimmte eine melancholische Melodie an: „Im Programm stand ja mit Musik.“ Als er danach zum Tablet griff, zu dem er das Passwort angeblich vergessen hatte, verschwand der Redner im hinteren Teil des Kunstcafés – und kam ohne Hut und Stock, dafür mit T-Shirt und Jeans wieder hervor. 

Eine Selbstinszenierung, natürlich. „Zu sagen, man sei natürlich, wenn man sich nicht inszeniert, ist Unsinn.“ Denn jeder Auftritt, egal wie, verfolge eine Absicht. Und erfülle auch die Ansprüche des Gegenüber: „Bei einem Arzt erwarte ich etwas Weißes und Gesundheitsschuhe.“ Kurzum: „Wer ich bin, ist unwichtig. Es geht vielmehr um die Frage: Wer will ich sein?“ Und daraus folge, dass man sich mit seiner Wunscherscheinung beschäftigen solle, wie ein Schauspieler mit seiner Rolle. 

Zum Ausklang setzte sich vom Stein nochmals ans Klavier und schlüpfte in die dritte Rolle seines Vortrags: Billy Idol, mit einer überzeugenden Interpretation von „Eyes without a Face“. Im Anschluss entwickelten sich noch lange Gespräche: Sinn und Zweck des Kultursalons, das Vernetzen, scheint zu funktionieren. Der nächste Termin ist der 30. Mai. Wieder im Kunstcafé.

ks

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