Zu gesund zum Impfen?

100-jährige im Landkreis Landsberg muss warten

alte Frau von hinten
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Auch eine im Landkreis lebende über 100-jährige Seniorin wartete sehnlichst auf einen früheren Impftermin. Im Februar erhielt sie einen für Mitte Mai.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landkreis – „Mit Prio 1 fast durch“ betitelte der KREISBOTE vergangene Woche einen Artikel, in dem der aktuelle Stand der Impfungen im Landkreis behandelt wurde. „Die Patentante meiner Frau ist über 100“, lautete nur eine der kritischen Reaktionen auf den Artikel. „Und hat ihren Impftermin erst Mitte Mai.“ Wie kann das sein? Immerhin vergibt doch eine neutrale Software die Termine im Impfzentrum, die die ältere Dame terminlich versorgt haben müsste – und zwar schon lange vor Mai?

Wenn es in der Stadt noch eine 100-Jährige gibt, die seit Mitte Januar zur Impfung gemeldet sei und im Februar schließlich einen Termin für Mitte Mai bekomme, „sind Überschrift und Inhalt des Artikels doch ziemlich euphemistisch“, schrieb der Verwandte der 100-Jährigen dem KREISBOTEN. Am Telefon berichtete er, dass die zu Impfende in keinster Weise bettlägrig sei – und somit auch nicht zu den vom Landratsamt erwähnten ‚Immobilen‘ gehört, die aufgrund der Transportschwierigkeit einzelner Impfdosen (abgesehen von AstraZeneca) noch nicht geimpft werden konnten. „Wenn ich 100 Jahre alt werden sollte, dann so fit und mobil wie diese Frau“, erzählt der Mann. Die Frau könne teilweise sogar ohne Stock oder Rollator gehen.

Er habe direkt nach Vergabe des späten Impftermins im Februar das Landratsamt angeschrieben, um den Termin vorzuverlegen. Es müsse doch möglich sein, die Dame als ‚Nachrücker‘ für eine nicht verimpfte Dosis mit aufnehmen zu können. Das sei personell zu aufwendig und könne deshalb nicht geleistet werde, habe das Amt geantwortet. Zudem habe die Antwort aus wohl vorformulierten Textbausteinen bestanden.

Eine Anfrage beim Landratsamt nach einer Stellungnahme zu dem Fall lief ergebnislos. Man benötige zuerst die genauen Daten der Betroffenen und deren Einverständnis, dass man sie an die Presse weitergeben dürfe, antwortete Pressesprecher Wolfgang Müller. Man wisse ja auch nicht, ob die Betroffene überhaupt angemeldet sei. Die Termine vergebe ja die Software BayIMCO, nicht das Impfzentrum. Am besten solle sich die Frau direkt mit dem Impfzentrum in Verbindung setzen, dort könne man dann Auskunft geben und einen „Datenabgleich“ machen

Ein Software-Fehler?

Inzwischen wurde allerdings auch bekannt, dass die Software BayIMCO einen kleinen ‚Bug‘ haben könnte. Laut Recherchen des BR vergibt der zugrundeliegende Algorithmus der Software Personen, die zwar in der obersten Priorisierungsgruppe, aber nicht über 80 Jahre alt sind (zum Beispiel Personal auf Intensivstationen), ein fiktives Alter. So wird also beispielsweise ein 45-jähriger Intensivpfleger virtuell zum 83-Jährigen gemacht, um ihn per Software in die Gruppe 1 heben zu können. Zudem gibt der Pfleger in der Registrierung noch den Punkt an, dass er mit Höchstgefährdeten engen Kontakt hat – und damit sticht der den an sich gesunden 82-Jährigen locker aus.

Aber kann so ein Fall auch eine über 100-Jährige ausstechen? Ist die Frau tatsächlich zu gesund, um von BayIMCO einen früheren Termin zu erhalten?

Die konkrete Anfrage des KREISBOTEN im Gesundheitsministerium, ob eine 100-Jährige im Vergleich zu einer weitaus jüngeren Pflegekraft in der Software eventuell benachteiligt würde, wurde von dort lediglich mit dem Verweis auf eine Pressemitteilung beantwortet, die wohl alle Fragen beantworte. In besagter Pressemitteilung ist zu lesen: „Die Terminvergabe über BayIMCO funktioniert. Das Portal arbeitet mit einem ausgewogenen und aufwändig programmierten Algorithmus, der besonderen Wert auf eine faire Verteilung innerhalb der Priorisierungsgruppen legt.“ Dabei würden alle Faktoren wie Alter, Vorerkrankungen und Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsgruppen berücksichtigt“, um so „gleiches Recht für alle zu gewährleisten“. Bei den Über-80-Jährigen sei so gewährleistet, „dass jeder entsprechend seinem Alter zu einem Termin eingeladen wird“.

Happy End

Am Freitag letzter Woche erreichte die Redaktion schließlich die freudige E-Mail des Verwandten der 100-Jährigen: „Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Das Impfzentrum hat sich gemeldet und der Patentante als Termin für die Erst-Impfung den Osterdienstag genannt.“ Ein überraschender und schöner Zufall.

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