Mozart verzaubert die Lechstadt

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Wolfgang Amadeus trifft Enjott Schneider: Das Requim und das davon inspirierte „At the Edge of Time“ in der Stadtpfarrkirche.

Landsberg – Es gibt Gelegenheiten, da wünscht man sich einen Zeitumwandler à la Harry Potter, um Stunden zurückdrehen zu können. Denn die rund 1000 Besucher der Mozartnacht standen vor der schweren Aufgabe, sich für nur sechs aus dem Angebot hochkarätiger Konzerte entscheiden zu müssen.

Großes Orchester in der Stadtpfarrkirche oder Solo-Klavier im Pfarrsaal? Oder vielleicht doch die Operngala? Gitarren, Jazz? Allein die erste Stunde wartete mit mehreren Highlights auf. Wollte man sich ein möglichst breites Bild von Mozarts Werken verschaffen, kostete die Zusammenstellung des Abends viel Kopfzerbrechen, schweren Herzens musste man einsehen, dass man trotz einiger Programmwiederholungen eben nicht alles anhören konnte. Der Vorteil: man konnte auch nichts falschmachen, denn jeder Programmpunkt war einzigartig und besonders.

Ob man sich mit Silvia Natiello-Spiller auf „Musikalische Schnitzeljagd“ begab, die einen kleinen Querschnitt des Klavierwerks präsentierte, darunter das melancholische Adagio in h-moll, Variationen über „Ah, vous dirai-je, Maman“ (die Melodie dürfte vielen als „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ vertraut gewesen sein) und dem bekannten und immer wieder gern gehörten Rondo alla turca. Danach ein Zusammenschnitt aus Mozarts Requiem und Enjott Schneiders Hommage „At the Edge of Time“ in der Stadtpfarrkirche mit dem Orchester Symphony Prag, dem Landsberger Oratorienchor und der Capella Cantabile unter der Leitung von Johannes Skudlik.

Beeindruckend und verblüffend stimmig der Wandel, von den stimmgewaltigen und gänsehaut-erzeugenden Sätzen des Requiems zum Klanggeflecht Enjott Schneiders. Draußen in der Fußgängerzone bildeten die jungen Stimmen des Landsberger Kinderchores ein schönes Intermezzo mit Mozart-Kanons, bei dem der Name des Auftaktlieds Programm war „Das klinget so herrlich“.

Kontrastprogramm im Stadttheater: das Gitarrenduo Gruber & Maklar bewies mit teilweise eigenen Arrangements, dass Mozart und Gitarre wunderbar zusammenpassen. Auch hier zu hören war das Rondo alla turca, das die beiden Virtuosen in eine atemberaubend temporeichen Version zum Besten gaben. Dazwischen las Alex Dorow aus Briefen des Komponisten an seinen Vater, sein „Bäslein“ und seine Frau Constanze, in denen sich „Wolferl“ als rechter Frechdachs und Wortakrobat outete.

Eine ebenso ungewöhnliche Symbiose fand im vollbesetzten Foyer statt, wo der bekannte Jazzpianist David Gazarov mit „Mozart spielte“, während nebenan im Saal die Tänzerinnen des Jugendballetts unter der Leitung von Beatrix Klein Szenen aus den „Petits Riens“ auf die Bühne brachten. „Eine kleine Nachtmusik“ – wer kennt sie nicht? Und so drängten sich die Zuschauer in den Pfarrsaal, wo sich das Rodin-Quartett dieser Serenade angenommen hat. Und wie die Musiker (Sonja Korkeala, Gerhard Urban, Martin Wandel und Clemens Weigel) das taten: so schwungvoll, so schnell hat man das Allegro selten gehört, kaum waren die Bewegungen der Hände zu verfolgen. Mit einem schmetternd-feierlichen „Hallelujah“ von Chor und Orchester endete die Mozartnacht in der Stadtpfarrkirche, eine Nacht voller Musik, voller Zauber, eine Nacht, die man gerne noch einmal erleben möchte.

Patricia Eckstein

Mozart in der Altstadt

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