In 15000 Jahren nur noch Schilf

Vor allem an der Einmündung der Alten Ammer (Foto) ist die zunehmende Verlandung des Ammersees deutlich sichtbar. Foto: Nagl

Der Ammersee entstand vor rund 15000 Jahren mit dem Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher – seine Fläche reichte von Weilheim bis Grafrath. Heute umfasst die Fläche des drittgrößten bayerischen Sees noch 46,6 Quadratkilometer. In weiteren 15000 Jahren werden wohl nur noch Schilf und Streuwiesen an ihn erinnern. Ursache für diese Entwicklung sind Verlandungs­- prozesse, wie auch bei Chiem- und Bodensee. Dies führte den Gemeinderäten jüngst ein Vor­- trag von Korbinian Zanker vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim vor Augen.

Die staatliche Behörde war um den Fachvortrag gebeten worden, da in Dießen Entscheidungen für die Neugestaltung der Seeanlagen anstehen. Außerdem sind am Dampfersteg einige Meter Tiefgang notwendig, um günstige Bedingungen für die Ammersee-Schifffahrt zu gewährleisten. Wesentlicher Verlandungsfaktor sind die Schwebstoffe. Rund 82000 Tonnen spült die Ammer pro Jahr in den See. Diese winzigen Teilchen lösen sich, so Zanker, „aus labilen geologischen Zonen“, die der Fluss auf seinem Weg passiert. Hinzu kommt das Geschiebe aus Kies und Sand in der Flusssohle, das bei Hochwasser in den See gelangt, sowie „Schwimmstoffe“ zu denen Wildholz oder auch Zivilisationsrückstände gehören. Auch Schilfflächen führen längerfristig zur Bildung von Flachmoor. Aufgrund dieser Verlandungsprozesse, zu denen auch Kalkablagerungen gehören, steigt der Seegrund um durchschnittlich vier Millimeter pro Jahr an. Renaturierungsmaßnahmen entlang der Ammer, der Bau eines Rückhaltebeckens am Oberlauf bei Peißenberg oder eine Rückhaltesperre vor der Ammermündung könnten zwar den Eintrag von Sand, Kies oder Wildholz reduzieren. Hinsichtlich der Schwebstoffe versprechen sich die Fachleute davon allerdings keinen Erfolg. Lediglich die Lebensdauer der Dießener Bucht könnte durch eine mehrere Millionen teure Deichvorstreckung in tiefere Seebereiche etwas verlängert wer­den. Als machbar wird es dagegen angesehen, neuralgische Punkte, etwa den Seegrund bei Anlegestellen, regelmäßig auszubaggern und Badestrände von Totholz zu befreien. In der Dießener Bucht, so Zanker, sei im Sommer erstmals ein Laserscreening vom Hubschrauber aus durchgeführt worden, um den Seegrund zu vermessen und Veränderungen darzustellen. „Falls einmal Eingriffe notwendig wären.“ Ansonsten empfahl Zanker der Marktgemeinde, hinsichtlich notwendiger Ausbaggerungen mit dem Freistaat und der Bayerischen Seenschifffahrt zu kooperieren. Da der Wasserspie­- gel am See bis zu zwei Metern schwanken könne, sei eventuell auch über eine Verlängerung der Stege nachzudenken. „Unser Thema scheint das Ausbaggern zu sein. Da müssen wir uns selbst drum kümmern“, lautete das Fazit von Bürgermeister Herbert Kirsch (Dießener Bürger). Allerdings möchte das Gemeindeoberhaupt beim Freistaat um Unterstützung anfragen. In diesem Zusammenhang bat Hannelore Baur (SPD) um eine fachliche Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes, die die Notwendigkeit des Ausbaggerns im Uferbereich gegenüber staatlichen Behörden belege.

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