Gefeiert wird auf stillere Weise

175 Jahre Dominikanerinnen-Kloster in Landsberg

Schwester Michaela (rechts) und Schwester Jeena aus Indien arbeiten im Klostergarten.
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Schwester Michaela (rechts) und Schwester Jeena aus Indien arbeiten im Klostergarten.

Landsberg – 175 Jahre Dominikanerinnen in Landsberg – ein denkwürdiges Jubiläum in einem nicht minder denkwürdigen Jahr, das auch für das Kloster und seine Gemeinschaft nicht ohne Veränderung bleibt. Gefeiert wird – allerdings anders als geplant.

Es ist weit mehr als eine Zahl. Hinter all den Jahren verbirgt sich eine große Bedeutung für die Stadt Landsberg und einen großen Kreis von Menschen, die durch das Wirken der über Generationen tätigen geistlichen Gemeinschaft Bildung, Förderung, Unterstützung, Begleitung und Beistand erfahren durften und dürfen. Das Dominikanerinnen-Kloster zur Heiligsten Dreifaltigkeit feiert Jubiläum: Vor 175 Jahren, im September 1845, treffen die ersten Schwestern aus dem Augsburger Dominikanerinnen-Kloster St. Ursula in Landsberg ein. Sie lassen sich zunächst im ehemaligen Ursulinengebäude in der Hubert-von-Herkomer-Straße nieder, das heute ein Gebäude der Stadt ist und die Volkshochschule beheimatet. Ein wesentlicher Teil ihrer Arbeit: ihr Bildungsauftrag für junge Mädchen. Der beginnt mit der Gründung einer Elementarschule, an die sich bald die Sonntagsschule, die Handarbeitsschule, ein Internat und ein Kindergarten anschließen.

Im Jahr 1898 kaufen die Schwestern das landwirtschaftliche Anwesen an der Münchener Straße. Durch den Anbau von Obst und Gemüse im klostereigenen Garten liegt der Schwerpunkt zunächst darin, ihren Lebensunterhaltes zu sichern. Aber auch eine Reihe schulischer Aufgaben wird ihnen übertragen. Während des Zweiten Weltkrieges werden den Schwestern jedoch sämtliche Wirkungsmöglichkeiten in allen Bildungseinrichtungen genommen. Nach dem Zusammenbruch des Naziregimes helfen sie über einen längeren Zeitraum bei der Pflege von befreiten KZ-Häftlingen. Schließlich übernehmen sie im Laufe der Jahre wieder mehr Aufgaben im Bereich der Aus- und Weiterbildung, errichten etwa die „Nähschule“, die „Mädchenmittelschule“ oder die „Haushaltungsschule“, aus der sich später die „Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Kinderpflege“ entwickelt. Bedingt durch fehlenden Nachwuchs müssen die Schwestern aber diverse Bildungseinrichtungen an den Staat abgeben.

Tatsächlich sei junger Nachwuchs heutzutage eher selten. „Vielleicht ist es Bindungsangst“, meint Schwester Antonia Müller, im Amt der Priorin der Dominikanerinnen Landsberg. „Immer mehr Menschen möchten sich alle Wege offen halten.“ Die Suche sei sicher da, aber sich für das Ordensideal zu entscheiden, für die Hinwendung und den Glauben an die Kraft des Gebetes an Gott und an die Menschen, sei nochmal etwas anderes. „Wir sind in lebendiger Überlegung, was sich aus unserer Gemeinschaft weiter entwickeln lässt“, sagt Schwester Antonia, „und sind überzeugt, dass sich Wege auftun werden.“

Begegnung mit Gott

Im Jahr 1985 ziehen die Schwestern in das ordenseigene Haus in den Landsberger Osten. Zehn Dominikanerinnen leben hier gegenwärtig. Drei von ihnen kommen aus Indien, „bereichern und unterstützen die Gemeinschaft“, sagt Schwester Antonia. Seit 1966 gebe es die Zusammenarbeit und den Austausch mit den indischen Schwestern. Höchste Priorität: die dominikanische Berufung zu leben und der Begegnung mit Gott einen festen Platz zu geben.

Die Schwestern der Glaubensgemeinschaft der Dominikanerinnen um Priorin Antonia Müller (hinten, 2. v. l.) leben es: Lebendigkeit, Hoffnung, Glaubensfreude und Gottvertrauen.

Drei der betagteren deutschen Schwestern haben sogar schon ihr 60-jähriges Profess-Jubiläum gefeiert: das öffentliche Versprechen, nach der Ordensregel zu leben. Die Ordensgemeinschaft nimmt damit die Schwester auf, die sich in den Dienst Gottes und der Gemeinschaft stellt.

Schwester Antonia selbst ist seit 1974 Dominikanerin. Damals war sie 22 Jahre alt. Der Glaube sei ihr schon in die Wiege gelegt worden. Dadurch, dass er praktiziert werde, könne er reifen, sagt sie. Großes Vorbild und Stütze sei ihre Mutter gewesen. Aber es gebe auch Schwestern, die sich erst in späteren Jahren entschlossen haben, diesen Weg einzuschlagen.

Immer noch leben die Dominikanerinnen in Landsberg von der Landwirtschaft. Sie haben zwei Meister angestellt, die die Ländereien mit dem Schwerpunkt Ackerbau bewirtschaften. Im großen Klostergarten wird Gemüse und Obst geerntet: etwa Möhren, Salat und Rote Beete oder Äpfel, Birnen und Beeren. Einige Schwestern verfügen nicht mehr über die Kräfte, um hier mitarbeiten zu können. „Sie leben ihre Berufung im Gebet“, meint Schwester Antonia. „Wir wenden uns aus der Kraft des Gebetes und des Wortes Gottes unseren Mitmenschen zu, wie Dominikus es uns vorgelebt hat“, erklärt sie.

Die Landsberger Dominikanerinnen bieten in verschiedenen Bereichen Glaubens- und Lebenshilfe für Jugendliche und Erwachsene an. Etwa in Form von Tages- oder Abendveranstaltungen. Was aktuell aber coronabedingt in diesem Jahr nicht möglich sei, so Schwester Antonia. Auch öffentliche Gottesdienste seien derzeit nicht machbar. „Viele Personen aus unserem Umfeld, die sonst regelmäßig unsere Gottesdienste und Gebetszeiten nutzen, bedauern das sehr“, sagt Schwester Antonia. Aber das heiße nicht, dass diese Menschen keinen persönlichen Platz im geistlichen Leben der Schwestern finden. Sie würden auf andere Weise mitgetragen und in ihrem Glauben unterstützt.

So gebe es Kontaktgespräche am Telefon oder geistliche Begleitung in Briefform. Das sei nicht weniger intensiv und wichtig. Immer wieder würden den Schwestern Anliegen von Menschen in Notsituationen zugetragen. „Die tragen wir in unserem Rahmen mit und bringen sie vor Gott“, sagt Schwester Antonia. Gebete für diese Menschen gebe es nicht nur in Gottesdiensten, sondern sie fänden auch im Stillen, im Inneren, statt.

Ihr 175-jähriges Bestehen in Landsberg wollten die Dominikanerinnen in diesem Jahr eigentlich mit einem großen Festgottesdienst in der Klosterkapelle begehen. „Gemeinsam mit unseren Freunden und Wohltätern, die uns seit Jahrzehnten nahestehen und unterstützen“, so die Priorin.

Aber in diesem Corona-Jahr sind große Feierlichkeiten nicht machbar. Schön sei es, dass pünktlich zum Jubiläum zwei 75 Cent-Sonderbriefmarken mit Motiven der Landsberger Fotografin Conny Kurz auf die lange Tradition des Dominikanerinnen-Klosters in Landsberg aufmerksam machen.

Große Dankbarkeit

Wenn auch öffentlich nicht möglich, heiße das aber nicht, dass „wir unser Jubiläum nicht gefeiert haben“, betont Schwester Antonia. Gefeiert habe man auf eine andere, stillere, vielleicht sogar intensivere Weise, die großen Tiefgang habe. Das Leben sei, wenn auch unter gerade veränderten Umständen, nicht weniger intensiv, wichtig und richtig. Das in Gemeinschaft zu spüren und zu erfahren, sei sehr hilfreich und bereichernd.

Trotz der momentanen Widrigkeiten: „Wir empfinden eine große Dankbarkeit – den Menschen, aber auch Gott gegenüber“, sagt Schwester Antonia. Dankbar sei man für alles, was war, aber auch für das, was ist und was sich noch auftun könne. Stets mit der Frage im Hinterkopf: „Gott, was willst du uns zeigen?“ Diese Sensibilisierung für den Sinn, der hinter so vielem stehe, könne man sich gar nicht oft genug bewusst machen. Gerade in diesen Zeiten.
Andrea Schmelzle

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