Ein wahrer Drogencocktail

19-Jähriger wegen Drogenhandels verurteilt

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Zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung wurde ein 19-Jähriger vor dem Amtsgericht wegen Drogenhandels verurteilt.

Landsberg/Lechrain – „Wir haben Marihuana mit Freunden probiert. Und es hat mir gefallen.“ Der 19-Jährige aus dem nördlichen Landkreis, der letzte Woche wegen Handels mit Betäubungsmitteln vor dem Amtsgericht Landsberg stand, hat neben dem Handel mit Drogen auch selbst konsumiert. Und das weder zu knapp noch zu einseitig: Neben Marihuana standen auch Kokain, LSD, Ecstacy, Kokain und andere Drogen auf dem Speiseplan. Richter Alexander Kessler verhängte eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Und mahnte den Jugendlichen, den Ernst der Lage zu erkennen.

Bereits in der nichtöffentlichen Hauptverhandlung am Vormittag hatte der Angeklagte ein vollumfängliches Geständnis gemacht. Vor rund acht Jahren habe er zum ersten Mal gemeinsam mit Freunden Marihuana geraucht. „Der Konsum hat sich dann kontinuierlich gesteigert“, beschreibt der 19-Jährige. Bis zur Anklage im Juni habe er täglich vier bis fünf Gramm Marihuana konsumiert. Ebenso andere Drogen: Kokain zum ersten Mal 2015, ebenso Ecstacy, vor allem aber Aphetamine und LSD, die er alle zwei oder drei Tage genommen habe. Seit der Anklage nehme er keine Drogen mehr „außer Alkohol“.

Die großen Mengen, die bei der Hausdurchsuchung gefunden wurden, seien auch für den Verkauf gedacht gewesen. Gefunden wurden 150 Gramm Haschisch, 130 Gramm Marihuana, zwölf Gramm Kokaingemisch oder auch 112 Ecstasy-Tabletten. Im Laufe der Zeit hätten immer mehr Freunde und Bekannte nach Drogen gefragt, weshalb er diese Mengen vorrätig gehabt habe. „Die Verteilung Eigenkonsum-Verkauf liege „bei Fifty-Fifty“.

Nach dem Mittelschulabschluss hatte der Angeklagte eine Gartenbaulehre angefangen, danach eine Schreinerausbildung, die er ebenfalls abgebrochen habe. Inzwischen mache er nur noch Gelegenheitsjobs. Insgesamt habe er Probleme damit festzulegen, was er im Leben wolle. Auch seinen jüngeren Bruder habe er in den Drogenkonsum mit hineingezogen, gestand der Angeklagte. Dieser sei bereits in einer Therapieeinrichtung, eine Trennung, die für den Angeklagten „schwer zu verkraften“ ist. Nach mehreren Gesprächen mit seinen Eltern, die sich vor mehreren Jahren getrennt hatten, habe er bereits bei der Entwöhnungseinrichtung Kompass City in Augsburg wegen einer Therapie angefragt. Einen Platz könne er im September bekommen.

„Dafür, was Sie alles schlucken, machen Sie aber noch einen guten Eindruck“, beurteilte Kessler den Drogenkonsum des Jugendlichen. „Sie haben ja quer durch den Gemüsegarten konsumiert.“ Nun müsse er die Bremse ziehen, denn mit jedem Drogenerwerb steige auch die Wahrscheinlichkeit einer Straftat. „Sie müssen den Ernst der Lage jetzt erkennen. Das muss jetzt zacki zacki gehen.“

Staatsanwältin Andrea Hobert forderte, nach dem Jugendstrafrecht zu urteilen. Der Angeklagte war zum Tatzeitpunkt noch 18 Jahre alt, lebe bei seiner Mutter und habe kein eigenes Einkommen. Mildernd wirke zudem, dass der Angeklagte keine Vorstrafen habe und auch sein vollumfängliches Geständnis. Hobert plädierte für eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die auf Bewährung ausgesetzt werden könne, und eine Bewährungsfrist von drei Jahren. Als Auflage sehe sie eine Therapie sowie 80 Arbeitsstunden in einer sozialen Einrichtung als angemessen.

Verteidigerin Berna Behmoaram schloss sich Hoberts Forderung an. Der 19-Jährige habe sich ja bereits um einen Therapieplatz bemüht – vor allem, da er sehe, wie sehr seine Mutter unter der Sucht seines Bruders und seiner eigenen leide.

Richter Kessler schloss sich im Strafmaß der Staatsanwältin und der Verteidigerin an. 80 Arbeitsstunden – „Damit Sie in die Gänge kommen“ –, eine Therapie, regelmäßige Urinkontrollen sowie mindestens einmal pro Woche ein Beratungsgespräch bei der Caritas bis zum Beginn der Therapie, spätestens Mitte September, setzte Kessler als Auflage. „Wenn Sie trödeln, dann ist die Bewährung dahin.“

Abschließend ließ Richter Alexander Kessler es sich nicht nehmen, dem Angeklagten nochmals ins Gewissen zu reden: „Würden Sie als Erwachsener verurteilt, wären Sie bei diesen Mengen bei drei bis vier Jahren Gefängnis. Aber im Jugendrecht gehen die Uhren noch ein bisschen anders.“ Er lebe eigentlich in geregelten Verhältnissen. Da müsse er sich auch Fragen, wie es überhaupt so weit habe kommen können.Er solle an seine Familie denken, die er mit seiner Sucht unglücklich mache. „Und dass Sie ihren Eltern nicht egal sind, sehen Sie ja daran, dass beide heute anwesend sind“, betonte Kessler. Nun müsse man ihm die Daumenschrauben anziehen. „Und Sie müssen selbst mitziehen, auch wenn‘s weh tut.“

Susanne Greiner

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