Der EVL 2000 bleibt oben ohne! – Hans-Jürgen Böttcher überraschend neuer Vize –"Am Rande des Abgrunds"

Dass der EV Landsberg 2000 immer für eine Überraschung gut ist, weiß man seit Jahren. Und vergangene Woche knüpfte man auf der Jahreshauptversammlung nahtlos an. So war bei der Nachwahl weiter kein Nachfolger vom längst zurückgetretenen Oliver Jaser als 1. Vorsitzender zu finden. Stattdessen wählten die Mitglieder völlig überraschend Hans-Jürgen Böttcher zum Stellvertreter.

Es war eine harmonische Sitzung im Sportzentrum – von Unruhe im Verein nichts zu spüren. Und das, obwohl die stellvertretende Vorsitzend Karin Federl alles andere als eine gute Nachricht in ihrem Eingangsstatement überbrachte. „Die Situation wird künftig nicht einfacher werden, weil die Firmen durch die Wirtschaftskrise ihre Sponsoringetats erheblich gekürzt haben.“ Ganz deutlich sagte sie, dass der Verein „am Rande des Abgrunds steht“, weil man immer noch sehr unter den Altlasten leide. Dazu komme, dass immer noch nicht feststehe, wie die Oberliga künftig aussehen wird, weil im Norden plötzlich beide Berliner Mannschaften, Rostock und Halle vor dem Aus in der dritthöchsten deutschen Spielklasse stehen. „Nichts ist mehr planbar“, so eine sichtlich frustrierte Karin Federl. Dennoch meinte die stellvertretende Vereinschefin, dass man die „Lage gut meistern“ werde, aber nur, wenn der absolute Sparkurs eingehalten wird und alle an einem Strang ziehen. Federl kandidiert nicht Federl selbst gab in dem Rahmen bekannt, dass sie nicht als 1. Vorsitzende kandidieren werde. Die Doppelbelastung als Geschäftsfrau und Vereinsvorstand sei einfach zu hoch. Außerdem habe sie sich oft alleine gefühlt, dazu kamen Störfeuer von „Menschen, die immer wieder Gerüchte gestreut haben, um dem Verein zu schaden.“ Sie selbst gestand ein, Fehler bei der Außendarstellung gemacht zu haben, aber wer sich engagiert, dürfe schließlich auch Fehler machen. Wer aber soll den Verein künftig führen? Aus der Mitte der Versammlung zeigte sich niemand bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Versammlungsleiter Dr. Reinhard Steuer betonte, dass der EVL 2000 nicht unbedingt einen 1. Vorsitzenden braucht, weil er durch die drei Stellvertreter „trotzdem handlungsfähig“ sei. Weil aber Franz Fischer vor kurzem sein Amt niedergelegt hat, musste ein weiterer Stellvertreter neben Karin Federl und Jochen Mörz gewählt werden. Vorgeschlagen wurden neben Toni Fischer auch Stefan Schindler und überraschend Hans-Jürgen Böttcher. Dessen Vertrag als EVL-Marketingbeauftragter endete mit Ablauf der jüngsten Saison (siehe nebenstehendes Interview). Dadurch entstand offenbar Diskussionsbedarf, so dass die Sitzung sogar für einige Minuten unterbrochen werden musste. In kleiner Runde, an der auch Ex-Clubchef Ronald Kelm-Kläger mitmischte, einigte man sich schließlich auf Böttcher als Kandidat des dritten Stellvertreters. Mit nur 48 Stimmen – 16 waren dagegen, 14 enthielten sich – wurde er schließlich gewählt. Erfolgreichste Saison Gut aufgestellt scheint weiter der Nachwuchs zu sein. „Wir hatten zwar eine bewegte Saison mit viel Auf und Ab“, erklärte Jugendleiter Toni Fischer, aber unter dem Strich sei es die erfolgreichste Saison aller Zeiten gewesen. Alle Jugendteams hätten in der abgelaufenen Spielzeit vorne mitgemischt – auch wenn die Junioren wieder einmal den Aufstieg verpasst hätten. „Sie haben darunter gelitten, dass Trainer gegangen oder zur ersten Mannschaft gewechselt sind, darunter hat die Disziplin gelitten“. Statt Platz 1 in der Bayerliga belegten die EVL-Junioren nur Platz 1 in der Strafzeiten-Statistik. Einen Seitenhieb gab es von Fischer dann zum Abschluss noch in Richtung Ex-Coach Franz-Xaver Ibelherr. „Bei uns war zu Weihnachten die Saison eigentlich gelaufen, da hätte er durchaus ein paar Spieler in die erste Mannschaft einbauen können.“ Sattes Minus, viele Spenden Keine guten Nachrichten hatte Schatzmeister Stephan Spingler für die 100 EVL-Mitglieder im Sportzentrum parat. Statt des geplanten Schuldenabbaus wurden im abgelaufenen Wirtschaftsjahr weiter Miese gemacht – gut 5000 Euro gemacht. Damit hat sich der Schuldenberg des EV Landsberg 2000 auf rund 326000 Euro erhöht. Und das, obwohl Vereins-Vize Karin Federl noch vor Wochen im KREISBOTEN-Interview verkündet hatte, 120000 Euro vom Minus abgebaut zu haben. Dann sei es aber hart auf hart gekommen. Spingler: „Immer mehr Rechnungen, die wir bezahlen mussten.“ Dazu kam eine unerwartete Steuernachzahlung für den Nachwuchs aus der Saison 05/06. Bei den Einnahmen von Zuschauern und vor allem beim Marketing (90000 Euro) sei ein dickes Minus eingestrichen worden. Dazu kamen teuere Nachverpflichtungen für die erste Mannschaft, um die Fans nicht komplett aus der Eishalle zu vertreiben. Aufgefangen worden sei dies durch die enorme Spendenbereitschaft im Verein. Hier hat der EVL ein Plus von sage und schreibe 130000 Euro gemacht. „Viele Darlehensgeber haben auf ihr Geld verzichtet und die Summen in Spenden umgewandelt“, erklärt Stephan Spingler. Harter Sparkurs Für die neue Saison kündigte der Schatzmeister einen harten Sparkurs an. Hintergrund sind die kalkulierten Einnahmen, bei denen man mit einem Minus von 26 Prozent rechnet. Daher werde der Rotstift bei den Ausgaben vor allem bei der Oberliga-Mannschaft angesetzt. So stehen für den kompletten Spielbetrieb in der Saison 09/10 70000 Euro weniger zur Verfügung. Dennoch sei es „ein fair kalkulierter Haushalt, der das Überleben sichern müsste“, so Schatzmeister Spingler. Er gab bekannt, dass von den großen Werbepartner bereits mündliche und schriftliche Zusagen vorlägen. Für die erste Mannschaft rechnet er in der kommenden Saison mit einem Zuschauer- schnitt von 800 – inklusive der Dauerkartenbesitzer.

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