2000 Euro für Nutella im Gesicht

Wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung ist eine 32-Jährige aus dem zentralen Land- kreis Landsberg zu 2000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Sie hatte ihr Aupair-Mädchen beschimpft, geschubst, geschlagen und ihm schließlich noch ein Nutellabrot ins Gesicht geschmiert.

Die Vorfälle ereigneten sich im Mai dieses Jahres, als die 26-jährige Kenianerin erst wenige Wochen bei der Familie war, wo sie zwei Kinder im Alter von drei und fünf Jahren zu betreuen hatte. Das dreijährige Mädchen leidet an Diabetes und muss deshalb exakt abgewogene Mahlzeiten erhalten. Damit aber tat sich das Aupair-Mädchen schwer. Laut Aussage der Angeklagten habe sie der jungen Frau am fraglichen Tag „elf-, zwölfmal“ erklärt, wie die Weißbrotscheibe und die richtige Menge Nutella abzuwiegen seien. Schließlich habe sie das Brot „auf die Arbeitsplatte geknallt“ und gesagt, „so blöd kann doch kein Mensch sein“. Ansonsten sei keine Beleidigung gefallen, ganz zu schweigen von körperlichen Attacken. „Ich bin manchmal aufbrausend, aber ich schlage weder meine Hunde noch meine Kinder noch meine Aupair-Mädchen“, beteuerte die nervös und unbeherrscht wirkende Angeklagte vor Amtsrichterin Sabine Grub. Sie sei mit der Kenianerin sogar gemeinsam ausge- gangen, habe ihr erlaubt, Besuch von ihrem Freund zu bekommen, und ihr jederzeit Internetzugang gestattet. „Meine Aupair-Mädchen haben es sehr, sehr gut bei mir.“ Üble Beschimpfungen Die junge Kenianerin stellte die Situation anders dar. Nett sei ihre Gastmutter nur in der allerersten Woche gewesen. Danach habe sie als „Schlampe“ und „Arschloch“ beschimpft, geschubst und mit der flachen Hand geschlagen. Am Tag der Nutella-Attacke „war sie sehr nervös, schrie mich an und schmierte mir schließlich das Brot ins Gesicht“. Völlig aufgelöst und weinend rief die Geschädigte erst einen befreundeten Pfarrer an, ihre Schwester und schließlich die Polizei. Dort kannte man den Namen der Gastmutter bereits von Vorfällen mit zwei früheren Aupair-Mädchen aus Namibia und Turkmenistan. Hier kamen allerdings keine Ermittlungsverfahren zustande. Laut der angeklagten Aupair-Mutter lagen beide Male Irrtümer und Missverständnisse vor. Auch die junge Kenianerin habe ihre Vorwürfe erfunden, um die Familie verlassen und in Frankfurt ein soziales Jahr antreten zu können. „Sie hatte Angst, dass sonst ihr Visum nicht verlängert wird“, sagte die Angeklagte. An „eine große Show wegen des Visums“ mochte Staatsanwalt Christian Engelsberger jedoch nicht glauben. Und auch Richterin Grub folgte der Darstellung der Geschädigten und verurteilte die Gastmutter zu einer Geldstrafe von 2000 Euro.

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