Neue Marke im Aufbau

Der Süddeutsche Töpfermarkt ist Geschichte

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Am Stand von Kermaik Wagner aus Ingolstadt grüßt die „fette Henne“.

Landsberg – Der Süddeutsche Töpfermarkt ist Geschichte – zumindest in seiner heutigen Form. Zum letzten Mal fand er am Wochenende im Herkomer-Park statt. Nächstes Jahr ist fast alles neu: Ein anderer Ort, ein Tag weniger und ein anderer Name. Aber Harald Busse bleibt der Lechstadt als Marktleiter erhalten: „Ich bin zwar ein älterer Herr, aber Elan hab ich noch genug!“ Diesen Elan spürt man deutlich. 2016 scheint ein gutes Jahr für den Töpfermarkt zu werden, dann aber für den „Landsberger Töpfermarkt!“.

Schmissige Jazzklänge empfangen am Sonntagmorgen die Besucher des 38. Süddeutschen Töpfermarkts. Die 12th Street Jazz Connection begleitet die zahlreichen Gäste bei Bier, Kaffee, Auszogene und anderen Schmankerln. Die Stimmung ist gut. Am Morgen noch Regen, aber jetzt strahlt die Sonne auf das rege Markttreiben. „Das Wetter ist für uns gerade richtig“, sagt eine Aus- stellerin. „Bei 38 Grad gehen die Leute ja eher ins Freibad.“ Auch mit dem Verkauf sind die Standbesitzer zufrieden. „Es ist wirklich gut gelaufen“, meint Carola Schmidt-Tesch von der Töpferei Landsberg.

Ein letztes Mal Süddeutscher Töpfermarkt

So zufrieden hörten sich die Aussteller am Freitag noch nicht an. Da der Zeitpunkt des Marktes wegen des Ruethenfestes um eine Woche verschoben werden musste, fiel er mit dem Töpfermarkt in Oberroth-Ebersberg zusammen. Einige Aussteller mussten sich entscheiden, was mit ein Grund für die etwas geringere Anzahl (42) an Teilnehmern sei, erklärt Marktleiter Busse. Und noch zwei Gründe führt Busse an: „Viele Stamm-Aussteller fehlen, da die Aus-schreibung zu spät erfolgte. Und es gab auch das Gerücht, dass der Markt schon dieses Jahr nicht mehr hier im Park stattfinden sollte“.

Wie die Hühner

Das Gerücht blieb zwar Gerücht, aber die Aussicht, nächstes Jahr wegen der geplanten Restaurierung des Landschafts-gartens beim Mutterturm auf die St.-Laurent-Du-Var-Promenade ausweichen zu müssen, sorgte bei den Ausstellern für heftiges Stirnrunzeln. „Da sitzen wir ja wie die Hühner auf der Stange“, war der meistge-hörte Kommentar. Auch Stadtrat Hans-Jürgen Schulmeisters Umformulierung in „Perlen auf einer Kette“ half da nicht. Die Aussteller wollen den Park nicht aufgeben. „Die besondere Atmosphäre dieses Parks ist einzigartig“, erklärt Harald Busse, „es gibt nichts vergleichbares in Süddeutschland.“

Marktleiter Harald Busse sieht optimistisch in die Zukunft des „Landsberger Töpfermarktes“.

Die Planung war für den Marktleiter nicht einfach. „Mein Vorgänger hat das eher so Freestyle-mäßig gemacht. Unterlagen hatte ich keine.“ Dazu kamen noch die Einschränkungen durch den Denkmalschutz: Der Töpfer Stefan Motzke etwa hatte sein Zelt vor den historischen Blumentöpfen aufgeschlagen, musste aber noch im letzten Moment umziehen: „Die meinten, man könne die Töpfe dann nicht mehr sehen“, erklärt Motzke. Ob die Besucher des Töpfermarktes das historische Detail tatsächlich sehen wollen, war nicht zu ergründen.

Stefan Motzke steht jetzt direkt am Eingang zum Markt. In seinem selbstgebauten Raku-Ofen brennt er bei 1000 Grad seine Rohlinge und legt sie danach zum Abkühlen in eine Metallkiste, die mit Sägespänen gefüllt ist. Mit einer langen Zange holt er die glühend heißen Stücke heraus. Es raucht und qualmt, und dann ein lautes Zischen, wenn Motzke die Stücke ins kalte Wasser taucht. Durch diese Brenntechnik entstehe ein Muster, Risse in der Glasur, in denen sich der Ruß der Sägespäne festsetze.

Qualm am Turm

Durch den Qualm hindurch sieht man direkt auf den Mutterturm. Doch das Rondell davor ist leer. „Manche Besucher sagen da gleich, der Markt sei ja nicht voll“, meint Busse. Aber auch das Rondell durfte wegen des Denkmalschutzes nicht benutzt werden, denn „das würde die Aussicht auf den Mutterturm einschränken“, fügt Busse schmunzelnd hinzu. Letztendlich fanden alle 42 Aussteller einen Platz, auch wenn mancher Stand sich mit herabhängenden Ästen arrangieren musste. „Aber sehr viel mehr hätten wir auch nicht untergebracht“, so Busses Frau Ingrid. Wegen der Bauarbeiten am und im Herkomermuseum war die Platzwahl zusätzlich eingeschränkt.

Schon am ersten Markttag strömen die Besucher bei strahlend blauem Himmel zum Markt. Bänkelsänger Erik Müller steht spielend und singend am rosaroten Töpferstand Waal, die Besucher verschaffen sich einen ersten Überblick und kaufen auch schon fleißig ein. Danach gibt’s eine Pause auf den Parkbänken oder in der Sonne am Imbiss vor dem Turm. „Die Werbung war dieses Jahr richtig gut“, freut sich Busse. „Ein ausdrückliches Lob an Katharina Britzger vom Marktamt dafür“.

Am Samstag heizen „Willie und die Magneten“ mit ihrem musikalischen Credo „Vielfalt, Groove und ohrwurmverdächtige Melodien“ die Stimmung an. Die Musik dringt auch zu den noch ganz jungen Künstlern im angrenzenden Zelt: „Beim Kindertöpfern können die Kleinen ihrer Phantasie freien Lauf lassen“, sagt Lena Riepertinger, eine der Betreuerinnen, die ein Auge auf die Buben und Mädchen hat. Im Zelt steht ganz hinten ein Tisch, belegt mit blauem und grünem Kreppband. „Das soll der Lech sein“, sagt Riepertinger. Und wenn sie wollen, können die Kinder die Tiere und Pflanzen vom Lech aus Ton formen. Auf dem Tisch stehen schon etliche Werke: Algen, Schnecken, Fische…, Seehunde, ein Pinguin und auch ein Hai…

Ein Tag weniger

Die anfänglichen Bedenken wegen des neuen Standorts im nächsten Jahr sind am Sonntag noch nicht verschwunden, aber doch zumindest schwächer geworden. Harald Busse hat mit seinen Leuten geredet, ihnen die Situation erklärt, seine Ideen aufgezeigt. „Das könnte schon was werden“, meint Schmidt-Tesch. Auch die Verkürzung auf zwei Tage kommt den Ausstellern entgegen. „Der Freitag lohnt sich nicht immer, für uns ist es aber eine zusätzliche Belastung wegen der Übernachtungskosten und der Standge- bühren“, argumentieren die Aussteller.

Wie genau der Markt an der Promenade im nächsten Jahr aussehen soll, ist noch nicht klar. Busse plant aber nicht die Hühner auf der Stange: „Wir wollen einzelne Bereiche schaffen, wenn möglich auch in die Wiese hinein.“ Die finanzielle Planung wird verstärkt in Zusammenarbeit mit Harald Busse gemacht. „Wenn das laufen soll, müssen die Teilnehmer mitbestimmen dürfen, wofür ihre Standgebühren ausgegeben werden“, sagt er.

Neue Marke

Dass der Töpfermarkt zu einer Marke wird, ist ein weiteres Ziel Busses. Der bisherige Name sei nicht wirklich gut: „Man muss so etwas auch verorten können. Die Leute identifizieren sich doch mit ihrer Stadt“. Und deshalb heißt es ab nächstem Jahr „Landsberger Töpfermarkt“.

Trotz aller noch nicht gelösten Probleme sieht Busse optimistisch in die Zukunft: Die Zusammenarbeit mit dem städtischen Marktamt insgesamt laufe gut und für den neuen Namen gebe es auch schon ein positive Signal vom Stadtrat – alles gute Voraussetzungen für das nächste Jahr.

Susanne Greiner

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