»Duft« aus dem Autofenster

22-Jähriger Landsberger wegen Drogen und Volksverhetzung verurteilt

Hanfblätter
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Im März wurde der 22-Jährige mit Marihuana und Amphetaminen erwischt.
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Landsberg – Er wollte dazugehören, auf Festivals nicht immer allein herumstehen. „Ich hatte früher sehr, sehr wenige Freunde“, sagte ein 22-Jähriger vor dem Amtsgericht Landsberg. Die Kumpels, die er schließlich fand, taten ihm allerdings nicht gut. Es galt als cool, gemeinsam Drogen zu konsumieren. Im März wurde der Landsberger mit Marihuana und Amphetaminen erwischt. Es war nicht das erste Mal.

Er saß als Beifahrer bei einem Freund im Auto. In der Lechfeldstraße fiel einer Polizeistreife der Wagen auf. Als die Beamten eine allgemeine Verkehrskontrolle durchführten, schlug ihnen aus dem Autofenster ein starker Marihuanageruch entgegen. Eine Durchsuchung brachte hinter dem Beifahrersitz einen Rucksack zutage, der dem 22-Jährigen gehörte – was dieser auch sofort zugab. Darin befanden sich 15 Gramm Marihuana und 29 Gramm Amphetamin.

Bei einer Durchsuchung seines Zimmers in der elterlichen Wohnung fanden die Beamten weitere Drogen, darunter auch Haschisch, sowie eine Schreckschusspistole und Utensilien wie ein Vakuumiergerät.

Der Verdacht, dass der 22-Jährige die Betäubungsmittel nicht nur konsumierte, sondern auch verkaufte, erhärtete sich aber nicht. Er selbst bestritt jegliches Handeltreiben.

Eine Untersuchung seines Handys brachte allerdings weitere Straftatbestände zum Vorschein. Offenbar war der Landsberger Mitglied in einer Whatsapp-Gruppe, die rechtsradikale, volksverhetzende und gewaltverherrlichende Inhalte teilte. Von September 2020 bis Januar 2021 verschickte er Nachrichten mit Bildern, Stickern und Videos, die verbotene Nazi-Kennzeichen enthielten, Menschen mit dunkler Hautfarbe verächtlich machten und zum Teil grausame Gewalttaten zeigten, darunter eine Hinrichtung durch den IS. Die Szene soll mit fröhlicher deutscher Schlagermusik unterlegt gewesen sein.

Er habe sich nichts dabei gedacht, diese Nachrichten weiterzuschicken, beteuerte der 22-Jährige vor Strafrichter Michael Eberle. In der bewussten Whatsapp-Gruppe hätten das alle gemacht. „Ich bin kein Rechtsextremist. Es war auch nie meine Absicht, Propaganda zu verbreiten oder etwas zu verherrlichen“, so der Landsberger. Tatsächlich waren bei der Durchsuchung seines Zimmers keine Hinweise auf eine extremistische Gesinnung gefunden worden.

Sein kooperatives Verhalten bei der Polizei und ein umfassendes Geständnis halfen ihm vor Gericht – ebenso die Tatsache, dass er mittlerweile im Handwerksbetrieb seines Vaters arbeitet, eine Ausbildung machen und den Betrieb später übernehmen will. „Ich bin auf dem Weg zur Besserung“, beteuerte der Angeklagte. Zu seinen früheren Freunden habe er keinen Kontakt mehr.

Negativ fielen allerdings drei Vorstrafen ins Gewicht – alle wegen Drogensachen. Der 22-Jährige hatte bereits zwei Jugendarreste abgesessen und war zuletzt per Strafbefehl zu 2.700 Euro Geldstrafe verurteilt worden, nachdem er auf dem Parkplatz des Landsberger Burger King dabei erwischt worden war, wie er Betäubungsmittel an jemanden übergab. Diese Strafe stottert der 22-Jährige derzeit noch in kleinen Raten ab.

Juristisch stellte der Strafbefehl eine Zäsur da, sodass die Taten davor und danach gesondert abgeurteilt werden mussten. Die Staatsanwaltschaft forderte für die Fälle von Volksverhetzung, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Gewaltdarstellung eine Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 40 Euro und für den Drogenbesitz eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten auf Bewährung sowie eine Geldauflage von 2.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung.

Verteidiger Cliff Radke bat für seinen Mandanten um eine Strafe, die diesem nicht den Weg in die Zukunft verbaue. Mit den von der Anklage geforderten Summen wäre der 22-Jährige auf Jahre verschuldet. „Wie soll er das stemmen?“ Zumal der Landsberger ja eine Ausbildung beginnen wolle und den Führerschein machen müsse, um die Firma seines Vaters übernehmen zu können. Der Angeklagte selbst erklärte in seinem letzten Wort: „Ich weiß, ich hab Scheiße gebaut. So was wird nicht mehr vorkommen.“

Eberle blieb mit seinem Urteil dann auch unter den Forderungen des Staatsanwalts und beließ es bei zehn Monaten auf Bewährung und 6300 Euro Geldstrafe (180 Tagessätze à 35 Euro).

Auf weitere Geldauflagen verzichtete er, um dem 22-Jährigen eine Perspektive zu lassen. Der nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an.

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