Nichts dazu gelernt

22-Jähriger wegen Körperverletzung  verurteilt

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Ein 22-Jährige ist wegen Körperverletzung, Beleidigung und Sachbeschädigung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden.

Landsberg – Vor dem Amtsgericht Landsberg legte er nur ein Teilgeständnis ab. Die Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung und Beleidigung seien falsch. Nur die Sachbeschädigung gab er zu. Das Gericht nahm dem 22-Jährigen Angeklagten das aber nicht ab und verurteilte ihn zu einem Jahr auf Bewährung und 200 Sozialstunden.

In der Anklageschrift heißt es, der Angeklagte, der Anfang 2016 aus dem Iran nach Deutschland geflohen war, habe sich an einem Abend im November 2017 in einer Landsberger Wohnung eines Freundes aufgehalten. Anwesend waren sieben weitere Personen. Der 22-jährige Angeklagte hatte im Life des Abends ein 17-jähriges Mädchen als Schlampe beschimpft. Grund dafür, so das Mädchen und ein weiterer Zeuge, soll ein Kondom gewesen sein, dass jemand aus der Jackentasche der 17-Jährigen gezogen hatte.

Im weiteren Verlauf des Abends hatte der Angeklagte zudem eine Wodkaflasche und eine Armbanduhr nach dem Mädchen geworfen – ohne schwerer Folgen. Als der Angeklagte das Mädchen noch körperlich angehen wollte, ging ein 17-Jähriger dazwischen. Das Mädchen sagte aus: „Er hat mich verteidigt und gesagt ,Schlag mich´.“ Daraufhin soll der Iraner dem 17-Jährigen mindestens dreimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Der Geschlagene hat daraufhin die Wohnung verlassen und wenig später die Polizei verständigt. Währenddessen habe der 22-Jährige das Handy des Mädchens gegen eine Wand geworfen.

Als die Polizei in der Wohnung eintraf, waren nur noch der Angeklagten und der Mieter der Wohnung anwesend. Das Mädchen hatte sich kurz zuvor von seiner Mutter abholen lassen. Sie erstattete am nächsten Tag Anzeige. Der Jugendliche wurde erst rund zwei Monate später vernommen, da der Jugendliche keine Anzeige erstatten wollte – obwohl er an dem Abend ein Veilchen und einen abgesplitterten Backenzahn davontrug. Vor Gericht verweigerte er dann seine Aussage komplett, wenngleich er bei seinem Anruf und auch bei der Aussage auf dem Polizeirevier die Vorfälle bestätigt hatte. Vor Gericht erklärte er lediglich: „Ich will mich einfach nur raushalten.“

Im Laufe der Verhandlung kam heraus, dass die 17-Jährige sich wohl von dem Angeklagten und dessen Verlobte nach ihrer Anzeige unter Druck gesetzt gefühlt habe. Sie zeigte Richter Michael Eberle eine Textnachricht, die die Verlobte ihr geschrieben hatte. Darin wurde sie als Lügnerin bezeichnet und außerdem solle sie die Anzeige zurückziehen. Eberle deutete diese Nachricht in seinem Urteil als „Einwirken auf Zeugen“. Auch hielt er es nicht für ausgeschlossen, dass das der Grund ist, warum der 17-Jährige nicht aussagen wollte.

Der 22-Jährige selbst schilderte den Verlauf des Abends anders. Als er in der Wohnung eintraf sei das Mädchen schon „voll betrunken“ gewesen. Die Jugendliche stritt das vor Gericht ab. Sie habe lediglich zwei Dosen Bier und ein Cola-Mix-Getränk mit Whiskey oder Wodka getrunken. Der 22-Jährige gab an, dass die beiden Jugendlichen sehr laut gewesen seien und er sie deshalb gebeten habe zu gehen. Der Junge habe die Wohnung auch gleich verlassen, nur das Mädchen habe sich geweigert zu gehen.

Für das zerstörte Handy entschuldigte sich der Iraner am nächsten Tag per SMS und auch vor Gericht. Mehr sei nicht passiert. Er habe niemanden verletzt und auch nicht beleidigt. „Ich respektiere Frauen und würde das niemals sagen.“ Er vermute, dass der 17-Jährige die Polizei nur gerufen habe, weil er eifersüchtig war. Er hatte kurzzeitig eine Beziehung zu dem Mädchen und wollte wohl nicht, dass sie ohne ihn in der Wohnung bleibe.

Letztlich glaubte Richter Eberle dem Angeklagten nicht und verurteilte ihn zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung plus 200 Sozialstunden. Negativ auf die Entscheidung wirkte sich aus, dass der 22-Jährige schon dreimal einschlägig verurteilt wurde. Eberle gab in seiner Urteilsbegründung zu, dass er von der Bewährung nicht ganz überzeugt sei. Er wäre damit lediglich der Forderung der Staatsanwaltschaft gefolgt.

Staatsanwalt Korbinian Radmeier stellte in seinem Plädoyer nämlich eine gute Sozialprognose. Der Angeklagte spreche gutes Deutsch, gehe zur Berufsschule und er habe nach diversen Praktika eine Ausbildungsstelle in Aussicht. Das Gericht ging aber vor allem aufgrund der vorherigen Verurteilungen wegen Körperverletzung von einer Wiederholung aus. „Aber wenn die Staatsanwaltschaft Ihnen noch eine Chance geben möchte, werde ich mich davor nicht verschließen.“ Eberle machte aber deutlich, dass bei einer erneuten Straftat die Bewährung sofort aufgehoben würde.

Stephanie Novy

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