Schusswaffe, Alkohol, Schwarzfahren:

Aus der Zelle in die Zelle

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Beamtenbeleidigung, betrunken am Steuer, Fahren ohne Führerschein und noch mehr: Dafür muss ein 25-jähriger Pürgener jetzt für ein Jahr ins Gefängnis.

Landsberg – Wegen unerlaubten Führens einer Schusswaffe saß er bereits in der Zelle, als er den diensthabenden Polizisten als „Hurensohn“ beschimpfte. Deshalb und weil er mit fast zwei Promille und ohne Führerschein unterwegs war, musste sich der 25-jährige Pürgener nun vor dem Amtsgericht Landsberg verantworten. Aufgrund seiner zahlreichen, zum Teil einschlägigen Vorstrafen sahen Richterin und Staatsanwalt keine Chance mehr auf Bewährung und verurteilten den jungen Mann zu einer einjährigen Haftstrafe.

Vor Gericht legte der 25-Jährige durch seinen Verteidiger Rudolf Saebel ein vollumfängliches Geständnis ab. Die Beleidigung des Polizisten räumte er ebenso ein wie seine Alkoholfahrt mit 1,91 Promille sowie ohne Führerschein und drei weitere Fahrten ohne entsprechende Fahrerlaubnis.

Im Dezember letzten Jahres war der Pürgener wegen des Führens einer Schusswaffe verhaftet und in eine Zelle gebracht worden. Dort habe er aber auf den Alarmknopf gedrückt und immer wieder gegen die Tür gehämmert. Deshalb sollte der 21-jährige Polizist auf Weisung seines Vorgesetzten, vor der Zelle aufpassen, damit der Insasse keinen „Quatsch“ mache, schildert der Beamte vor Gericht. Daraufhin soll der Angeklagte zu dem Polizisten gesagt haben: „Lass mich raus, du Hurensohn, sonst zwing ich dich dazu“. Vor Gericht räumte der Angeklagte das ein und entschuldigte sich persönlich bei dem Polizisten.

Die Frage nach den Gründen für diese Taten beantwortete der Verteidiger damit, dass der Angeklagte seit seiner Kindheit unter der Krankheit ADHS leide. Durch diese Erkrankung habe der junge Mann ein „Autoritätsproblem“ und weise eine „impulsgesteuerte Verhaltensweise“ auf, so Rechtsanwalt Saebel während der Verhandlung. Sein Mandant habe sich nun zu einer Therapie entschlossen und werde diese in Kürze beginnen. Einen Antrag auf verminderte Schuldfähigkeit stellte der Jurist jedoch nicht.

Für Richterin Simone Zwiener kam die Diagnose doch etwas überraschend: Vor einem halben Jahr, als der junge Mann wegen einer anderen Sache schon einmal vor dem Amtsgericht Landsberg erscheinen musste, sei davon noch keine Rede gewesen. Laut Verteidiger Saebel liege das daran, dass diese Krankheit bei Erwachsenen noch nicht so erforscht und außerdem schwer zu erkennen sei.

Auch seine Vielzahl an Vorstrafen sprächen für ADHS und die damit einhergehenden Verhaltensauffälligkeiten seines Mandanten. „Das zieht sich seit vielen Jahren wie ein roter Faden durch sein Leben“, so Saebel. Das wichtigste sei nun daher, dass sich der junge Mann in Behandlung begebe: „Eine erfolgreiche Therapie würde dieses Verhalten stoppen“, meint der Rechtsanwalt. Daher plädierte er darauf, die Freiheitsstrafe unter strengen Auflagen – wie einen monatlichen Bericht an das Gericht – zur Bewährung auszusetzen. Auch der Angeklagte selbst gab an, nun erkannt zu haben, dass er sich einer Therapie unterziehen müsse.

Doch sowohl Staatsanwalt Christian Peikert als auch Richterin Simone Zwiener sahen die lange Liste an Vorstrafen und die hohe Rückfallgeschwindigkeit, die der 25-Jährige an den Tag legte, problematisch. Außerdem habe er die Taten zum Teil unter offener Bewährung begangen, so Richterin Simone Zwiener.

So verurteilte sie den jungen Mann zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr: Der 25-Jährige habe die Therapie bisher noch nicht begonnen. Daher sei auch noch keine Prognose möglich. Außerdem verhängte die Richterin eine Führerschein-Sperrfrist für zwei Jahre, da der Angeklagte sich als „ungeeignet zum Führen eines Fahrzeugs“ gezeigt habe. Ebenso muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

Astrid Erhard

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