Sechs Monate Haft:

Diebesgut auf eBay bemerkt

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Der Diebstahl von Pferdezubehör im Wert von 300 Euro brachte einem 25-Jährigen eine Haftstrafe ein.

Landkreis – Reitutensilien im Wert von etwa 300 Euro hat ein 25-jähriger Stallbursche seinem Arbeitgeber, einem Pferdehof und dessen 60-jähriger Betreiberin aus dem Süden des Landkreises, geklaut. Nachdem er bereits einschlägig vorbestraft war, verurteilte Richterin Stefanie Mader den Stallburschen zu sechs Monaten Haft.

Gerade erst hatte sich die 60-Jährige Landwirtin bei der Western-Messe „Americana“ mit neuem Equipment für ihre etwa 20 Pferde eingedeckt. Als sie im November 2015 von einem einwöchigen Krankenhausaufenthalt zurückkehrte, stellte sie fest: Einige der erst kürzlich erworbenen Artikel waren verschwunden. Ihre Tochter machte daraufhin eine erstaunliche Entdeckung, sie fand einige der Gegenstände auf eBay wieder. Aber woher die Gewissheit, dass es sich dabei ausgerechnet um das verschollene Eigentum der 60-Jährigen handelte? „Erkannt habe ich es an den Baumwollzügeln, die sind sehr exquisit“, bescheinigte die Frau. Die Zügel seien zwar nicht von großem Wert, würden aber „in einem normalen Geschäft nicht verkauft.“

Beim Klick auf den Anbieter des eBay-Artikels dann der Schock: Dort leuchtete der Name ihres Stallburschen auf, der sie offenbar beklaut und seine Beute dann zum Verkauf im Internet angeboten hatte. Gemeinsam mit ihrem Mann fuhr die Landwirtin daraufhin zu ihrem 25-jährigen Angestellten nach Hause, wo aber lediglich dessen Mutter anzutreffen war. Schon als diese die Tür öffnete, erhärtete sich der Verdacht des Diebstahls. An der Garderobe hingen sämtliche vermisste Pferdeartikel: die Baumwollzügel, ein Kappzaum und ein Sidepull – Gesamtwert: 300 Euro. Bei eBay tauchten unter den Angeboten des Angeklagten noch weitere vermisste Artikel auf, die womöglich auch geklaut wurden. Nachweisen konnte das Amtsgericht jedoch nurmehr die besagten drei.

Trotz der Offensichtlichkeit des Sachverhalts und der Tatsache, dass sich der Stallbursche unmittelbar nach seiner Tat ein „Tut mir leid“ abringen konnte, war der Fall noch nicht geklärt. Bei der Polizeibefragung bezichtigte der junge Mann nämlich eine 26-jährige Angestellte des Hofes, ihm die Pferdeutensilien geschenkt zu haben. Die 26-Jährige wurde deshalb als Zeugin geladen – mit einem glaubwürdigen „Ich habe nichts verschenkt“ war ihr Job vor Gericht nach etwa zwei Minuten bereits erfüllt.

Die Schuld sah Staatsanwältin Julia Ehlert folglich zweifelsfrei beim 25-Jährigen und forderte eine Haftstrafe von acht Monaten ohne Bewährung. Letztere wurde dem Angeklagten bei seiner vorherigen Verurteilung im August 2014 – ebenfalls wegen Diebstahls – noch eingeräumt. „Leider haben Sie sich die Bewährung nicht als Warnung dienen lassen“, befand Ehlert. Völlig anders bewertete Verteidiger Marcus Becker die Situation: Der Geschädigte in der Sache sei sein Mandant, denn dieser habe mehrmals in der Woche für die Landwirtin gearbeitet und dafür lediglich einen Lohn von 100 Euro pro Monat bekommen. Dadurch hatte der Angeklagte die Unterstellkosten für sein eigenes Pferd in Absprache mit seiner Hofchefin reduziert. Becker sah darin jedoch vielmehr die „Ausbeutung einer billigen Arbeitskraft unter dem Mindestlohn“ und plädierte auf Freispruch.

"Nichts geliefert"

Richterin Stefanie Mader schlug schlussendlich in die Kerbe der Staatsanwältin und offenbarte dem Angeklagten: „Sie haben mir rein gar nichts geliefert, was mich dazu bringen könnte, Ihnen noch eine Bewährungschance zu geben.“ Mader ahndete den Diebstahl deshalb mit einem halben Jahr Haft, ferner müsse der Angeklagte die Kosten des Verfahrens tragen. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht.

Marco Tobisch

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