In Handschellen vors Gericht

Kriminelle Karriere eines Landsbergers endet im Knast

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In Handschellen wurde ein 26-jähriger Wiederholungstäter aus Landsberg vors Amtsgericht geführt.

Landsberg – Im Jahr 2009 saß ein heute 26-Jähriger zum ersten Mal vor Richter Alexander Kessler auf der Anklagebank Damals war Kessler gerade ein Jahr in der Lechstadt. Nun verlässt er sie in Richtung Neu-Ulm, wo er Direktor des Amtsgerichts wird. In Kesslers letzter Verhandlung in Landsberg war der Angeklagte wieder jener junge Mann von 2009, der nach einer kriminellen Karriere jetzt endlich die Kurve kriegen will.

In den elf Jahren seit der ersten Verurteilung hatte Kessler den Landsberger noch mehrmals vor sich. Mal ging es um Diebstahl, mal um Sachbeschädigung, mal um Körperverletzung, meist aber um Drogendelikte. Die Strafen steigerten sich von Sozialstunden über Freizeitarrest und Jugendstrafe bis hin zur Freiheitsstrafe. Zuletzt versemmelte der 26-Jährige eine Bewährung, weil er sich an keine der Auflagen – drogenfrei leben, Therapie antreten, regelmäßig zur Bewährungshilfe gehen und Sozialstunden leisten – gehalten hatte. Deshalb sitzt er nun im Gefängnis und wurde von dort in Handschellen vorgeführt, um sich eine weitere Strafe abzuholen.

Es standen mehrere Vorwürfe in der Anklageschrift. Im Juli 2018 verkaufte der Landsberger zwei Gramm Marihuana an einen damals 14-Jährigen. Im August 2019 wurde er in der elterlichen Wohnung im Besitz von Rauschgift angetroffen. Die Polizei war zur Durchsuchung bei seinem jüngeren Bruder angerückt, wurde aber durch den Geruch eines Joints in das Zimmer des 26-Jährigen gelockt. Tage später fuchtelte er vor seiner Mutter mit einem Messer herum, stach in die Arbeitsplatte der elterlichen Küche, zerschnitt eine teure Jacke seines Bruders und drohte: „Den werde ich zerfleischen.“ Mutter und Bruder stellten Strafanträge.

Vor Gericht legte der 26-Jährige ein vollumfängliches Geständnis ab. Dies war Teil einer Verfahrensabsprache zwischen Kessler, Staatsanwältin Irmina Zeitner und Verteidiger Ulrich Swoboda. So kam der Angeklagte mit einer Gesamtstrafe davon, in die auch zwei ältere Strafbefehle wegen Schwarzfahren und Drogenverkäufen einbezogen wurden. Das Urteil lautete auf drei Jahre Haft. Was er bis jetzt bereits abgesessen hat, wird angerechnet. Eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung ist nach der Verbüßung von zwei Dritteln möglich, so dass der 26-Jährige noch ein Jahr und sieben Monate hinter Gittern vor sich hat – wenn alles gut geht.

Wird es das? Der gebürtige Dresdener, der vor knapp 20 Jahren mit seiner Familie nach Landsberg kam, gab sich geläutert. Er hat im Gefängnis eine Ausbildung zum Schreiner begonnen. „Er will endlich einen Schlussstrich ziehen und neu anfangen“, wie Verteidiger Swoboda sagte. Dass der 26-Jährige nach der Haft sein Leben endlich auf die Reihe kriegt, wünscht sich auch Kessler. Selbst, wenn er schon oft enttäuscht wurde. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“
Ulrike Osman

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