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Doping: 28-jähriger Breitensportler zu Geldstrafe verurteilt

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Ein 28-Jähriger ist vor dem Amtsgericht wegen Dopings verurteilt worden. Sein Anwalt sah allerdings keinen Straftatbestand.

Landkreis – Rechtsanwälte und Richter sind gefühlt schon naturgemäß unterschiedlicher Meinung. Was die Strafbemessung angeht, haben sie oftmals andere Ansichten. Bei einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Landsberg wegen Dopings, war Rechtsanwalt Helge Müller-Roden sogar der Meinung, dass das Anti-Doping-Gesetz seinem Mandanten aus dem nördlichen Landkreis Landsberg das „Selbstdoping“ ausdrücklich erlaube. Richter Michael Eberle sah das aber ganz anders.

Müller-Roden musste mehrmals beim Zeugen von der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck nachfragen. „Ist das Ermittlungsverfahren nur aufgrund des Besitzes der Substanzen eingeleitet worden?“ Die Antwort des Beamten: „Ja.“ Müller-Roden sah bei dem Verfahren allerdings keinen Straftatbestand. Sein Mandant, der wegen des Besitzes einer nicht geringen Menge an Dopingmitteln angeklagt war, habe sich gar nicht strafbar gemacht. Das dazugehörige Gesetzt legte der Anwalt so aus, dass es lediglich für Spitzen- und Leistungssportler gelte. „Es setzt eine Teilnahme an Wettbewerben voraus.“ Sein Mandant, ein 28-Jähriger aus Penzing, beteuerte, nie an Wettkämpfen oder ähnlichem teilgenommen zu haben. Er sei eine Zeit lang bei mehreren Fitnessstudios angemeldet gewesen. Dafür habe er die Mittel genommen.

Richter Eberle hatte eine ganz andere Auslegung des Gesetzes. „Es gibt da zwei Stränge.“ Einerseits ginge es darum, die Fairness und Chancengleichheit bei Wettbewerben sicherzustellen. Es sei aber in dem betreffenden Gesetz ausdrücklich davon die Rede, die Gesundheit zu schützen. „Und das betrifft auch die Breitensportler“, schloss Eberle. Die Unterscheidung liege lediglich bei der Menge. Spitzensportler dürften gar keine Dopingmittel besitzen oder einnehmen. Beim Breitensport sei alles, was die nicht geringe Menge überschreite, strafbar. „Was eine nicht geringe Menge ist, ist in der Dopingmittelmengenverordnung genau festgelegt.“ Der Angeklagte habe diese um das 111-fache überschritten.

Die Sachverständige Dr. Claudia Rautenberg vom Institut für Dopinganalytik und Sportchemie erklärte vor Gericht, dass es sich um eine „recht beachtliche Menge“ gehandelt habe. Die in den insgesamt sechs Asservaten festgestellte Menge an Steroiden käme insgesamt auf 25 Gramm. „Das ist mit einem Eigenkonsum vereinbar. Man kann von einem ambitionierten Bodybuilder ausgehen.“

Neben den Muskelwachstumsmitteln habe der Angeklagte auch ein Medikament besessen, das verwendet würde, um die Nebenwirkungen zu bekämpfen. Wenn dem Körper eine hohe Menge an Steroiden zugeführt werde, würde er es umwandeln in das weibliche Hormon Östrogen. Das führe dazu, dass die Brüste wachsen und sich Fett im Untergewebe leichter ansammelt.

Der Angeklagte stritt die Vorwürfe gegen ihn nicht ab. Allerdings betonte er, dass sich unter den sichergestellten Mitteln auch solche befunden hätten, die er gar nicht verwendet habe. „Drei der Substanzen habe ich nicht vertragen.“ Er habe Fieber bekommen und gespürt, wie sich das Mittel im Muskel einge­kapselt habe. Eigentlich habe er die Substanzen wegschmeißen wollen. Weil sie ganz hinten im Schrank lagen, aber wohl vergessen. Der Vorsitzende verwies darauf, dass auch ohne diese Mittel die nicht geringe Menge längst erreicht sei.

In seinem Plädoyer brachte Verteidier Müller-Roden dann noch einen weiteren Aspekt gegen eine Verurteilung an. Er bezweifelte, dass die Sicherstellung der Substanzen ordnungsgemäß vonstatten ging. Er betrachtete ein Beweisverwertungsgebot als angemessen, was zwangsläufig zu einem Freispruch geführt hätte.

Richter Eberle gab dem Anwalt recht. Bei der Sicherstellung sei der Angeklagte nicht anwesend gewesen. Nur dessen Exfreundin, die dabei war, auszuziehen. Sie war es auch, die die Beamten rief und sie bat, die Mittel mit­zunehmen. „Es wäre geboten gewesen, eine Beschlagnahmung richterlich anzuordnen.“ Dass das nicht geschehen sei, ist laut dem Richter aber kein böswilliger Trick gewesen. Vielmehr sprach er von Schludrigkeit der Polizei. „Es war nicht ganz korrekt, vergiftet aber den Beweis nicht.“

Letztlich wurde der 28-Jährigen zu einer Geldstrafe von 4.500 Euro verurteilt. Von einer Freiheitsstrafe auf Bewährung, wie es die Staatsanwaltschaft forderte, sah er ab. Der Angeklagte ist nicht vorbestraft und mache insgesamt einen recht guten Eindruck. „Ich glaube, dass sie mittlerweile neue Ziele und sich aus dem Ganzen gelöst haben.“ Tatsächlich wirkte der Mann nicht so, als würde er noch mit Anabolika hantieren. „Ich konsumiere nicht mehr“, bestätigte der Angeklagte. „Ich habe auch schon zehn Kilogramm verloren. Das erste Mal seit Langem passe ich wieder in ein Hemd Größe M.“

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