Schläge führen hinter Gitter  

30-Jähriger vom Schöffengericht Landsberg zu Haftstrafe verurteilt

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Vorsätzliche Körperverletzung, Sachbeschädigung und Raub: das Schöffengericht Landsberg verurteilt zu Haftstrafe
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Landsberg – Auf der Anklagebank wirkte er ganz harmlos, sprach stockend und beteuerte seine Unschuld. Doch der 30-Jährige war schon öfter durch aggressives Verhalten aufgefallen und brachte auch eine einschlägige Vorstrafe mit. 

Diesmal stand er wegen vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Raub vor dem Schöffengericht Landsberg. Und auch, wenn im Laufe der Verhandlung einige Anklagepunkte wegfielen, kam am Ende eine Haftstrafe heraus – ohne Bewährung.

Es hatte Streit gegeben zwischen dem aus Nigeria stammenden Mann und seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau. Im Juni letzten Jahres besuchte er die drei gemeinsamen Kinder – vierjährige Zwillingssöhne und eine einjährige Tochter – in einer Asylbewerberunterkunft in Landsberg und wollte nicht gehen, als die Frau ihn nach dem Ende der Besuchszeit dazu aufforderte. Bei dieser Auseinandersetzung soll der gelernte Schreiner die 32-Jährige ins Gesicht und gegen die Schulter geschlagen sowie durch Fußtritte den Fernseher und eine Lautsprecherbox beschädigt haben.

Ein Zimmernachbar der Frau bezeugte vor Gericht die Schläge. Er war an jenem Nachmittag durch den Lärm aufgeschreckt worden und dazwischen gegangen. Dann hatte er mit dem 30-Jährigen gemeinsam die Unterkunft verlassen. Doch kurz darauf kehrte der Angeklagte noch einmal zurück. Seine Ex-Frau war gerade dabei, die Polizei zu rufen. Um ihr das Handy abzunehmen, verdrehte der Mann ihr das Handgelenk. Da die Frau auf dem anderen Arm ihre kleine Tochter trug, ließ sie das Handy zu Boden fallen. Der Angeklagte nahm es und ging.

Für Staatsanwältin Katrin Wegele war das Raub. Der Angeklagte konnte jedoch mittels einer Quittung nachweisen, dass er das Handy ursprünglich selbst in einem Landsberger Elektro-Markt gekauft hatte. Auch der Vorwurf der Sachbeschädigung wurde fallengelassen, da sich herausstellte, dass auch der Fernseher und die Lautsprecherbox vom Angeklagten bezahlt worden waren.

Was allerdings die Körperverletzung betraf, folgte das Schöffengericht der Aussage der Ehefrau – wenn diese auch „nicht den besten Eindruck“ gemacht habe, wie die Vorsitzende Richterin Katrin Prechtel einräumte.

Die Geschädigte hatte im Zeugenstand behauptet, den Angeklagten erst auf der Flucht in Italien kennengelernt zu haben und nicht mit ihm verheiratet zu sein – während er darauf beharrte, dass in Nigeria eine traditionelle Hochzeit stattgefunden habe. Auch erklärte sie, der Mann habe ihr das besagte Handy zur Geburt des jüngsten Kindes geschenkt. Gekauft worden war es aber erst drei Monate später.

Angesichts der Widersprüche und unglaubwürdigen Aussagen bezeichnete Verteidiger Marcus Becker die Geschädigte als „beste Zeugin der Verteidigung“. Die Frau habe dem Gericht Märchen aufgetischt. Becker plädierte auf Freispruch – sein Mandant habe im Zuge des Streits lediglich sein Handy zurückerlangen wollen.

Doch auch der Angeklagte hatte das Gericht zuvor mit zweifelhaften Behauptungen bedient – etwa der, dass seine Frau ihn geschlagen habe und dass der Zimmernachbar ihr Liebhaber sei (was dieser bestritt). Der 30-Jährige versuche, sich als Opfer darzustellen, resümierte Richterin Prechtel später in der Urteilsbegründung. Dabei sei er selbst es, der zu aggressivem Verhalten und Gewaltausbrüchen neige.

Das hatte ein Polizeibeamter im Zeugenstand bestätigt. Und vom Amtsgericht Wolfratshausen, wo der Angeklagte und seine Familie zuvor gewohnt hatten, war er wegen Körperverletzung, tätlichen Angriffs und Widerstands wegen Vollstreckungsbeamte bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Deshalb kam für das Schöffengericht nun eine neuerliche Strafaussetzung nicht in Frage. Es schickte den 30-Jährigen für acht Monate hinter Gitter.
Ulrike Osman

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