Laut sein, um gehört zu werden

3.000 Menschen bei Landsberger Fridays-for-Future-Demo

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Alt und Jung demonstrierte heute Mittag in Landsberg für mehr Klima-Engagement: 3.000 Teilnehmer konnte die Landsberger Fridays-for-Future-Gruppe auf die Straße holen.

Landsberg – Während in Berlin das Klima-Paket mit 50 Milliarden Euro ausgehandelt wird und auf der ganzen Welt Menschen fürs Klima auf die Straße gehen, startet auch in Landsberg die Fridays-for-Future-Demo: Satte 3.000 Teilnehmer kamen heute auf den Hauptplatz. Alt und Jung, denn zum ersten Mal sind auch die Nicht-Schüler ausdrücklich zum Mitdemonstrieren aufgerufen.

In Landsberg startet die Demo um 14 Uhr – sozusagen in der neunten Stunde. „Das sind nicht Schüler, die einfach nur Schule schwänzen wollen“, urteilt eine der erwachsenen Teilnehmerinnen. „Der Klimawandel betrifft uns alle.“ Sie habe es satt, von der Politik hingehalten zu werden: „Es reicht jetzt.“ Ihre Arbeitszeit könne sie sich flexibel einteilen, muss also nicht „schwänzen“. Auch von den anderen Erwachsenen scheint kaum jemand Urlaub genommen zu haben – sei es, weil sie im Home-Office arbeiten, selbstständig sind, nur halbtags arbeiten oder schon „jenseits von Gut und Böse“ sind, wie ein älterer Herr sagt.

Wobei sich die Zaungäste meist positiv zu dem Streik äußern. Eine ältere Dame, die im Vorderanger den lautstarken Demozug beobachtet, findet die Aktion „absolut richtig“. Wenn die Jugend nichts mache, mache niemand etwas. „Man muss laut sein, um in dieser Welt gehört zu werden.“

"Ohne Eis kein Eisbär"

Und laut sind sie, die Jugendlichen. „Hopp, hopp. Hopp. Kohlestopp!“ Ist einer der Slogans, die die Teilnehmer aus voller Kehle rufen. „Kurzstreckenflüge nur für Insekten“ ein anderer. Eine Schuhmachermeisterin schließt sich mit „Schuhe reparieren statt wegwerfen“ an. Neben akustischen Slogans gibt‘s zahlreiche Plakate. Die Welt als schmelzende Eiskugel auf einer Eiswaffel. Ein elfjähriges Mädchen, das zum ersten Mal bei der FFF-Demo dabei ist, hat einen Eisbären auf treibender Scholle gemalt. Auf einem Blatt steht mit Buntstiften ein simples „Es reicht!“

Der Demonstrationszug geht vom Hauptplatz über die Karolinenbrücke, am Landratsamt vorbei und über die Sandauer Brücke zurück. Insgesamt laufe die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern sehr gut, urteilt die Polizei. Verkehrschaos sei keines entstanden, der Stau in der Neuen Bergstraße habe sich schnell aufgelöst. Auch im Hinteren Anger warten nur drei Autos auf Durchfahrt. Lediglich die Augsburger Straße hat’s wieder erwischt. „Die Leute meckern ein bisschen, aber insgesamt ist es ok“, berichtet der Polizist, der die von der Augsburger Straße kommenden PKW-Fahrer anhalten muss.

Auch Artenschutz ist Klima-Thema

Nach der Demo und vor dem „bayerischen Rootsreggae“ von Ska-Jah gibt es noch eine Kundgebung. Man werde sich von Negativität und Unverständnis nicht aufhalten lassen, ruft Isabella. „Wir sind so viele, das ist nicht übersehbar.“ Für leere Worte sei keine Zeit mehr, ein „Systemwandel“ notwendig. Für die Wissenschaftler tritt ein Angestellter des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum auf, die in Gründung befindlichen „Parents for Future“ stellen sich vor. Und einer der Veranstalter sucht den ältesten Teilnehmer, indem er erst alle unter 60 hinsitzen lässt. Dann geht es in Zehnerschritten aufwärts. Am Ende steht nur noch ein Mann. Er ist über 90. Dennoch mehr im Thema als der jüngste Teilnehmer. Denn der ist gerade mal zwei.

Susanne Greiner

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