Mückenplage am Ammersee

Initiative wächst

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Über ihren Kampf gegen die Mückenplage am Ammersee und die damit verbundenen Verluste wird die Echinger Strandhaus-Wirtin Miriam Pavic derzeit ständig im Fernsehen interviewt. Hier für die „Abendschau“ von BR-Reporter Boris Berg.

Eching – Die bekannteste Wirtin rund um den Ammersee ist zur Zeit Miriam Pavic (38) vom Strandhaus in Eching. Ob im Fernsehen in der BR-„Abendschau“, in der ZDF-„Drehscheibe, in „Bayern“ auf SAT.1 oder bei „Stern-TV“ auf RTL (am kommenden Mittwoch, 21. Juni, um 22.15 Uhr), im öffentlichen und privaten Rundfunk, in regionalen und überregionalen Zeitungen und natürlich in den sozialen Medien ist sie gefragte Interview­partnerin zum Thema Mückenplage. Doch sie würde gerne auf den unverhofften Ruhm verzichten und dafür ein paar Euro mehr in der Kasse haben. Denn immer wieder muss sie trotz idealem Sommerwetter ihr Seerestaurant im Erholungsgebiet vorzeitig schließen und auf Einnahmen verzichten. Wenn nämlich wieder mal ganze Mückenschwärme überfallartig ihre Gäste pie­sacken.

Die ergreifen die Flucht und neue Besucher werden schon auf dem Weg vom Parkplatz zum Restaurant gestochen und machen kehrt. Obwohl Miriam Pavic alles unternimmt, um ihren Gästen den Aufenthalt mit dem traumhaften Blick auf den Ammersee zu erleichtern: Mit Citronella-Kerzen, Ventilatoren und elektrischen Fliegenklatschen auf den Tischen und im Kiosk mit sechs verschiedenen Antimücken-Mitteln zum Einreiben und Einsprühen. Auch die von den Naturschützern vielgepriesenen Fledermauskästen, die sie rund ums Haus angebracht hat, sind wirkungslos. Die Ammersee-Mücken scheren sich um kein Gegenmittel und gehen immer aggressiver auf ihren Blutbeutezug. Auf der Terrasse, im Biergarten und auch der Liegewiese, wo manche Kinder wie Streuselkuchen aussehen. Immer wieder bleibt Pavic keine andere Wahl, als ihr Lokal vorzeitig zu schließen.

Miriam Pavic ist es leid und hat sich der Initiative „Mückenplage – Nein, danke“ des Schondorfer Gemeinderates Rainer Jünger angeschlossen. Hier will sie aktiv mitwirken, dass man von kommunaler Seite endlich grünes Licht gibt für eine biologische Bekämpfung der Plagegeister. Einzig Echings Bürgermeister Siegfried Luge macht sich bislang dafür stark und arbeitet auch aktiv bei der Initiative mit. So betreut er im Ampermoos Mückenfallen des Biologen Felix Sauer von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, die Mückenarten und ihre Lebensraumbedingungen hier wissenschaftlich untersucht (der KREISBOTE hat darüber ausführlich berichtet). Diese Mückenfallen stehen rund um den Ammersee, wobei sich jetzt zur Freude von Luge und Jünger der Landkreis Landsberg dem Mücken-Monitoring angeschlossen hat und einige der Fallen mitfinanziert. Luge, ständig mit Beschwerden von Echinger Bürgern konfrontiert, ist inzwischen selbst Mückenfachmann. Er weiß, dass die Überschwemmungsmücken ihre Eier bevorzugt in den Ampermoos-Hochwasserflächen ablegen. Wird die Fläche durch starken Regen oder Hochwasser überschwemmt, schlüpfen binnen weniger Tage Millionen Stechmücken und beginnen ihre gnadenlose Jagd auf Menschen. Vor allem nachmittags und abends, bei hoher Luftfeuchtigkeit und in beschatteten Gebieten, treten sie dann massenhaft in Schwärmen auf. So wie beim Echinger Strandhaus, wo Gäste und Personal innerhalb von Minuten bis zu 40 Einstiche zählen konnten.

Laut Rainer Jünger wird nach der morphologischen und molekulargenetischen Auswertung der gefangenen Mücken eine Kartierung der Überschwemmungsgebiete am Ammersee angestrebt, um das Genehmigungsverfahren für eine biologische Bekämpfung mit dem Bodenbakterium BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) in die Wege zu leiten. Am Chiemsee und am Oberrhein wird das Mittel bereits seit Jahren erfolgreich eingesetzt zum Schutz der Anwohner und Touristen. Im Landkreis Deggendorf wird BTI sogar kostenlos an Bürger abgegeben, damit sie ihre Gärten möglichst mückenfrei genießen können. Davon kann Miriam Pavic nur träumen, wenn sie wieder das „Ssss“ der angreifenden Plagegeister in den Ohren hat.

Natur- und Umweltschützer halten dagegen, dass man mit der Bekämpfung der Mücken den Fischen, Vögeln und Fledermäusen die Nahrung dezimiere. Eine einzige Fledermaus würde pro Nacht rund 4.000 Mücken verspeisen. Davon merke Miriam Pavic trotz der angebrachten Fledermauskästen allerdings nichts, wie sie betont.

Bei der Unterschriftensammlung der Initiative haben inzwischen fast 3.000 genervte Bürger aus der Ammersee-Region mitgemacht. Ob im Internet unter www.mueckenplage-nein-danke.de oder auf den in Gastronomiebetrieben und Geschäften ausgelegten Listen rund um den See kann man unterschreiben. Im Internet besteht auch Gelegenheit, in Kommentaren „Dampf abzulassen“. Diese zum Teil sehr kritischen Meinungen sollten sich die Bürgermeister der Ammersee-Gemeinden einmal ernsthaft zu Gemüte führen, wünscht sich Miriam Pavic. Am besten auf ihrer Terrasse an einem mücken-intensiven Abend. Sie würde den Kommunalpolitikern dabei gerne Freibier ausschenken, wenn sie sich endlich mit der Thematik beschäftigen und die Verzweiflung der Bürger und Urlauber über die Mückenplage nicht weiter ignorieren. 

Dieter Roettig

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