33. Jahresausstellung des RBK

Auf den Weg gemacht

33. Jahresausstellung RBK Säulenhalle
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Treppauf, treppab in der Säulenhalle. Das „Würfelspiel“ von Gertrud von Winckler in der RBK-Jahresausstellung.

Landsberg – Der Ton wird rauer. Was sich in der Gesellschaft zeigt, schwappt auch auf die33. Jahresausstellung des Regionalverbands Bildender Künstler Oberbayern West (RBK) über, die bis zum 3. Oktober in der Säulenhalle zu sehen ist. Skulpturen, Fotografien, Collagen und Gemälde – und viele von ihnen wirken rau, nicht in sich ruhend, zeigen eher Weggehen als Angekommen-Sein. Das kann durchaus spannend sein. Und passt zur Zeit, die Kunst ja widerspiegelt. Dass sich die Säulenhalle in ihrer Bausubstanz dabei dem rauen Ton anpasst, ist weniger wünschenswert.

Ein wenig erinnert es an M. C. Eschers „Treppauf Treppab“, was Gertrud von Winckler als „Würfelspiel“ präsentiert. Die Treppen entstehen durch grob aus breiten Holzdreiecken herausgestemmte Späne. Eine ‚derbere‘ Arbeit als ihre fast transparent anmutenden Acrylscheiben-Aufreihungen mit ‚Kratzern‘, die räumliche Figuren erzeugen. Auch Barbara Manns zeigt sich von einer ungewohnten Seite: „Das Training“ ist düster grau-schwarz, drei Jugendliche, die mit Virtual-Reality-Brillen ausgestattet begeistert etwas erleben – ein zeitgleiches Spielen, aber jeder spielt in seiner eigenen, nicht realen Welt. Und auch Katharina Schellenberger weicht vom Gewohnten ab: Das wie ein Raumteiler gehängte „Verkopfung“, ein großformatiges Gemälde, scheint deutlicher ausgearbeitet als sonst und erinnert in seiner Ornamentik – dem wuchernden Kopf – an einen chaotischen Klimt. Und Ulrike Schroeters Skulptur „Sprung in der Schüssel“ geht weg vom Glatten, bezieht die bestehende Struktur des Materials – hier ein breiter Riss – in die Arbeit ein.

Marlen Peix ist durch die für sie typischen Lochkamerabilder erkennbar. In der Säulenhalle zeigt sie „Alles im Wandel“, Kängurus in einer gleißend rot-gelben Welt mit grünem Mond. „Ein Umweltthema“, sagt sie, entstanden, als die Brände in Australien wüteten. Auch Svea Grafs Fotoarbeit „Zeit der Verwandlung“, auf einer Deponie in Utting entstanden, setzt Umwelt als Thema: gebündeltes Altpapier, säuberlich strukturiert aufgetürmt, aber jedes Bündel in sich ein Wirrwarr aus Papierfetzen und Farbsprengseln. Umwelt mag vielleicht auch bei Sivia Mühleisens „Christbaumplantage“ Thema sein: grob gemalte Nadelzweige in nebeneinander angeordneten Kreisen, die die Christbaumkugeln und damit den dann geschlagenen Baum ahnen lassen.

Es gibt aber auch weniger Rauhes. In Leila Morgensterns „Leichtigkeit“ tanzen sieben Kinder, jedes von ihnen in einer fließenden, geschlossenen Linie gemalt. Am Anfang dieser Bewegungsbilder stand dabei ein Logo, das sie für eine Kinder-Tanzschule entworfen hatte. „Die Formen haben mich dann nicht mehr losgelassen.“

„Für mich ist die Jahresausstellung immer wieder spannend“, sagt RBK-Vorsitzende Silvia Großkopf. „Wer hat was gemacht, in welche Richtung gehen die Künstler?“ Sie selbst arbeitet gerade experimentell: Reispapier, das sie gestisch, ohne Konzeption, mit Aquarellfarbe bemalt und das dünne Papier anschließend durch Knautschen oder auch fixierenden Lack bearbeitet. Es mache ihr Spaß, sagt sie. Wohin es führe, wisse sie aber noch nicht.

Zu viel »shabby«

Großkopfs Bild ist allerdings nicht in der Ausstellung zu sehen: Im Raum ist es zu feucht, das Reis­papier wurde zu schwer und sackte ab. Grund dafür ist der viele Regen, unter dem auch die Säulenhalle gelitten hat: Stockflecken, abblätternde Abdeckungen, hinten in der Ecke hört man es tropfen – was zwar zu Christoph Frankes hypnotisch-magischem Waldfoto „Tief“ passt, was aber selbst für ein Foto keine ideale Umgebung ist. Hier müsste dringend etwas getan werden. Denn ‚shabby‘ hat nur bis zu einem gewissen Punkt Charme. Und der ist in der Säulenhalle überschritten.

Die Ausstellung ist von Dienstag bis Freitag von 16 bis 20 Uhr und samstags und sonntags von 14 bis 20 Uhr geöffnet.
ks

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