Amtsgericht Landsberg: Haftstrafe auf Bewährung

35-Jähriger attackiert Rettungssanitäterin mit Klapp-Rasiermesser

Klapp-rasiermesser
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Mit so einem Rasiermesser ging ein 35-Jähriger im vergangenen Jahr auf eine Rettungssanitäterin los und musste sich jetzt vor Gericht dafür verantworten.

Landsberg – Die Rettungsassistentin hatte keinerlei Anspannung oder Gefahr wahrgenommen, als sie den Raum betrat. Umso größer war der Schock, als der Mann, dem sie helfen wollte, mit einem Klapp-Rasiermesser auf sie losging. Dass die Frau bis heute unter den Folgen des Vorfalls leidet, wurde jetzt vor dem Amtsgericht Landsberg deutlich. Dort musste sich der 35-jährige Täter wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Behinderung von Rettungsdiensten und Beleidigung verantworten.

Wirklich verletzen wollte der aus Syrien stammende Koch an jenem Abend im Juli vergangenen Jahres weder die Rettungs­assistentin noch seinen Bruder, der bei dem Versuch, den 35-Jährigen zu überwältigen, eine Schnittwunde an der Hand davontrug. Doch der Angeklagte hatte mit fast einem Promille Alkohol im Blut die Kontrolle über sich verloren. Außerdem befand er sich in einer psychischen Ausnahmesituation, so Verteidiger Florian Bracht.

Demnach lag der Vater des 35-Jährigen in Damaskus mit lebensbedrohlichen Herzproblemen im Krankenhaus, ein Cousin war kurz zuvor tödlich verunglückt. Aus Verzweiflung hatte sich der Angeklagte betrunken und versucht, sich mit dem Klapp-Rasiermesser das Leben zu nehmen. Entsetzt wählte seine Verlobte daraufhin den Notruf.

Von null auf hundert

Bei ihrem Eintreffen sei alles ruhig gewesen, berichtete die BRK-Rettungsassistentin im Zeugenstand. „Es war keinerlei Aggression im Raum. Die Situation ist von null auf hundert explodiert.“ Plötzlich kam der 35-Jährige mit dem geöffneten Messer auf sie zu, und die Frau riss ihren Einsatzkoffer hoch, um sich zu schützen. Es kam zu einer Rangelei zwischen der Rettungsassistentin, dem Angeklagten und seinem Bruder, der in derselben Wohnung lebt. Drei Polizeibeamte überwältigten schließlich den um sich tretenden, beißenden 35-Jährigen und brachten ihn ins Klinikum Landsberg. Dort versuchte er dann noch, einen der Beamten anzuspucken, und beleidigte ihn.

Der Angeklagte verbrachte die Nacht in der Psychiatrie. Es tue ihm alles sehr Leid, versicherte er vor Strafrichter Michael Eberle. Als Schmerzensgeld hatte er in bar 800 Euro für die vier Geschädigten mitgebracht – mehr könne der derzeit Arbeitslose nicht aufbringen, so Verteidiger Bracht.

Die Rettungsassistentin hatte Schmerzen am Rücken, an der Schulter und am Arm davongetragen. Schwerer aber wiegen die psychischen Folgen der Tat. Sie gerate seitdem in unvorhergesehenen Situationen leichter in Panik, sagte die Frau aus. Der Bruder des 35-Jährigen hat ihm den Vorfall inzwischen verziehen, ebenso die Verlobte.

Vermindert schuldfähig?

Dass der Angeklagte sich an jenem Tag in einer Ausnahmesituation befunden habe, konnte Staatsanwalt Philip Kramer „in Grenzen“ nachvollziehen, nicht aber die daraus entstandene Eskalation. „Es ist sehr unschön, wenn man sich gegen Leute wehrt, die einem helfen wollen.“ Die Verteidigung ging aufgrund des Alkohols und der Anpassungsstörung, die dem Angeklagten attestiert worden war, von verminderter Schuldfähigkeit aus.

Letztlich sprachen sich Anklage und Verteidigung aber für das gleiche Strafmaß aus – zehn Monate Haft auf Bewährung plus 120 Stunden gemeinnützige Arbeit. So lautete dann auch das Urteil, das der Angeklagte noch im Gerichtssaal annahm.
Ulrike Osman

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