Wenn aus Zuneigung Hass wird

35-Jähriger terrorisiert zwei Jugendliche: drei Jahre Gefängnis

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Ein 35-Jähriger schrieb zwei minderjährigen Mädchen und deren Eltern über Monate hinweg beleidigende Nachrichten – teils mehrere Hundert pro Tag.

Ammersee – Richter Alexander Kessler saß dem 35-jährigen Angeklagten aus dem Ammersee-Gebiet schon zum zweiten Mal gegenüber. Erst im Januar dieses Jahres wurde er zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Damals hatte er einem 13-jährigen Mädchen einen Joint geschenkt. Jetzt musste er sich abermals vor Gericht verantworten – wegen Nachstellung und Beleidigung eben jenes Mädchens und deren Freundin.

Im Oktober 2017 hatte der Angeklagte die beiden Mädchen am Bahnhof kennengelernt. Man freundete sich an. Im Sommer 2018 feierte eines der Mädchen ihren 14. Geburtstag. Der Angeklagte sagte bei seiner ersten Verhandlung aus: „Ich habe ihr aus Freundschaft zwei Joints gedreht.“

Doch irgendwann wurde aus Freundschaft Hass. Es kam zum Streit. Der 35-Jährige bombardierte das mittlerweile 15-jährige Mädchen mit hunderten Handynachrichten täglich – gespickt mit „Beleidigungen unterster Schublade“, wie Richter Kessler sagt. Zudem hat der Angeklagte auch das zweite Mädchen und die Eltern der beiden Minderjährigen mit beleidigenden Textnachrichten und Briefen überhäuft.

Schon vor der Verhandlung hatte der 35-Jährige die Vorwürfe gestanden. Seine Begründung war allerdings nicht für jeden im Gerichtssaal nachvollziehbar. Er habe gemerkt, dass es einfach nicht in Ordnung sei, wenn er mit dem Mädchen, das seiner Ansicht nach Gefühle für ihn hatte, in Kontakt stand. Aufgrund des hohen Altersunterschiedes habe er den Kontakt abbrechen wollen. Um sie abzuschrecken, habe er die Nachrichten geschrieben. „Ich wollte nicht, dass sie sich wieder bei mir meldet.“

Den beiden Mädchen blieb aufgrund des Geständnisses eine Aussage vor Gericht erspart. Nur die beiden Mütter sagten aus. Vor allem eines der Mädchen, das schon zuvor psychische Schwierigkeiten hatte, litt massiv unter den Nachrichten. Panikattacken, Schlafstörungen, Essensverweigerung.

Vor Gericht macht der Angeklagte immer wieder auf sein Alkohl- und Drogenproblem aufmerksam. Doch der Gutachter sah keinen Zusammenhang zu den Taten. Der 35-Jährige, der schon mehrmals in einer Klinik war, habe jedes Mal andere Angaben zu den Mengen an Alkohol gemacht, die er trank. Zudem habe er sich trotz seiner angeblich schweren Sucht an die Kontaktverbote gehalten.

Richter Kessler sah darin den Versuch, dem Gefängnis zu entgehen und stattdessen den Paragraf 64 des Strafgesetzbuches geltend zu machen. Demnach wäre er in eine Entziehungsanstalt gekommen. „Das ist hier keine Wunschkonzert“, sagte der Vorsitzende. Er folgte der Empfehlung des Gutachters und verurteilte den bereits einschlägig vorbestraften Mann zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren ohne Bewährung. Darin floss auch die Strafe aus der ersten Verhandlung ein.

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