Blutüberströmt und extrem aggressiv

Tobender 36-Jähriger vor Landsberger Club

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Vier Polizisten waren vor einem Landsberger notwendig, um einen 36-Jährigen aus Untermeitingen zur Raison zu bringen.

Landsberg – Vier Polizeibeamte waren im September 2018 nötig, um einen aggressiven 36-Jährigen aus Untermeitingen unter Kontrolle zu bringen. Der Mann hatte auf dem Kauferinger Volksfest gefeiert und war anschließend mit Freunden in einen Club an der Waitzinger Wiese in Landsberg weitergezogen. Dort geriet er in eine Auseinandersetzung. Warum und wieso, blieb in der Verhandlung vor dem Amtsgericht offen. Dort saß der 36-jährige Untermeitinger jetzt wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und versuchter Körperverletzung auf der Anklagebank.

Seine Erinnerung an die fragliche Nacht erwies sich als lückenhaft. Er sei zum Rauchen hinausgegangen, berichtete der 36-Jährige. Es sei vier Uhr morgens gewesen und er habe bereits drei Maß Bier sowie Wodka intus gehabt.

Draußen geriet der 36-Jährige offenbar mit einer Gruppe in Streit. „Ich kannte die Leute nicht und weiß nicht mehr, worum es ging. Aber die Sache ist eskaliert“, gab der mehrfache Familienvater an. Irgendwann sei er auf dem Boden gelegen. „Mehrere hielten mich fest, einer schlug zu. Ich habe mich gewehrt.“ Als kurz darauf die Polizei eintraf, war die Schlägerei bereits beendet und die anderen Beteiligten verschwunden. Vergeblich versuchten die Beamten, den tobenden 36-Jährigen zu beruhigen. Er weigerte sich, seine Personalien anzugeben und leistete Widerstand, als ihn daraufhin ein Polizist nach seinem Ausweis durchsuchen wollte. „Ich fühlte mich ungerecht behandelt“, sagte der Angeklagte vor Gericht aus.

Den Aufwand, den es brauchte, um den Mann am Boden zu fixieren, beschrieb einer der beteiligten Beamten (28) im Zeugenstand als ziemlichen Kraftakt. Der Angeklagte sei blutüberströmt und sehr aggressiv gewesen. „Die Türsteher holten seine Freunde dazu. Auch die schrie er an.“ Hätte der Mann sich einsichtig gezeigt, wäre er seinen Bekannten übergeben worden – und das ganze Nachspiel wäre ausgeblieben.

So aber wurde er von den Beamten fixiert und auf die Polizeiwache verfrachtet, wo er den Rest der Nacht in der Arrestzelle verbringen sollte. Vorher wurde der Untermeitinger aufgefordert, seine Oberbekleidung abzulegen – in so einem Fall ein übliches Verfahren, damit der Festgenommene sich in der Zelle nicht selbst gefährden kann. Erneut leistete der Mann heftigen Widerstand und musste von den Beamten entkleidet werden. Während der ganzen Zeit warf er den Polizisten üble Beschimpfungen an den Kopf.

„Ich kann es mir vorstellen“, antwortete der 36-Jährige zerknirscht auf die Frage, ob er die Beleidigungen geäußert habe. Verteidigerin Frauke Andresen unterstrich allerdings, ihr Mandant sei eigentlich „ein ganz ruhiger Mensch“. Sie vermutete, dass in jener Nacht außer dem Alkohol noch etwas anderes für seine Aggressivität verantwortlich gewesen sei – nämlich Pfefferspray, das versprüht worden sein soll, bevor die Polizei eintraf. „Pfefferspray macht aggressiv.“ Die Verteidigerin plädierte für eine Geldstrafe von höchstens 4.000 Euro.

Michelle Menzinger als Vertreterin der Anklage wollte den 36-Jährigen dagegen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt sehen und forderte acht Monate auf Bewährung. Zugunsten des Angeklagten wertete sie, dass er nicht vorbestraft war, Reue zeigte und sich bei den Polizisten entschuldigt hatte.

Einen „Grenzfall zur Freiheitsstrafe“ sah auch Richter Michael Eberle. Er beließ es jedoch bei einer Geldstrafe, allerdings einer deutlich höheren als von der Verteidigung gefordert. 180 Tagessätze à 40 Euro muss der Familienvater zahlen, also 7.200 Euro.

Eberle gestand dem 36-Jährigen zu, durch die vorangegangene Auseinandersetzung gereizt gewesen zu sein. Doch vor dem Club hätten in der fraglichen Nacht „30, 40 angetrunkene Leute mit einer Grundaggressivität“ gestanden. In dieser Situation habe der Angeklagte durch sein Verhalten die Situation zusätzlich aufgeheizt und die negative Grundstimmung gegenüber den Polizeibeamten massiv verstärkt. „Eine Entschuldigung in der Hauptverhandlung macht das nicht besser.“

Ulrike Osman

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