Auf Druck der Ehefrau:

Landsberger zahlt Unterhalt mit Drogen

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Mit Rauschgift den Unterhalt zu begleichen ist fürwahr keine gute Idee.

Landsberg – Dass geschiedene Eltern wegen Unterhaltszahlungen in Streit geraten, kommt ständig vor. Was sich ein 38-jähriger Landsberger und die Mutter seiner Kinder zur Konfliktlösung einfallen ließen, ist allerdings – zum Glück – mehr als ungewöhnlich: Er zahlte seine Unterhaltschulden in Form von Drogen – angeblich auf Druck der Exfrau.

Der 38-Jährige stand jetzt wegen Handels mit Betäubungsmitteln vor dem Schöffengericht Landsberg. Auf ihn aufmerksam geworden war die Polizei nach einem Hinweis der Kollegen aus Buchloe. Dort hatte man bei einem anderen Verdächtigen in Drogensachen die Verbindung nach Landsberg festgestellt.

Prompt folgte im März diesen Jahres eine Hausdurchsuchung bei dem 38-Jährigen. Und dabei wurde gleich ein ganzes Sammelsurium an Rauschgiften sichergestellt, darunter 170 Gramm Marihuana, 17 Gramm Kokain, 106 Gramm Amphetamin, dazu Haschisch und Ecstasy-­Tabletten. Die Gesamtmenge war sechs- bis siebenmal so hoch wie das, was das Gesetz als „nicht geringe Menge“ definiert.

Vor Gericht begründete der Mann den Drogenhandel damit, dass sein „Geld hinten und vorn nicht gereicht“ habe. Sein Verdienst als Leiharbeiter deckte kaum seine monatlichen Fixkosten wie Miete, Strom und Telefon. Außerdem musste er aus einer früheren Verurteilung eine Geldstrafe abstottern. Unterhalt für seine Exfrau und die zwei gemeinsamen, zehn und 13 Jahre alten Söhne habe er nicht aufbringen können. In dieser Situation habe die Frau statt Geld Amphetamine von ihm verlangt. „Sie hat mich erpresst“, beteuerte der Angeklagte. Ohne Drogenlieferung habe er seine Kinder nicht sehen dürfen.

Als Beweis legte er Protokolle von Whatsapp-Chats vor. Darin bittet die Frau unter anderem, er solle ihr „etwas vom Markt“ oder „griechische Leckereien“ mitbringen. In einer der Nachrichten heißt es: „Ich brauche bald Hilfe, ich bringe meine Regale nicht an die Wand“. Auf die Frage, wieviele Regale es seien, antwortet sie: „Fünf, denke ich.“ In anderen Nachrichten bittet sie um „Obst für die Bowle“ oder um Kuchen („nicht ein Stück, nur drei Gabeln“). All dies seien verschlüsselte Forderungen nach Rauschgift gewesen, behauptete der Angeklagte.

„Abartig“ fanden das der Vorsitzende Richter Alexander Kessler und die Schöffen. „Aber wir sind hier nicht vor dem Familien­gericht“, fügte Kessler hinzu. Zu beurteilen war lediglich der Tatvorwurf des Drogenhandels. Denn ganz offensichtlich hatte der Angeklagte nicht nur seine Exfrau versorgt. Über 4.500 Euro Bargeld waren ebenfalls bei ihm gefunden worden. Bei der großen sichergestellten Menge an Rauschgift und den zehn Vorstrafen, die der Mann mitbrachte, stand er denkbar knapp vor einer Haftstrafe ohne Bewährung.

Was schließlich den Ausschlag gab, waren die Anstrengungen, die der Angeklagte unternommen hatte, um seinem Leben eine positive Wendung zu geben. Er hat eine Umschulung zum Berufskraftfahrer absolviert und steht kurz vor der entscheidenden Fahrprüfung, die er erst jetzt – nach Abschluss des Gerichtsverfahrens – machen darf. Eine gut bezahlte Stelle bei einer Spedition habe er bereits in Aussicht. Im Januar will er mit seiner neuen Lebensgefährtin zu einer Tante nach Nordrhein-Westfalen ziehen, so dass er aus seinem alten Umfeld wegkommt.

Verteidiger Nico Werning betonte, sein Mandant habe sich seit der Tat vorbildlich verhalten. „Er hat ernsthaft versucht, sein Leben in den Griff zu kriegen.“ Staatsanwalt Dominik Semsch sah dennoch keinen Spielraum für eine Bewährungsstrafe. In der Vergangenheit sei der Ange­klagte immer wieder straffällig geworden – er habe sich als unbelehrbar erwiesen. Zwei Jahre und sechs Monate sollte der 38-Jährige nach dem Willen des Staatsanwalts hinter Gittern verbringen.

In seinem letzten Wort gab sich der Angeklagte noch einmal alle Mühe, das Gericht von seiner Ernsthaftigkeit zu überzeugen. Was er seit der Wohnungsdurchsuchung getan habe, sei nicht „aus Kalkül“ passiert, um in der Verhandlung besser dazustehen. „Ich will wirklich neu starten. Ich bitte um eine Chance.“

Und die bekam er auch: zwei Jahre auf Bewährung, lautete das Urteil. Kessler ließ allerdings keinen Zweifel daran, dass es „Spitz auf Knopf“ gestanden habe. Doch das Auftreten des Mannes und die Anstrengungen, die er seit der Tat unternom­men hat, rechtfertigten eine günstige Prognose. „Ein Silberstreif am Horizont ist da“, so Kessler. Und diesen wolle das Gericht nicht „mit einem Federstrich zunichte machen“.

Dem Angeklagten war die Erleichterung anzusehen. Doch es kam noch besser: Entgegen der Erwartung erklärte Staatsanwalt Semsch, dass er das Urteil nicht anfechten werde, auch wenn es nicht seinem ursprünglichen Antrag entsprach. Auch ihn hatte das letzte Wort des Angeklagten überzeugt.

Der 38-Jährige darf sich nun in einer Bewährungszeit von fünf Jahren „nicht die kleinste Verfehlung“ (Kessler) zuschulden kommen lassen – andernfalls muss er doch ins Gefängnis. Während der gesamten Zeit wird er der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellt. Außerdem muss er 5.000 Euro an die Drogenhilfe Schwaben zahlen.

Ulrike Osman

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