Aus dem Knast in den Knast

Mercedes, Porsche und mehr

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In Handschellen wurde der Angeklagte in den Landsberger Gerichtssaal geführt.

Landsberg – Der Angeklagte wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt und sah dort erstmals seit längerer Zeit seine Frau wieder, die er erst vor wenigen Monaten geheiratet hat. Sie saß mit ihm auf der Anklagebank. Das Ehepaar, das bis vor einem Jahr in Landsberg lebte, war wegen sechs Fällen von Betrug angeklagt.

Der 39-jährige Mann brachte eine Liste von 15 Vorstrafen mit und verbüßt derzeit eine Haftstrafe in der JVA Detmold. Betrugsdelikte ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Biografie. Dieses Mal hatte er gemeinsam mit seiner Frau in einem Landsberger und einem Augsburger Autohaus je ein Luxusauto bestellt, ohne diese be­- zahlen zu können: einen Mercedes für knapp 81000 Euro und einen Porsche Carrera für 140000 Euro. Da die Fahrzeuge nicht an die beiden ausgeliefert wurden, bestand der Schaden nach Ansicht von Staatsanwalt Dr. Dominik Mayer im entgangenen Gewinn der Autohäuser – zusammen fast 30000 Euro.

Außerdem hatte der Mann einen Kauferinger Webdesigner beauftragt, eine Internetseite sowie Flyer und Visitenkarten für ein geplantes Tattoo-Studio zu erstellen. Den Rechnungsbetrag von rund 5000 Euro blieb der 39-Jährige schuldig. Ebenfalls in die Röhre schaute eine Augsburger Spedition, die den Umzug des Paares von Landsberg nach Kufstein durchführte – für rund 3000 Euro. Bei der Umzugsfirma hatte sich der Angeklagte als „Dr.“ ausgegeben, was ihm eine weitere Anklage wegen des Missbrauchs von Titeln einbrachte.

Und schließlich hatten der 39-Jährige und die 46-Jährige über E-Bay zwei teure iPhones angeboten, im einen Fall den Kaufpreis und im anderen eine Anzahlung eingestrichen, die Handys aber nicht ausgeliefert. Der Schaden betrug zusammen knapp 1000 Euro.

Gleich nach Verlesung der umfangreichen Anklageschrift zogen sich Richterin Sabine Grub und Staatsanwalt Mayer mit den Verteidigern Jerrit Schöll und Torsten Giesecke zu Gesprächen hinter verschlossenen Türen zurück. Resultat: In Sachen Autokäufe wurde von einer Verfolgung abgesehen, dafür räumten die Angeklagten die übrigen Punkte ein.

Richterin Grub hatte dem 39-Jährigen dafür eine Strafe von maximal einem Jahr und vier Monaten in Aussicht gestellt, tatsächlich lautete es dann auf ein Jahr und zwei Monate. Die Zeit wird zu seiner laufenden Haftstrafe hinzuaddiert. Die arbeitslose 46-Jährige kam mit einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen à 15 Euro davon.

Der Angeklagte gab an, kokainsüchtig zu sein. Demnächst soll er eine Langzeittherapie beginnen. Aus seiner Drogenvergangenheit sowie früheren Ver­- urteilungen habe er Schulden in Höhe von zwei Millionen Euro, so der 39-Jährige, der Vater von sieben Kindern ist.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ulrike Osman

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