45 Prozent weniger Gäste im Kreis Landsberg

Corona sorgt für Tourismus-Einbruch

Ammerseedampfer am Steg
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Sollten eigentlich Karfreitag ihren Saisonstart haben: die Ammerseedampfer – beliebt bei Touristen. Vor dem 26. April geht jedoch gar nichts. Alles Weitere hängt von Corona ab.
  • vonAndrea Schmelzle
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Landkreis – Radtour oder Wanderung durch die Landschaft des Voralpenlandes? Dampfer-Fahrt auf dem Ammersee? Eis essen gehen in Landsbergs schöner Altstadt? Die Region Ammersee-Lech hat viel zu bieten und ist ein beliebtes Ferienziel für Touristen aus dem In- und Ausland. Aber da ist es wieder, das Corona-Wörtchen „eigentlich“. Die Gastronomie hat nicht geöffnet, Dampfer fahren nicht und die Beherbung zu touristischen Zwecken ist schon lange untersagt. Das schlägt auf die Zahlen: Der Landkreis Ammersee-Lech verzeichnet 2020 einen Einbruch im Tourismus mit 45 Prozent weniger Gästen gegenüber dem Vorjahr. 

Seit Anfang November sind Hotels, Pensionen, Biergärten und Restaurants geschlossen. Zuvor war nur stark eingeschränkter Betrieb möglich. Damit ist auch der heimische Tourismus einer der Leidtragenden der Pandemie: Corona sorgt für einen enormen Einbruch. Im vergangenen Jahr haben laut Bayerischem Landesamt für Statistik nur noch knapp 71.600 Gäste den Landkreis besucht – ein Minus von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Übernachtungen sank um 36 Prozent auf 197.000. Die Stadt Landsberg konnte nur knapp 23.700 Gästeankünfte verzeichnen, was einem Rückgang von über 50 Prozent zum Vorjahr entspreche, gibt Beate Goj, Mitarbeiterin der Tourist-Information, bekannt.

Das gelte allerdings nur für gewerbliche Tourismusbetriebe, also mit mehr als zehn Betten. Für Betriebe und Privatvermieter mit weniger als zehn Betten könne man für dieses Jahr keine aussagefähigen Angaben machen, da keine verlässlichen Zahlen vorliegen. „Es gab – coronabedingt – kaum Rückmeldungen und einige Vermieter haben vorerst auf Dauervermietung, etwa an Monteure oder Wohnungssuchende, umgestellt“, so Goj.

Es gebe Hotels, die gar nicht geöffnet haben, andere nur für Geschäftsreisende, ergänzt Simone Sedlmair, Mitarbeiterin der Pressestelle der Stadt Landsberg. In einigen Hotels könnte nur Übernachtung gebucht werden, andere bieten individuelles Frühstück auf den Zimmern an. „Da das in jedem Hotelbetrieb anders gehandhabt wird, können wir nur empfehlen, mit den Hotels direkt das Gespräch zu suchen“, meint Sedlmair.

Die Situation trifft viele Betriebe und ihre Beschäftigten schwer. Auch für die Zulieferfirmen gibt es kaum eine Planbarkeit. „Von der Apfelschorle im Restaurant über den Eimer Mayonnaise in der Hotelküche – etliche Betriebe sind eng mit dem Gastgewerbe verwoben“, sagt Tim Lubecki, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten Schwaben.

Auch bei der Ammersee-Schifffahrt macht Corona die Planung für einen Saisonstart schwierig. Eigentlich sollte es Karfreitag wieder losgehen (der KREISBOTE berichtete). Wieder mal hat es das Infektionsgeschehen nicht zugelassen. „Unsere Einbußen liegen bei knapp über 50 Prozent“, sagt Marcus Weisbecker, Prokurist bei der Bayerischen Seefahrt, zuständig auch für den Ammersee. „Wir hatten im letzten Jahr nur noch die Hälfte der Gäste – das aber bei 110 Prozent der Kosten.“ Laufende Kosten, etwa für Personal, seien ja gleich geblieben, solange die Dampfer linienmäßig gefahren sind. Durch Hygienevorgaben und die damit verbundenen Anschaffungen von Desinfektionsspendern oder höheren Aufwendungen für Reinigung seien die Kosten gestiegen. Hinzu komme jetzt noch der spätere Saisonstart. „Wir hoffen darauf, dass wir ab dem 26. April wieder mit dem Fahrbetrieb beginnen können“, sagt Weisbecker. Jedoch könne es genausogut wenige Tage vorher wieder heißen: ‚um zwei Wochen verschoben‘. „Wir sind da fremdgesteuert und brauchen die totale Flexibilät.“ Dabei stehe man „Gewehr bei Fuß“: Die Schiffe wurden über den Winter frisch gewartet, die Stege geprüft.

Einbrüche auch bei den Stadtführungen der Stadt Landsberg: „Pandemiebedingt sind die Führungen 2020 nur eingeschränkt möglich gewesen oder ganz ausgefallen“, sagt Sedlmair. Gerade bei Gruppen- und Themenführungen gab es Rückgänge in den gebuchten Führungen von mehr als der Hälfte. Grundsätzlich sei der Umsatz­ausfall durch Corona bei allen Gewerbetreibenden enorm, da die Touristen individuelle Geschäfte schätzen und nutzen, erklärt Sedlmair weiter. Daraus resultierende Steuereinnahmen würden der Stadt und dem Landkreis fehlen. „Wir hoffen sehr auf Lockerungen zum Sommer hin“, so Sedl­mair, „sowohl für die Gastronomie- und Hotelbetriebe als auch für den Einzelhandel“. Im Sinne des Tourismusverbandes seien Lockerungen eine wünschenswerte Perspektive. Gewerbetreibende könnten entsprechende – und auch bereits angewandte – Hygienekonzepte direkt umsetzen. Auch individuelle Stadtführungen könnten im Rahmen des Hygienekonzeptes realisiert werden. Ein neu eingeführtes Audioguidesystem unterstütze zudem Führungen auf Distanz.

Die Branche hofft weiter. „Auf eine starke Sommersaison, die den Schaden durch den Lockdown ein wenig begrenzen kann“, meint Sedlmair. Auf eine Perspektive, sagt Weisbecker, der dieses Jahr noch als schwieriges Übergangsjahr einschätzt. „Erst 2022, da geht‘s dann ans Verdienen.“ Der Tourismusverband unterstütze seine Mitglieder bestmöglich und versuche etwa durch Social Media neue Zielgruppen zu generieren, so Sedlmair. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der innerdeutschen Urlauber deutlich gestiegen. Landsberg und der Landkreis sind eben eine attraktive Urlaubsregion.

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