Sucht "wie Bronchitis"

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Landsberg – Für sechs Gramm Amphetamine, die in mehreren Fällen bei ihm gefunden wurden, musste sich ein 30-Jähriger vor dem Amtsgericht Landsberg verantworten. Da die Tat jedoch schon zwei Jahre zurückliegt und der Mann vom Ammersee inzwischen „die Kurve gekriegt hat“, wie auch das Gericht befand, kam der Drogenbesitzer um eine Haftstrafe herum: Lediglich eine Geldauflage muss er abbezahlen.

Bereits Anfang 2014 war ihm die Polizei auf die Schliche gekommen, als er Drogen besessen hatte, damals noch mit dem Ziel: Gewinn erwirtschaften. Obwohl der 30-Jährige dafür ins Gericht zitiert wurde und infolgedessen bestraft wurde, stellte die Polizei wenige Monate später einen Rückfall fest. In seiner Wohnung wurden fünf Gramm Amphetamin konfisziert, den Besitz eines weiteren Gramms konnte man ihm ebenso nachweisen. Ge­dealt hatte der damals 28-Jährige damit jedoch nicht: Allein „für den Eigenbedarf“ habe er das Speed besessen. Der Arbeitslose, der seinen Job saisonal bedingt derzeit nicht ausüben kann, gestand die Anklage in vollem Umfang und fügte an: „Aus den Betäubungsmitteln bin ich raus, das ist mir mittlerweile zu teuer.“

Die Schulden, die er aus den Gerichtsverfahren von 2014 noch zu tragen habe, lägen im Moment noch bei 4.000 Euro. Deshalb gab sein Verteidiger Karl Mayer zu bedenken, man solle im Urteil berücksichtigen, dass der Angeklagte „finanziell nicht auf Rosen gebettet“ sei. Er lobte seinen Mandanten außerdem dafür, dass dieser trotz der Umstände sein Leben in geregelte Bahnen gelenkt habe, mit seiner neuen Freundin eine Familie gründen wolle und sich auch „in beruflicher Hinsicht“ gefangen habe. Ausschlaggebender Aspekt seiner Verteidigung war schließlich, dass der Drogenbesitz und -konsum nur „Ausdruck seiner Krankheit“, der Drogenabhängigkeit, war. Diese sei nichts anderes „wie Bronchitis“ und solle deshalb strafmildernd betrachtet werden.

Staatsanwältin Julia Ehlert bewertete vor allem das Geständnis positiv und betonte, der 30-Jährige habe nur „eine geringe Menge“ Amphetamine besessen. Sie forderte deshalb sechs Monate Haft auf Bewährung sowie einen Bewährungshelfer, der den Angeklagten weiterhin auf Drogenbesitz überprüfen würde.

Richterin Stefanie Mader stimmte mit der Staatsanwältin nicht in allen Punkten überein: Besonders, weil die Tat schon so lange zurücklag und der damals Drogensüchtige eine gute Entwicklung genommen habe, kam Mader zu dem Schluss: Die Freiheitsstrafe entfällt. Stattdessen muss der Mann, der mittlerweile nicht mehr im Landkreis wohnt, 150 Tagessätze à 30 Euro bezahlen und trägt die Kosten des Verfahrens.

Marco Tobisch

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