Versunken im Marihuanadunst

Grasanbau im Kleiderschrank - Fuchstaler vor Gericht

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48-jähriger Fuchstaler wurde vom Amtsgericht Landsberg wegen Eigenanbau und Konsum von Marihuana zu einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

Landsberg/Fuchstal – In Schränken, im Kühlschrank oder an der Decke aufgehängt, als Grünpflanze oder getrocknet: Knapp 400 Gramm Marihuana wurden in der Wohnung eines Fuchstalers bei einer Hausdurchsuchung gefunden. Im Verfahren vor dem Amtsgericht Landsberg gestand der 48-Jährige Eigenanbau und Eigenkonsum in vollem Umfang. Da er die Droge jedoch nur für den Eigenbedarf anbaute, setzte Richter Alexander Kessler dank Einsichtigkeit und guter Sozialprognose die Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten zur Bewährung aus.

Eigentlich wollte der Angeklagte nur einen Tabak im Supermarkt kaufen. Aber die Security vermutete einen Ladendieb und untersuchte seinen Rucksack. In dem sie ein Marmeladengras mit 94 Gramm Gras fanden. Das hatte der 48-Jährige am Abend zuvor im Rucksack versteckt, weil er Besuch hatte, und am Tag des Einkaufs vergessen herauszunehmen. Erst aufgrund dieses Fundes ordnete die Polizei Landsberg eine Hausdurchsuchung an – die der Angeklagte ohne Widerstand vornehmen ließ.

Das gefundene Marihuana war trotz Eigenanbau im Kleiderschrank hochwertig: Laut Gutachten des Landeskriminalamts hatten die Pflanzen insgesamt einen THC-Gehalt von 32,8 Gramm – mehr als das Vierfache des Grenzwertes einer „geringfügigen Menge“. Denn der liegt bei 7,5 Gramm.

Pro Tag habe er zwischen fünf und sieben Gramm konsumiert, gab der Angeklagte zu. „Morgens nach dem Aufstehen den ersten Joint, eine Stunde später den nächsten.“ Dazu sei auch noch Alkohol gekommen, pro Tag eine Flasche Schnaps und fünf Bier. Seit der Hausdurchsuchung und dem Fund habe er jedoch kein Cannabis mehr angerührt. Und auch nur ein Bier pro Tag getrunken.

Dass er zuvor so ausgiebig den Drogen zugesprochen hatte, habe an mehrere Faktoren gelegen, gestand der 48-Jährige. Zwar habe er seit 30 Jahren Marihuana konsumiert, jedoch auch mehrjährige Pausen gehabt. Zum Beispiel während er als Angestellter von 2008 bis 2015 gearbeitet habe. Die Scheidung von seiner zweiten Ehefrau und die Kündigung wegen Aufträgemangel in seiner bisherigen Arbeitsstelle vor drei Jahren hätten zum Anstieg des Drogenkonsums, sowohl des Alkohols als auch des Marihuanas, geführt. Das habe er sich als Hartz-VI-Empfänger nicht leisten können, weshalb er im April 2017 wie bereits in früheren Jahren wieder zum Eigenanbau übergegangen sei.

Seit Anfang des Jahres habe er wieder eine Lebensgefährtin, die ihm helfe, weniger zu konsumieren. „Wenn ich mehr als ein Bier am Tag trinke, gibt‘s Ärger.“ Ein Unternehmen beschäftige ihn einen halben Tag pro Woche mit Aussicht auf einen 450-Euro-Job. Zudem wolle er eine Therapie machen, habe sich auch bereits bei der Caritas erkundigt, beteuerte der gelernte Maurer. Ein Problem sei nur, dass die Sitzungen abends stattfänden. Da er keinen Führerschein besitze und der letzte Bus abends um halb sieben fahre, sei es für ihn schwierig nach Landsberg zu kommen.

Nur ein Zeuge, ein Landsberger Polizist, wurde vernommen. Er kenne den Angeklagten von früheren Vorfällen, sagte dieser – der Angeklagte hat elf Einträge im Strafregister, unter anderem 2009, ebenfalls wegen dem Besitz und Konsum von Rauschgift in nicht geringer Menge. Der Zeuge bestätigte die Aussage des Angeklagten. Ebenso sei für ihn eindeutig gewesen, dass kein Verkauf der Drogen stattgefunden habe.

„Der Angeklagte ist geständig und reuig“, benannte Staatsanwältin Julia Ehlert die mildernden Umstände für ihr Strafmaß. Dennoch gebe es einschlägige Vorstrafen und der Grenzwert der geringfügigen Menge sei weit überschritten. „Um so etwas anzubauen, bedarf es schon eines gewissen Know-hows.“ Weshalb Ehlert eine Haftstrafe von zwei Jahren festlegte, allerdings zur Bewährung auf drei Jahre. Zudem forderte sie eine Geldauflage von 6.000 Euro.

Verteidigerin Silke Ackermann betonte, der Angeklagte habe seit acht Jahren keine schwere Straftat mehr begangen, Job und Beziehung geben ihm Halt. Das Wissen zum Anbau von Marihuana sei leicht zugänglich. Ihr Mandant müsse jedoch eine Therapie machen, weshalb die Haftstrafe zur Bewährung ausgelegt werden sollte. Ackermann beantragte ein Jahr und acht Monate.

Diesem Strafmaß schloss sich Kessler an. Die Bewährungsfrist verlängerte er auf vier Jahre. Anstatt der Geldauflage von 6.000 Euro verpflichtete Kessler den Angeklagten zu 120 Sozialstunden. Der Fuchstaler habe Schulden und werde wohl auch in naher Zukunft nicht allzu viel verdienen. Zudem müsse er eine Therapie beginnen – das „Gejammere“ wegen Schwierigkeiten bei Terminen wolle Kessler nicht hören. „Sie müssen es selber wollen, das ist Ihre letzte Chance. Wir versuchen es jetzt noch einmal mit Bewährung. Aber kein zweites Mal.“

Susanne Greiner

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