Töpfermarkt in Dießen

Keramik mit den Eisheiligen

+
Die Ehrengäste, mit dabei unter anderem Regierungspräsident Christoph Hillenbrand, die Landtags- und Bundestagsabgeordneten, die für die Region zuständig sind, die Ammersee-Bürgermeister sowie Vertreter aus Bezirkstag und Kreistag bewundern vor dem Raddampfer Dießen und die auffällige Präsentation das „Vasen-Waldes“ von Emil Heger.

Dießen – Obwohl die Eisheiligen am Wochenende Regen über den Ammersee brachten, schloss der Dießener Töpfermarkt mit einer positiven Bilanz. Der noch sonnige Eröffnungstag am Donnerstag (Christi Himmelfahrt) bescherte dem feinen Keramik-markt am See mit 28000 Marktbummlern einen Besucherrekord.

Nach dem Wetterumschwung zählte die Polizei am Freitag und Samstag insgesamt nur noch 12000 Besucher, am Sonntag bei Dauerregen suchten nochmals rund 8000 Keramikfreunde die Begegnung mit 150 Töpferwerkstätten aus 13 Ländern. Nennenswerte Zwischenfälle gab es laut Polizeibericht nicht. Auch die Marktstände und die angebotenen Waren nahmen durch Regen und Wind keinen Schaden. Im Gegenteil, wer sich am Wochenende wetterfest gekleidet zu einem Marktbummel entschloss, traf auf meist gutgelaunte, eingemummte Töpfer, bei denen der fulminante Eröffnungstag nachwirkte.

Zu den Höhepunkten des diesjährigen Töpfermarktes zählte selbstverständlich auch die Verleihung des Dießener Keramikpreises im Traidtcasten. Wie schon in den vergangenen 13 Jahren hatte eine sechsköpfigen Fachjury die schwere Aufgabe aus rund 70 großartigen Wettbewerbsbeiträgen zum Thema „Die Gruppe – ein keramisches Stillleben“ die beste Arbeit auszuwählen. Die Überraschung: Ausgezeichnet wurden zwei beste Arbeiten von zwei Ausstellern, die beide zum ersten Mal am Dießener Töpfermarkt und am Keramik-Wettbewerb teilnahmen. Das von der Firma Rhode ausgelobte Preisgeld (3000 Euro) teilen sich nun Maria Volokhova aus Berlin, und ihr bereits mit zahlreichen hochkarätigen Keramikpreisen, darunter auch mit dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen, ausgezeichneter Zunftkollege Michael Cleff aus Mühlheim an der Ruhr

 Der 51-jährige Keramiker und Bildhauer punktete mit drei Plastiken, die einander zugeordnet sind. Nach Ansicht der Jury korrespondieren die „fein aufeinander abgestimmten Proportionen der Kuben, Quader und Rundungen mit der zarten Farbigkeit und dem Kontrast der Gehäuse, von denen man sofort wissen möchte, welche Art von Lebewesen sich darin aufhält, verbirgt und schützt“. In der Tat lädt Cleffs Arbeit mit der ihr innewohnenden Stille mit großer assoziativer Kraft zur meditativen Betrachtung ein.

Einen vollkommen anderen Ansatz wählte Maria Volokhova. Die 32-Jährige, die in an der Tokyo Art University, auf Burg Giebichenstein in Halle an der Saale, an der Ohio University und der Accademia die belle Arte in Bolognia lernte und studierte, zeigte drei in Porzellan gegossene Tafelgerätschaften: Einen ausgeweideten Hasen, der als Etagere seine Hinterläufe keck in die Lüfte schwingt, eine Dose mit traubenförmigem Deckel für warme Speisen und eine Sauciere in Vogelform – ein Ensemble, das an Stillleben des Barocks erinnert. Bemerkenswert, so die Jury, sei außerdem die kobaltblaue Innendekoration des Hasen im Stil klassischer Porzellanmalerei. Maria Volokhova sieht sich selbst an der „Schnittstelle von Kunst und Design“. Trotzdem ist ihre Porzellankunst ist nicht nur zum Betrachten da: „Meine Objekte soll man mit Freude in die Hand nehmen und im täglichen Gebrauch benutzen“, sagt sie.

Den Preis für den mit 500 Euro dotierten schönsten Stand am Töpfermarkt, gestiftet von Andrea Wolbring vom Keramik- und Töpferbedarf aus Baldham, erhielt Hanno Leischke aus Dresden.

Ursula Nagl

Bunte Kunst an grauen Tagen

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Töpfermarkt am Limit
Töpfermarkt am Limit
Polizei bremst führerloses Auto auf der B17 bei Denklingen aus
Polizei bremst führerloses Auto auf der B17 bei Denklingen aus
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare