"Ich schäme mich dafür"

Landkreis Landsberg: 50-Jähriger für Besitz von 5.000 Kinderporno-Dateien verurteilt

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Ein 50-Jähriger aus dem südlichen Landkreis wurde wegen Besitzes und Verbreitung kinderpornografischer Dateien zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Landkreis – Reue, Scham und Erkenntnis zeigte der 50-jährige Angeklagte aus dem südlichen Landkreis vor dem Amtsgericht Landsberg am vergangenen Mittwoch. Er muss sich für den Besitz von mehr als 5.000 Dateien mit kinderpornografischem Inhalt und deren Verbreitung in 32 Fällen verantworten. Das Strafmaß: zwei Jahre auf Bewährung, eine Geldauflage von 5.000 Euro und die Fortsetzung seiner Sexualtherapie.

„Wir bewegen uns hier auf einem schmalen Grat“, sagte Richter Alexander Kessler bei der Urteilsverkündung. Von 2007 bis 2018 sammelte der Angeklagte mehr als 4.900 Bilder und 200 Videos, die den Missbrauch von Kindern im Alter bis zu zwölf Jahren zeigen. Die Polizei hatte die Dateien bei einer Hausdurchsuchung im Juni 2018 auf mehreren Geräten sichergestellt. Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft soll der Beklagte über den Nachrichtendienst Skype in 32 Fällen Dateien aus dieser Sammlung anderen Nutzern zugänglich gemacht haben.

Der Angeklagte ist selbst Vater eines Sohnes. Vor dem Schöffengericht erklärte er: „Es hat vor 30 Jahren mit normalen Pornos angefangen und die waren irgendwann nicht mehr genug.“ Er habe nach einem Weg gesucht, Ehestress, Aggressionen und Spannungen abzubauen. Trotz der realen Bilder sei es ihm aufgrund der Anonymität im Internet nie gelungen, „die Brücke zur Realität herzustellen“ und zu erkennen, dass diese Dateien den Missbrauch von Kindern zeigen. „Es ist ein Kreislauf der immer schlimmer wird“, sagte der 50-Jährige.

Staatsanwältin Yvonne Möller konnte in diesem Punkt wenig Verständnis aufbringen: „Ich sehe nicht, wie man die Bilder nicht als real ansehen kann, denn es handelt sich nicht um Comicbilder.“

Ein weiterer Grund für sein Verhalten sei, dass er in seiner Kindheit selbst Opfer eines Missbrauchs geworden sei, berichtete der Angeklagte. Der Nachbar habe sich mehrmals an ihm vergangen, als er sieben Jahre gewesen sei.

Kessler versuchte sich während der Verhandlung ein Bild vom Angeklagten zu machen. „Sie haben ein Doppelleben geführt: tagsüber der nette Familienvater und nachts der Kinderpornokonsument mit Missbrauchsvergangenheit.“ Doch Kessler fand auch positive Worte für den 50-jährigen. Es spreche für den Angeklagten, dass er ein umfangreiches Geständnis abgelegt habe und sich bereits kurz nach der Hausdurchsuchung eigenständig in eine Sexualtherapie begeben habe. „Die Taten sind aber trotzdem eine Schweinerei unterster Schublade“, betonte Kessler. „Ich schäme mich dafür und es tut mir Leid“, war die Antwort des Angeklagten. Er könne sich nicht bei den Kindern entschuldigen, aber bei der Öffentlichkeit.

In der Urteilsbegründung hatte auch die Zukunft des angeklagten Gewicht: Der 50-Jährige erwartet im April mit seiner aktuellen Partnerin ein Kind. Aus diesem Grund plädierte Verteidiger Dr. Vincent Burgert auf eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren und eine erhebliche Geldstrafe. Möller schlug eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten vor.

Kessler sprach sich für die Strafvariante des Verteidigers aus: zwei Jahre auf Bewährung, 5.000 Euro Geldauflage die in monatlichen Raten von 250 Euro abzubezahlen ist, und eine Weiterführung der bereits begonnenen Sexualtherapie, die aber nur durch den Therapeuten für beendet, erklärt werden kann. „Nutzen Sie die Chance, Sie müssen was für sich tun, für Ihre Partnerin und für Ihr Kind.“

Da die Anklage von der Generalstaatsanwaltschaft erhoben worden war, kann das Urteil innerhalb einer Woche noch angefochten werden.
Matthias Gschwind

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