55000 Besucher beim Dießener Töpfermarkt

Tradition wahren, Moderne zeigen

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Ein Traum: Während die „MS Augsburg“ mit den nächsten Marktbesuchern an Bord anlegt, wechselt die Gartenkeramik bereits den Besitzer. Am Ende des Dießener Töpfermarktes waren nicht wenige Stände „ausverkauft“.

Dießen – Mit 55000 Besucher, so die offiziellen Zahlen, hat der Dießener Töpfermarkt den Ruf der Ammersee-Gemeinde als idealen Keramikmarkt-Standort zum 14. Mal in die Welt hinaus getragen. 150 Töpfer traten am Sonntagabend, nach viertägigem Marktgeschehen, heiter und zufrieden die Heimreise an.

Viele von ihnen waren ganz einfach „ausverkauft“. Schon der Auftakt an Christi Himmelfahrt war vielversprechend. Wie immer nutzte ein ausgesuchter Kreis von Politikern, die für den Ammersee und seine Kunst- und Kulturszene zuständig sind, die Gelegenheit bei der Markter- öffnung dabei zu sein.

Gleich nach ihrer Landung mit dem historischen Schaufelraddampfer „MS Diessen“ am Dampfersteg durften sich die Ehrengäste von den Tanzkünsten der Dießener Trachtenzwerge bezaubern lassen und Bürgermeister Herbert Kirsch stellte erleichtert fest: „das Wetter passt“. Er sei stolz auf diesen Markt, dem es immer wieder auf wundervolle Weise gelänge, Tradition zu bewahren und Moderne zu zeigen. Marktleiter Wolfgang Lösche versteht den von ihm konzipierten umsatzstarken Markt längst als internationale Börse für das Keramikhandwerk, als Drehkreuz für Sammler und Galeristen, als Ort, an dem neben dem Kernthema Gebrauchskeramik auch die künstlerische Keramik und einzigartige Unikate gefragt sind.

Eine der ersten Stationen beim anschließenden Marktrundgang mit Prominenz und Presse war die Produktionsstraße von Nikos Kavgalakis. Der Tradition der kretischen Wandertöpfer entstammend sitzt der 75-Jährige bis heute jeden Tag an seiner Drehscheibe. Denn 75 ist kein Alter für einen kretischen Mann, wie Nikos meint. Heute sind seine traditionellen Vorratsgefäße heißbegehrte Sammlerobjekte.

Auch Studentin Lena Kaapke genoss die internationale Marktatmosphäre. Sie war mit ihrer Professorin Dr. Kerstin Abraham (Muthesius Kunsthochschule Kiel) zum ersten Mal nach Dießen gekommen und schrieb sogleich Töpfermarkt-Geschichte: Für jedes Land der Welt hatte sie eine Schüssel gedreht. „Das Volumen der Schüsseln ist in Relation so groß wie das Brutto­- inlandsprodukt pro Person – umgerechnet in die Kaufkraft des jeweiligen Landes“, wie sie unermüdlich erklärte. Am Rand der größten Schüssel steht „Luxemburg“, am Rande der kleinsten „Kongo“. So schuf die Studentin einen keramischen Spiegel über die Verteilung von Armut und Reichtum auf der Welt.

Schließlich endete die Führung der Ehrengäste bei einem der bedeutendsten Vertreter der Moderne, am Stand des koreanischen Shooting-Stars Kiho Kang. Die letzte Auszeichnung hat er im März 2014 mit heim genommen: Bei der internationalen Handwerksmesse 2014 in München freute sich Kiho Kang über den Bayerischen Staatspreis für Gestaltung. Den Marktbesuchern erklärte er geduldig das Wesen seiner zarten Gefäßkeramik aus Porzellan, die er Stück für Stück von Hand formt und ausarbeitet. Abends im Traidtcasten wurde er mit dem Preis für den „schönsten Stand“ (500 Euro) ausgezeichnet.

Preisträgerin Sara Dario ließ sich für ihre Arbeit von Brasilien inspireren.

Den begehrten Dießener Keramikpreis 2014 (3000 Euro) zum diesjährigen Wettbewerbsthema „Kreis und Kugel“ erhielt Sara Dario aus Cardoso di Strazetta/Italien. Sie ließ sich für ihre Arbeit von Brasilien inspirieren, allerdings nicht vom Fußball, sondern von den Favelas: Blicke man von den Hügeln Rio de Janeiros hinab in die Favelas, so die Italienerin, so wirken diese aufgrund ihrer Topographie wie kreisförmige Gefäße, Strudel, aus denen es nach oben hin nahezu kein Entkommen gäbe, erklärt die Keramikkünstlerin.

Aus dieser Vorstellung heraus haben sich vasenförmige Objekte entwickelt, die aus Porzellanstreifen gewickelt werden, die zuvor im Siebdruckverfahren bedruckt wurden. Eines davon wurde letzten Donnerstag ausgezeichnet. Als Druckmotive assoziiert Dario Architekturfotos aus europäischen Großstädten wie München oder Mailand mit den Favelas in Brasilien. Das architektonische Chaos solcher Ansiedlungen hat für sie eine faszinierende Struktur, die sich in ihren Objekten spiegelt.

Bürgermeister Herbert Kirsch freute sich ganz besonders über den Neuankauf der Gemeinde, aus der Werkstatt von Sara Dario, der in diesen Tagen, wie bisher alle prämierten Keramiken der zurückliegenden 14 Töpfermarktjahre, in die Vitrinen-Schau ins Rathausfoyer umziehen wird.

Ursula Nagl

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