Priesterjubiläum am Ammersee

Und der Erzabt pfeift die Lebensmelodie

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Seit 60 Jahren ist Hans Schneider Priester – jetzt im Ruhestand. Für die Marktgemeinde Dießen würdigte Bürgermeister Herbert Kirsch die Verdienste des Geistlichen.

Dießen – Es war ein hochsensibler musikalischer Genuss, ein heiterer Festgottesdienst: Ein Mann des Humors, einer der die Musik und die Bildende Kunst verehrt und in erster Linie ein großer Gottesmann ist, feierte ein seltenes Jubiläum: Dießens Ruhestandpfarrer Hans Schneider ist seit 60 Jahren Priester in der Region. 40 Jahre in Geltendorf, seit 14 Jahren in Dießen und in „grauer Vorzeit“ war er auch mal im Schweizer Nobelort St. Moritz am Fuße der berühmten oberen Dreitausend.

Dass der Jubilar eine besondere Persönlichkeit ist, war schnell klar: Wann kommt schon ein Erzabt als Prediger und pfeift, singt und trällert für den Jubilar eine Lebensmelodie, die eng mit dessen Heimat verbunden ist. Pfarrer Schneider ist 1934 in Nord-West-Böhmen geboren und hat sich immer wieder von der Moldau magisch angezogen gefühlt. Ebenfalls aus dieser Region stammt der Ottilianer Erzabt Wolfgang Öxler, der das einprägsame Leitmotiv aus „Die Moldau“ von Friedrich Smetana (1824-1884) wiederholt intonierte.

Smetanas sinfonische Dichtung begleitet den Fluss von der Quelle bis zur Mündung. „Ich habe immer wieder gespürt, wie eng Du noch mit der Heimat verbunden bist“, sagte Öxler, „aus dem, was Dir guttut, ist Deine Lebensmelodie entstanden.“ Er verglich Schneiders Wirken mit dem Fluss, der, wie das Leben, ständig in Bewegung ist und jede Herausforderung annimmt. Als Beispiel nannte er auch die baulichen Aktivitäten, die Hans Schneider annahm und mit Leben erfüllte, „eine wichtige Aufgabe, weil die Kirche nicht dazu da ist, die Asche zu hüten, sondern unter der Asche die Glut zu entdecken, und weil wir nicht da sind, um ein Museum zu pflegen, sondern um einen blühenden Garten anzulegen.“

Wegweiser zu Gott

Auch apostrophierte er den Jubiläumspfarrer als „einen frechen Hund, einer der den Mund aufmacht, sich hinstellt und seine Meinung sagt.“ An diesem Pfarrer könne man viel ablesen, „weil er wie ein Wegweiser für die Menschen dasteht, ein Wegweiser, der auf Gott zeigt.

Auch ein Gottesmann darf sich über Geschenke freuen. Es hat sich im Vorfeld schon abgezeichnet, dass der von Kirchenmusik faszinierte Pfarrer am liebsten ein klingendes Geschenk auspacken würde, eines, an dem alle teilhaben können. Pfarrer Josef Kirchensteiner überreichte das wohltönende Präsent und der Jubilar wünschte sich, dass die ganze Kirchengemeinde, die Nachbarn aus den Ortsteilen, die Freunde – aus Studienzeiten, derer viele da waren – und die Familie, das Geschenk Stück für Stück auspacken: Die Paukenmesse von Joseph Haydn (1732-1809). Sie heißt auch Missa in tempore Belli, „Die Messe in Zeiten des Krieges“. Haydn verfasste sie 1796 und wählte den lateinischen Namen wegen Napoléon Bonaparte, der im Ersten Koalitionskrieg die Stadt Wien bedrohte. Die Verbindung von kriegerischen Paukenklängen mit der Bitte um Frieden hat Ludwig van Beethoven später in der Missa Solemnis aufgenommen.

Es war ein grandioses Geschenk für den Jubilar, das ob seiner musikalischen Präsenz, seinem genialen Zusammenspiel, das Münsterorganist Stephan Ronkov mit Chor, Orchester und Solisten gewaltig in Szene setzte unter dem Dießener Himmel, viel mehr Kirchenbesucher erleben sollten – immerhin bezahlen sie dafür in den Concert Halls erheblichen Eintritt. Auf der Orgelempore waren dabei der Münsterchor im Zusammenwirken mit Musikern aus der Region sowie den Solisten Christine Krepold-Zimmer (Sopran), Claudia Römer (Alt), Moritz Kugler (Tenor) und Matthias Terplan (Bass). 

Beate Bentele

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