Auslöser: Internet-Liebe

Landsberger Anwalt wegen "fahrlässiger Geldwäsche" verurteilt

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Ausgerechnet: Mit der Adresse des Amtsgerichts umgarnte ein Rechtsanwalt aus der Lechstadt eine Internetbekanntschaft aus Russland.

Landsberg – Zu einer Geldstrafe von insgesamt 6.000 Euro, zusätzlich zu den Verfahrenskosten, ist vergangene Woche ein Landsberger Rechtsanwalt verurteilt worden. Das Amtsgericht sah ihn der „leichtfertigen Geldwäsche“ für schuldig. Der 59-Jährige bewahrte im Juni 2016 „heißes Geld“ wochenlang in seinem Tresor auf, bis ein angeblicher Polizist es bei ihm in der Kanzlei abholte. Eigentlich war das Verfahren bereits eingestellt, doch weil der Angeklagte vor dem Landgericht klagte, dabei allerdings laut Gericht absichtlich falsch datiert hatte, schaute sich die Staatsanwaltschaft die Akte noch einmal an und rollte den Fall wieder auf.

Das besagte Geld, insgesamt 6.373 Euro, stammt von einem Firmenkonto. Überwiesen hat es per Onlinebanking eine 36-jährige Gastronomin. Allerdings sollte das Geld ans Finanzamt gehen, und nicht auf das Konto des Angeklagten. Das Konto der 36-Jährigen wurde von einer bislang unbekannten Tätergruppe ausspioniert. Als die Geschädigte auf dem Auszug bemerkte, dass das Geld nicht an gewünschter Stelle eingetroffen war, verständigte sie ihre Bank. Diese stellte fest, dass das Konto, auf dem der Betrag gelandet war, bereits durch den Angeklagten aufgelöst wurde.

Nicht jugendfrei

Der Angeklagte gab vor Gericht an, dass er den abgehobenen Geldbetrag einer Russin zukommen lassen wollte, die er, wie auch noch viele andere Frauen mehr, Monate zuvor in einer Dating-Börse kennengelernt hatte. Wie aus den bei der Verhandlung verlesenen Nachrichten zwischen den beiden hervorging, haben diese sich nicht nur „nicht jugendfreie Nachrichten“ geschickt, sondern die Russin wollte den Angeklagten in Deutschland besuchen. Um die Reise zu finanzieren und dann mit ihr Unternehmungen machen zu können, wollte er das Geld verwenden, so der Rechtsanwalt. Seine Internet-Liebe hätte ihn aber gebeten, sich das Geld zunächst von einer angeblich in Deutschland lebenden Tante überweisen zu lassen, der sie selbst dann das Geld zurückzahlen wolle.

Weil die Frau aus Russland mit der Zeit immer deutlicher vom Angeklagten forderte, dass er ihr das Geld nach Russland überweisen solle, erkannte der Jurist die Gefahr der Geldwäsche, wie aus den Chat-Protokollen hervorgeht. Dem Gericht hingegen wollte er glaubwürdig machen, er kenne sich mit dem Thema Geldwäsche nicht aus. Auch kurios: Seiner Internet-Bekanntschaft nannte er als Wohnsitz die Adresse des Landsberger Amtsgerichts.

Äußerst fragwürdig erschien dem Vorsitzenden Richter Michael Eberle aber die Geschichte über den weiterten Verlauf des Geldes, nachdem es der Angeklagte Anfang Juni 2016 in seinem Tresor eingelagert hatte: Wie der 59-Jährige angab, klingelte Ende Juni ein vermeindlicher Polizist der Polizeiinspektion Landsberg bei ihm in der Kanzlei und forderte ihn auf, ihm das Geld zu geben, damit die Sache erledigt sei. Der Polizeibeamte habe ihm seine Visitenkarte gegeben, ob er ihm auch einen Ausweis gezeigt hatte, konnte sich der Anwalt allerdings nicht mehr genau erinnern.

Jedenfalls habe er den Umschlag mit dem Geld hergegeben, ohne sich die Übergabe quittieren zu lassen. Lediglich eine Kopie der Visitenkarte und des Geldumschlags habe er gemacht. Zwar gibt es bei der Polizei in Landsberg tatsächlich einen Beamten, dessen Name mit dem auf der Visitenkarte übereinstimmt, doch bei der Verhandlung war schnell geklärt, dass dieser an besagtem Abend nicht in der Kanzlei klingelte.

"Finanzagent"

Staatsanwalt Benjamin Junghans nahm in seinem Plädoyer dem Angeklagten, der wie sein Verteidiger Timo Westermann auf Freispruch pochte, die Opferrolle nicht ab. Im Gegenteil: Er wollte sogar einen Vorsatz prüfen lassen, da er im Angeklagten einen „Finanzagenten“ sieht, der zunächst mit der unbekannten Tätergruppe kooperiert und dann plötzlich Druck von den Hintermännern bekommen habe.

Richter Eberle entschied letztendlich auf „leichtfertige Geldwäsche“, betonte aber, dass eine Beschuldigung auf Vorsatz durchaus begründet war. Als Rechtsanwalt hätten gerade bei ihm frühzeitig die Alarmglocken schlagen müssen und er hätte daher die Finger vom „heißen Geld“ lassen beziehungsweise es der Polizei übergeben müssen.

Sebastian Öl

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