Um die Schmerzen zu lindern:

Rentnerin stiftet Sohn zum Hanfanbau an - Haftstrafe

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Wer medizinischen Hanf anbauen möchte, benötigt eine Geneh­migung. Wer es ohne versucht, kommt mit dem Gesetz in Konflikt. Das haben eine 66-Jährige und ihr Sohn jetzt am Amtsgericht Landsberg erfahren – sie kassierten Haftstrafen.

Landsberg – Weil sie ihren Sohn zum Anbau von Cannabis­pflanzen angestiftet hat, ist eine 66-Jährige vom Schöffengericht Landsberg zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Frau leidet unter zahlreichen gesundheitlichen Problemen und erhoffte sich Erleichterung von Tee und Öl, die sie aus den Pflanzen gewinnen wollte. Der Sohn stand wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln bereits letztes Jahr vor Gericht und erhielt ebenfalls eine Bewährungsstrafe.

Die 66-jährige aus einem Dorf im westlichen Landkreis Fürstenfeldbruck hat einen Schlaganfall, ein Schilddrüsenkarzinom und eine Herz-OP hinter sich. Außer­dem leidet sie unter Problemen mit den Bandscheiben und chronischen Rückenschmerzen. „Es gibt keinen Tag, der ohne Schmerzen vergeht“, sagte die Rentnerin vor Gericht.

Um cannabishaltige Medikamente verschrieben zu bekommen, müsse sie zunächst mit Morphium behandelt werden, wurde der ehemaligen Briefträgerin von ihrem Arzt beschieden. „Ich muss austherapiert sein.“ Morphinhaltige Mittel will sie jedoch nicht nehmen, weil sie die Folgen fürchtet. „Die Pharmaindustrie macht viel schlimmer süchtig als das Grünzeug“, ist ihre Überzeugung.

Ihr Sohn hatte es zunächst abgelehnt, Cannabis anzubauen – er wollte sich nicht strafbar machen. Es kam jedoch der Moment, wo er seine Mutter nicht länger leiden sehen wollte. Im Garten seiner damaligen Wohnung in Igling streute er Samen von medizinischem Hanf aus, die er sich im Internet besorgt hatte. Etwa zehn Pflanzen gediehen wirklich prächtig. „Ich habe einen grünen Daumen“, erklärte der 26-Jährige im Zeugenstand.

Zwei Polizeibeamte, die im Herbst 2017 aus einem ganz anderen Grund bei ihm auftauchten, staunten nicht schlecht, als ihnen bereits auf dem Weg zum rückwärtigen Hauseingang der typische Cannabis-Geruch entgegen schlug. Im Garten standen sie vor mannshohen Pflanzen, die man später nur mit Hilfe einer Säge beschlagnahmen konnte.

Im Verfahren gegen den Sohn hatte die Mutter als Zeugin ausgesagt, dass der Hanfanbau auf ihr Bitten hin geschehen war. Nun war die Konstellation umgekehrt – die Mutter saß auf der Anklagebank und der Sohn im Zeugenstand. Dass er versuchte, den Vorwurf gegen seine Mutter zu entkräften, brachte ihn an den Rand einer Falschaussage und damit eines neuerlichen Verfahrens. Er behauptete nämlich plötzlich, aus eigenem Antrieb gehandelt zu haben. „Es war mein eigener Entschluss, das für meine Mutter zu tun.“

Die Rentnerin räumte den Vorwurf der Anstiftung zum Betäubungsmittelbesitz aber schließlich vollumfänglich ein. Das Geständnis sprach zu ihren Gunsten, ebenso wie die Tatsache, dass sie keinerlei Vorstrafen hatte. Auch der geringe Wirkstoffgehalt der medizinischen Cannabis-Pflanzen wurde positiv gewertet. Zu Lasten der Angeklagten wertete Staatsanwalt Dominik Semsch lediglich die große Menge an Pflanzen, die die gesetzlich Definition einer „nicht geringen Menge“ um das Sechsfache überstieg. Er forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Auf Geld- oder Arbeitsauflagen verzichtete der Anklagevertreter bewusst, um die sozial schwache Rentnerin nicht noch mehr zu belasten.

Korrekt vorgehen!

Verteidigerin Alexandra Fuchs hätte es gerne gesehen, dass ihre Mandantin freigesprochen worden wäre, weil die Tat aus einem übergesetzlichen Notstand heraus passiert sei. Einen solchen konnte das Schöffengericht aber nicht erkennen. „Das ist auf Deutsch gesagt ein Schmarrn“, befand der Vorsitzende Richter Alexander Kessler. Die Angeklagte hätte sich um eine Genehmigung für den Hanfanbau bemühen müssen. „Das ist langwierig, nicht so einfach und oft nicht von Erfolg gekrönt“; räumte Kessler ein. „Aber den Weg gibt es und man muss ihn einschlagen.“ Andernfalls müsse man die Konsequenzen auf sich nehmen – in diesem Fall eine einjährige Bewährungsstrafe.

Ulrike Osman

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