Eine Million Zeitungen

80 Jahre und kein bisschen müde: KREISBOTEN-Zusteller Wilhelm Kößler

Mit diesem alten Postfahrrad ist Wilhelm Kößler bei Wind und Wetter unterwegs.
+
Mit diesem alten Postfahrrad ist Wilhelm Kößler bei Wind und Wetter unterwegs.

Landsberg – Der KREISBOTE gratuliert und bedankt sich recht herzlich: Wilhelm Kößler feiert heute nicht nur seinen 80. Geburtstag, er engagiert sich auch seit 30 Jahren als Zusteller. Zählt man die Tätigkeit seiner Ehefrau Inge hinzu, sind es sogar 32 Jahre, denn genau am 6. September 1988 machte sie ihre erste Runde, um unsere Wochenzeitung für den Landkreis Landsberg wohlbehalten bei den Haushalten abzuliefern.

Zwei Jahre nach diesem Einstieg übernahm Willi Kößler die Tour seiner Frau und er fährt sie nun schon seit drei Jahrzehnten. Er kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als sie noch selbst die Werbung beilegen mussten. „Wir bekamen die Zeitungen am Dienstag geliefert. Es waren um die 660 Exemplare und dann haben wir auf der Treppe gesessen und die vielen Beilagen einsortiert – was extra honoriert wurde. Das war eine Heidenarbeit. Erst mit dem neuen Druckzentrum in Penzberg hörte diese Arbeit auf. Was waren wir froh!“, erinnert sich Willi Kößler.

Der gebürtige Epfenhausener heiratete Gattin Inge 1967 und seitdem wohnen sie in der Angelus-Silesius-Straße in Landsberg. Hier zogen sie auch ihre drei Söhne groß, die allesamt noch im Umkreis wohnen. Willi Kößler machte nach der Realschule eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker. Nach Abschluss der Lehre verpflichtete er sich für zwei Jahre bei der Bundeswehr und brachte es in der Ritter-von-Leeb-Kaserne bis zum Panzerfahrer. Anschließend übte er seinen erlernten Beruf bei der BayWa Technik aus.

Der KREISBOTE gratuliert Wilhelm Kößler zum 80. Geburtstag. Mit Gattin Inge ist er seit 1967 verheiratet.

Auch wenn es nicht immer ein leichter Weg war, blieb er diesem Arbeitgeber bis zur Rente treu. In den 70er Jahren schulte er zum Kfz-Mechaniker um, doch ein Arbeitsunfall zwang ihn 1987 zu einer erneuten Ver­änderung: Er wurde Lagerist und verbrachte die meiste Zeit im Büro. „Das war eigentlich gar nicht so mein Ding, aber es ging leider nicht anders“, erzählt er rückblickend. Am 1. Januar 2001 ging er schließlich in den Ruhestand.

Das bedeutete allerdings nicht, dass er die Hände in den Schoß legte. Bereits 1990 hatte er die Zustelltour von seiner Gattin übernommen und lieferte pünktlich und zuverlässig den KREISBOTEN aus. 550 Exemplare waren es damals in einem Gebiet rund um die ehemalige Kaserne an der Saarburgstraße. Nach einem Jahrzehnt bekam er einen neuen Bezirk. Seit 20 Jahren gehören alle Haushalte im Dreieck zwischen Holzhausener und Breslauer Straße sowie Hindenburgring zu seinem „Revier“. Anfänglich waren es über 600 Zeitungen. Es gebe immer wieder Landsberger, die bereits auf der Straße auf ihn warteten. Weil ja so viel Interessantes darin zu lesen ist.

Im Sommer macht sich Willi Kößler jeden Mittwoch gegen 4.30 Uhr auf seine Tour. Er liebt die frühen Morgenstunden, wie er mit blitzenden Augen berichtet: „Es ist niemand auf der Straße, die Vögel zwitschern und die Sonne geht langsam auf. Das ist die beste Zeit des Tages und ich genieße sie.“ Im Winter startet er seiner Frau zuliebe vergleichsweise spät. Er geht erst um 7.30 Uhr aus dem Haus und Gattin Inge berichtet lachend, dass sie gelegentlich mit ihm schimpfen musste: „Er soll nicht raus, wenn es noch dunkel ist. Das ist viel zu gefährlich. Vor allen Dingen bei Glatteis oder Nässe.“

Gestürzt ist er tatsächlich hin und wieder und dann rutschten die Zeitungen auf der Straße umher und mussten wieder eingesammelt werden. Ernsthafte Verletzungen habe es aber nie gegeben, versichert Willi Kößler. Sechs Stunden ist er unterwegs und muss sein Fahrrad in dieser Zeit drei- bis viermal neu beladen. Je nach Umfang der jeweiligen Ausgabe. Seit rund acht Jahren besitzt er nun einen Drahtesel, der ehemals bei der Post im Einsatz war. Nach einigen Umbauten ist er mit seinem Gefährt hochzufrieden.

Selten krank

Nur dreimal hat er seine Tour wegen Krankheit nicht antreten können: 2017, 2019 und 2020 –das weiß Kößler ganz genau. Früher unterstützten ihn seine Söhne, wenn Not am Mann war, aber die sind beruflich nun selbst eingespannt. Urlaub machte das Ehepaar Kößler so gut wie gar nicht. „Wenn überhaupt, sind wir Mittwochabend losgefahren und waren schon am Montag wieder zuhause“, erzählt Inge Kößler. Beginnend mit dem 9. Dezember dieses Jahres macht das Ehepaar nun aber endlich mal vier Wochen Urlaub. Soweit möglich. In Zeiten von Corona fällt eine Reise allerdings flach.

Wind und Wetter schreckten ihn nicht und Kälte sei bei weitem nicht so unangenehm wie der Regen. Es käme nur auf die richtige Kleidung an, versichert der Zeitungszusteller. Eine Million Exemplare haben die Eheleute Kößler über die Jahre ausgeliefert und dabei rund 10.500 Kilometer zurückgelegt. Und natürlich wird der KREISBOTE auch immer noch intensiv von der ersten bis zur letzten Seite gelesen. „Ich schaue meistens zuerst, wie viele Kinder geboren wurden. Danach informiere ich mich, was in Stadt und Landkreis so alles los ist. Allerdings vermisse ich die Todesanzeigen im Kreisboten“, erzählt Inge Kößler. Gatte Willi hingegen widmet sich immer erst dem Kreuzworträtsel.

Bis zum Herbst nächsten Jahres ist Willi Kößler noch mit seinem Fahrrad unterwegs. Dann will er sich die Tour vielleicht mit einem Enkel teilen oder ganz aufhören. „Ich spüre die Jahre doch in den Knochen“, seufzt der Rentner, „aber ich habe die Arbeit keine Minute bereut. Ich werde meine Tour machen, solange es geht.“

Ein Vorbild

„Wir sind Herrn Kößler überaus dankbar für seine außerordentliche Leistung in unserem Hause“, lobt KREISBOTEN-Redaktions- und Geschäftsstellen­leiter Toni Schwaiger den Jubilar. Der 80-Jährige sei für seine vielen Kolleginnen und Kollegen, jung und alt, ein echtes Vorbild. Und er beweise, dass das Zustellen nicht nur gesund und fit halte, sondern auch in hohem Alter noch möglich ist. Als Zeichen des Dankes gab es für die Kößlers einen bunten Blumenstrauß und ein Präsent vom KREISBOTEN-Verlag und der KBV Vertriebs GmbH.
Dietrich Limper

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Landsberg: Maskenverweigerer lockt Landratsamts-Mitarbeiter ins Freie
Landsberg: Maskenverweigerer lockt Landratsamts-Mitarbeiter ins Freie
Impfen in Penzing und das Prioritäten-Problem
Impfen in Penzing und das Prioritäten-Problem
Neue Corona-Infektionen im Klinikum Landsberg
Neue Corona-Infektionen im Klinikum Landsberg
Gemeinschaftsprojekt in Landsberg: „Halber Konsum – Doppelter Genuss“
Gemeinschaftsprojekt in Landsberg: „Halber Konsum – Doppelter Genuss“

Kommentare