2.400 Euro Strafe wegen vier Holzscheiten:

"Nächstes Mal scheppert´s"

+
Vier teure Holzscheite: Ein 86-Jähriger muss für seine Deko-Idee 2.400 Euro Strafe bezahlen.

Landkreis – Haarscharf ist ein 86-Jähriger aus der Ammerseeregion am Landsberger Amtsgericht um eine Inhaftierung herum gekommen – obwohl er sich bislang lediglich Lappalien zu Schulden hat kommen lassen. Für die dritte Straftat binnen drei Jahren kam der Rentner ein letztes Mal mit einer Geldstrafe von 2.400 Euro davon.

2016, drei Tage noch bis zum heiligen Abend: Zahlreiche Menschen waren zu diesem Zeitpunkt seit Wochen damit beschäftigt, ihr Zuhause zu schmücken und auf Weihnachten vorzubereiten. So auch der 86-Jährige, der morgens in seinem Lancia unterwegs war und am Straßenrand einen Haufen Eschenholz ausmachte. Diesen habe er geplant, in seine Weihnachtsdeko vor der Haustür einzubeziehen. Daraufhin lud er vier Holzscheite in seinen Wagen, der damit bereits voll war. Just in diesem Moment traf der Holzbesitzer an Ort und Stelle ein – „ein äußerst wortkarger Mann“, wie der Rentner ihn in der Verhandlung später beschrieb. Dieser empörte sich zunächst und forderte vom 86-Jährigen, das Holz wieder herauszugeben. Den Kompromiss, das Holz für 25 Euro abzukaufen, wollte er nicht eingehen, woraufhin der Rentner das Holz wieder dem Haufen am Wegesrand überließ.

Wenngleich im Endeffekt nichts gestohlen wurde: Den Vorwurf des versuchten Diebstahls musste sich der Mann vom Ammersee dennoch gefallen lassen. „Wenn jeder ankommt und nur ein bisschen was mitnimmt, hat der Eigentümer irgendwann ein Problem,“ führte Richter ­Alexander Kessler dem Lancia-Fahrer die Problematik vor Augen. Deshalb sei die Tat keinesfalls ein Kavaliersdelikt gewesen, so der Richter.

Obwohl der 86-Jährige zum ersten Mal im Gericht zugegen war – unbeschriebenes Blatt ist er keines: 2014 klaute er in einem Baumarkt Blumen, ein Jahr später Butter und Käse bei einem Lebensmitteldiscount. Beide Taten kamen ihn mit Strafen über 1.000 Euro teuer zu stehen. „Das hat sich gar nicht gelohnt“, lautete sein Fazit.

Gelernt hatte er aus den hohen Summen offenbar nicht. Wenige Monate später folgte schließlich die nächste unnötige Tat mit dem versuchten Holzscheit-Diebstahl. „Meine Frau hat auch schon geschimpft und mir gesagt, ich soll so etwas sein lassen“, berichtete der Rentner. Obwohl dieser auch vor Gericht versprach, künftig nicht mehr zu stehlen, kam Alexander Kessler nicht ohne Sanktion aus. Einschlägig vorbestraft, sei eine Haftstrafe in diesem Fall durchaus in Betracht zu ziehen gewesen. „Ihr Alter ist kein Freibrief, dass Sie nicht ins Gefängnis kommen“, so der Richter. „Wenn Sie nochmal wegen Diebstahls hier sind, scheppert´s so richtig.“

Bei der Strafzumessung pflichtete Kessler Staatsanwältin Figen Basoglu-Waselzada bei. Diese hatte eine Geldstrafe von 2.800 Euro vorgeschlagen. Kessler reduzierte auf 2.400 Euro und erlegte dem Angeklagten die Kosten des Verfahrens auf. Der 86-Jährige willigte ein, sodass das Urteil rechtskräftig ist.

Marco Tobisch

Auch interessant

Meistgelesen

Babys der Woche im Klinikum Landsberg
Babys der Woche im Klinikum Landsberg
VR-Siegerin wie Südstaatenlady
VR-Siegerin wie Südstaatenlady
Gaststätten-Zeiten passé
Gaststätten-Zeiten passé
Söder im Nachthemd
Söder im Nachthemd

Kommentare