A96: Zwei Bauarbeiter getötet – Lkw-Fahrer zu Geldstrafe und drei Monate Fahrverbot verurteilt

Ein 45-Jähriger Berufskraftfahrer aus dem Landkreis ist vergangene Woche am Amtsgericht zu 6000 Euro Geldstrafe sowie drei Monaten Fahrverbot verurteilt worden. Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Sabine Grub behandelte den Einspruch des Unfallverursachers gegen einen erlassenen Strafbefehl. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, im Mai vergangenen Jahres auf der A96 zwischen Schöffelding und Windach einen schweren Verkehrsunfall verursacht zu haben, bei dem zwei Bauarbeiter von seinem Lkw erfasst und tödlich verletzt wurden.

Den Einspruch zog der Angeklagte, der laut ärztlichem Gutachten an Schlafapnoe leidet, während der Verhandlung wieder zurück, sodass der Strafbefehl mit 90 Tagessätzen zu je 40 Euro und dem Fahrverbot rechtswirksam wurde. Die Unfallstelle auf der A96 nahe Schöffelding glich nach dem Unfall einem riesigen Trümmerfeld. Nahezu ungebremst war der 45-Jährige mit seinem Lastwagen in die Baustelle gefahren. Und das, obwohl bereits weit vor der Baustelle mehrere Schilder auf die wegen der Bauarbeiten notwendige Verengung der Fahrbahn hingewiesen hatten. Ein Sicherungsanhänger und Pylonen hatten zudem die Stelle der dort arbeitenden Männer gesichert. Sie hatten gerade eine neue Leitplanke montiert. Laut dem unfallanalytischen Gutachten hat der Angeklagte die Baustelle erst 40 Meter vor den Sicherungsanhänger bemerkt und sei nahezu ungebremst mit rund 70 Kilometer pro Stunde in die Absperrung gerast. Zwar habe er noch versucht, nach rechts auszuweichen, jedoch ohne Erfolg. Infolge des Aufpralls sei die Lenkachse seines Fahrzeuges gebrochen und die Luftschläuche für die Bremsen ausgerissen worden. Der damit „führerlose“ Lkw geriet ins Schleudern und auf eine Böschung, dann auf die Grünfläche, wo er schließlich die zwei Arbeiter im Alter von 41 und 54 Jahren erfasste. Der Lkw-Fahrer wurde im stark zerstörten Führerhaus eingeklemmt und zog sich leichte Verletzungen zu. Wie die Beweisaufnahme ergab, hatte bereits der Rettungsarzt am Unfallort der Polizei gegenüber die Vermutung geäußert, der Unfallverursacher könnte unter der Erkrankung Schlafapnoe leiden. Diese Diagnose sollte dann später auch durch einen Facharzt bestätigt werden. Auf Nachfrage von Richterin Grub, ob der Angeklagte bereits zuvor schon Anzeichen von Müdigkeit an sich festgestellt hatte, beantwortete der 45-Jährige mit nein. Auch die Nachfrage beim Facharzt ergab kein präzises Bild. Demnach könnte der Angeklagte bereits seit einem Jahr oder zehn Jahren unter für diese Krankheit typischen Symptome gelitten haben. Der Mediziner machte aber auch deutlich, dass der Angeklagte unter einer „extremen Ausprägung der Krankheit“ leide. So habe der stark übergewichtige Mann 109 Atempausen pro Stunde Schlaf. Die Schlafqualität sei damit gleich null und die Tagesmüdigkeit vorprogrammiert. Aus Sicht des Arztes kämen die Symptome nicht von heute auf morgen, sondern würden sich schon früher zeigen. Jedoch verbinde man im allgemeinen Schlafstörungen nicht gleich mit der Krankheit Schlafapnoe. An jenem Unglückstag hatte der Angeklagte um 4 Uhr früh mit seiner Arbeit begonnen. Auf dem Heimweg habe er gegen 11 Uhr bei Memmingen eine einstündige Pause eingelegt und etwas gegessen. Den Unfall selbst habe er kaum wahrgenommen. Auch zwei polnische Lkw-Fahrer, die kurz vor dem Unfall direkt hinter dem Angeklagten fuhren, haben keine Auffälligkeiten bemerkt. Auf die Baustelle sei der Mann allerdings zugefahren, als ob es dort keine gebe. Keine Entschuldigung Nachdem die Beweisaufnahme fortgeschritten war, bot Staatsanwalt Kai Höltkemeier der Verteidigung an, mit Blick auf die „klare Beweislast“, den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen: „Dies sei ein guter Zeitpunkt, denn sonst könnte das Strafmaß deutlich höher ausfallen.“ Die Verteidigung hatte Einspruch eingelegt, um in der Verhandlung die Schuldunfähigkeit des 45-Jährigen deutlich zu machen. Dies gelang offenbar nicht und so zogen sie den Einspruch zurück. Unschön war auch der Umstand, dass der 45-Jährige Unfallverursacher sich nicht persönlich für seine Tat, durch die immerhin zwei Menschen ihr Leben verloren haben, entschuldigt hat. Dies wiegt umso schwerer, da eine Hinterbliebene sowie ein Freund der verstorbenen Arbeiter im Gerichtssaal weilten.

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