Auf die Plätze ... fertig ... los?

Ab nächster Woche dürfte das Stadttheater Landsberg wieder öffnen

Theaterleiner Florian Werner an der Tür des Landsberger Stadttheaters
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Theaterleiter Florian Werner würde das Stadttheater gerne wieder öffnen – wenn es machbar uns sinnvoll ist.

Landsberg – Noch begrüßt den Theater-, Konzert- und Filmliebhaber auf der Webseite des Landsberger Stadttheaters ein leerer Programmkalender. Ab Montag wären allerdings Veranstaltungen erlaubt – unter Auflagen wie Maskenpflicht und einem aktuellen Schnelltest. Die Zuschauerzahl wäre, je nach Möglichkeiten im jeweiligen Theater, nach oben nicht beschränkt. Dennoch bleibt der Termin im Konjunktiv. Und das nicht nur, weil der Inzidenzwert gemäß der allgemeinen Tendenz im Landkreis wieder nach oben gehen könnten. Auch Theaterleiter Florian Werner und Konzertplaner Edmund Epple haben noch offene Fragen.

Im Theatersaal ist ein Großteil der Klappsitze noch mit Wäscheleinen hochgebunden – so, wie es im November, als die letzten Vorstellungen vor dem zweiten Lockdown stattfanden, gefordert war, um den Mindestabstand zu garantieren. „Die müssten bei einer eventuellen Öffnung des Theaters wohl auch so bleiben“, vermutet Werner. Ganz genau weiß er es nicht, denn konkrete Konzepte seitens des Staatsministeriums lassen noch auf sich warten. Im Infektionsschutzgesetz ist bisher festgelegt, dass die 7-Tage-Inzidenz 14 Tage in Folge unter 100 liegen muss, um zu öffnen – kein Problem im Landkreis. Aber letztendlich muss auch das Landratsamt diese Öffnungsmöglichkeit genehmigen – und das darf es nur mit vorheriger Zustimmung des Gesundheitsministeriums.

Wenn geöffnet werden kann, müssten die Besucher einen tagesaktuellen und negativen Schnelltest vorlegen, es sei denn, die Inzidenz liegt 14 Tage in Folge unter 50 – das wäre im Landkreis ab dem 24. der Fall. Aber schon da tauchen die ersten Fragen für Werner auf: „Wer bietet die Tests an, wer finanziert sie, wo sollen wir die Leute testen?“ Und dann geht es ja nicht nur um die Zuschauer: „Auch das, was auf der Bühne passieren soll, muss funktionieren können.“ Hier sei vieles noch nicht konkret. Und je nachdem, wie die Auflagen sind, sei eine Öffnung leichter – oder eben schwieriger. Dennoch: „Wir werden alles machen, was wir dürfen und organisatorisch stemmen können“, lautet Werners Devise.

Das Programm wäre voll. Um nicht zu sagen proppevoll: „Allein die verschobenen Termine füllen mittlerweile mehr als eine Spielzeit“, sagt Epple. Zwar seien die meisten internationalen Tourneen abgesagt – lediglich für Hazmat Modine gibt es für Juli noch Hoffnung –, aber Künstler aus Deutschland wie Mulo Francel und Chris Gall könnten engagiert werden. „Und ich hoffe auch, dass endlich die lang geplante Woche mit Gerd Baumann und Dreiviertelblut in Reichweite kommt“, sagt Epple.

Werner hat einige Theaterensembles, die auftreten könnten, auch bei relativ spontanen Terminen. Wobei Theateraufführungen in den meisten Fällen aufwendiger seien als Konzerte. Aber vielleicht wäre sogar noch im März das Landestheater Schwaben mit „Die Füße im Feuer“ machbar – sogar eine Uraufführung. Und auch Stücke des LTT oder des Metropoltheaters stehen in den Startlöchern.

„Wir versuchen, so viel Kultur zu machen, wie unter vernünftigen Gesichtspunkten möglich ist“, sagt Werner. Dass mit Berücksichtigung des 14-tägigen Verlaufs der Inzidenz der Aspekt ‚Entwicklung‘ mit in die Überlegungen für mögliche Öffnungen einfließt, begrüßt er. „Aber das macht es noch schwieriger zu planen.“ Tests findet er sinnvoll – aber ohne Testanforderung sei es natürlich einfacher. Denn „welchen Aufwand machen sich die Leute für einen Abend im Theater?“, fragt sich Werner. Und überhaupt, wie ‚mutig‘ wird das Publikum sein?

Die Alternative ‚Streaming‘ stößt weder bei Werner noch bei Epple auf Zustimmung. Zum Beispiel, weil kostenloses Stream­ing Künstlern momentan wirklich nicht weiterhelfe, sagt Epple. Das müsse also finanziert werden, aber dafür gebe es „politisch und budgeterisch keine Grundlage“. Und außerdem: Konzert und Theater leben vom Publikum – „und zwar vom physisch anwesenden. Da wollen wir wieder hin.“

Sicher werde Open Air dieses Jahr ein wichtiger Pfeiler sein, sind sich Epple und Werner einig. Fest im Freien geplant ist dabei ein Auftritt der ‚labü‘, der Landsberger Bühne, die normalerweise immer im Januar eine Woche lang ihre Inszenierung im Stadttheater zeigt. Allerdings ist die Bühne im Theatergarten zwar äußerst hübsch – aber nicht überdacht, insofern extrem wetterempfindlich. Ursprünglich sei ein Dach geplant gewesen, erzählt Epple, aber aus Kostengründen nicht verwirklicht worden. Schade, denn das hätte sich schon längst ausgezahlt, ist sich der ‚Konzertmanager‘ sich sicher. Es gebe aber erste Konzepte, andere Orte in der Stadt als Bühnen zu nutzen. Und dafür könne das Theater Inhalte liefern.

Kultur sei wichtig, um wieder ein wenig Normalität zu generieren, sagt Werner. Auch, um die allgemeine Stimmung zu „entspannen“. Natürlich sei Kritik an der Politik berechtigt, die Versäumnisse und Fehler müssten auch aufgearbeitet werden. Da er selbst viel organisiere, könne er die Probleme aber nachvollziehen. „Und die Leute haben auch ein bisschen aus den Augen verloren, dass das eine extreme, außergewöhnliche Situation ist.“ Für den Theaterleiter steht die Rücksichtnahme, auch im Privaten, im Vordergrund. Die Maßnahmen gegen die Pandemie sieht er als absolut richtig an, „auch wenn sie die Bürger teilweise bevormunden“.

Über den Tellerrand

Die Kulturbranche leiste gerade einen enormen Beitrag zur Bewältigung der Pandemie, betont Epple. Kulturschaffende verzichteten solidarisch auf ihren Beruf, unter enormen finanziellen Einbußen. „Das wird viel zu wenig gewürdigt, geschweige denn adäquat entschädigt, schon gar nicht unbürokratisch.“ Kunst und Kultur seien wichtig: weil sie über den eigenen Horizont blicken lassen, Perspektivenwechsel ermöglichen und so Situationen neu denken lassen. „Alles Dinge, die jedem helfen können, um nicht nur an sich zu denken, sondern zum Gelingen einer Sache beizutragen. Denn Kunst und Kultur sind eine Schule für die Menschlichkeit.“

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