Sternstunde im Stadttheater Landsberg

Abdullah Ibrahim: Das Leben in einer Melodie

Abdullah Ibrahim in Landsberg
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Musiklegende Abdullah Ibrahim am Flügel im Landsberger Stadttheater: Der Pianist und Komponist improvisierte und verzauberte sein Publikum.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landsberg – Als Abdullah Ibrahim nach gut einer Stunde Improvisation am Flügel die Finger von den Tasten hebt und die Musik verstummt, fehlt etwas. Ohr, Herz und Hirn sehnen sich zurück zu den Geschichten, die der Musiker mit seinen Kompositionen webt. Auch wenn Abdullah Ibrahim mit knapp 88 Jahren etwas ‚sanfter‘ geworden ist: Das Publikum im ausverkauften Stadttheater jubelt bereits beim Auftritt der Jazzlegende. Und spendet am Ende Standing Ovations für den südafrikanischen Pianisten.

Ibrahim wird von seiner Frau auf die Bühne geführt. Am 9. Oktober wird er 88. Normalerweise feiert er diesen Tag mit einem Solokonzert. So auch 2021, in Riedering. Entstanden ist daraus das aktuelle Album „Solotude“. Seine Auftritte sind jedoch immer Unikate. Auch das in Landsberg: Der Jazzpianist setzt sich an den Flügel – und spielt. Eine betörend einfache Melodie, die wandert, auf- und zerbricht, sich wieder neu zusammensetzt – und dabei nie ziellos ist. Sie packt einen im Herz.

Ibrahim improvisiert, über eine Stunde, am Stück. Er erschafft mit seinen ‚direkten‘ Kompositionen und dem messerscharf klaren, ‚existentiellen‘, schnörkellosen Anschlag Bilder, zu denen er sein Publikum mitnimmt – oder besser gesagt: einlädt. Was da zu hören ist, scheint er selbst, sein Leben zu sein. Etwas, das schwer in Worte zu fassen ist. Musikverantwortlicher im Stadttheater Edmund Epple nennt es die Reduktion auf „die Essenz des Ausdrucks“. Oder „entwaffnend schöne Musik“.

Abdullah Ibrahim wurde von Duke Ellington gefördert. Damals nannte sich der in Kapstadt als Adolph Johannes Brand Geborene noch ‚Dollar Brand‘ – angeblich wegen der Jazzplatten für einen Dollar, die er leidenschaftlich sammelte. 1968 konvertierte er zum Islam, wurde Abdullah Ibrahim. Er kämpfte mit Musik gegen Apartheit, seine Komposition „Mannenberg“ avancierte zur inoffiziellen Hymne. Und er saß bei Nelson Mandelas Amtseinführung am Klavier.

Dabei schöpft Ibrahim die Basis seiner Musik aus seinen afrikanischen Wurzeln. Das zeigt der sanfte, in sich ruhende Mann am Ende des Konzerts, wenn das Publikum noch eine Zugabe fordert (eine hat es bereits bekommen). Ibrahim stellt sich am Bühnenrand auf, gestützt von seiner Frau, und singt mit brüchiger Stimme zwei afrikanische Lieder. Oder auch Gospel, „Wade in the Water“ und „Deep Water, my home is over Jordan“. Heimat sei für ihn nicht an einen Ort gebunden, hat Ibrahim einmal gesagt. „Zuhause ist der Ort, wo man Gelassenheit findet.“ Wenn man diesen Mann sieht und seiner Musik lauscht, weiß man, er ist Zuhause angekommen. Und lädt alle zu sich ein.

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