Abenteuerliche Reise auf Stelzen

Die Helden bahnen sich auf dem Hauptplatz ihren Weg durch den Salzwald. Foto: Eckstein

So voll hat man den Hauptplatz lange nicht gesehen, rund 4500 Menschen sind nach der Schätzung der Polizei in Landsbergs „gute Stube“ geströmt, sitzen auf den harten Lechkieseln, stehen links und rechts der Fahrbahn – sie alle wollen hautnah die Uraufführung des Ruethenfestspiels „Licca Line – Eine lange Fahrt ins sagenhaft Damasia“ erleben. Ein großer Moment für die rund 40 Kinder und Jugendlichen, die zwei Jahre lang mit Wolfgang Hauck und Peter Pruchniewitz von den „Stelzern“ auf diesen Termin hingearbeitet haben.

Es beginnt und endet mit den Kindern und Jugendlichen: Schreiend stürmen sie den Hauptplatz, nehmen ihn in Besitz und rufen erstmal ihren Frust darüber in die Welt, dass die Erwachsenen alles besser wissen (müssen). Dann starten die sieben Helden (Selina Erbel, Michelle Martin, Lucia Straub, Sebastian Leiß, Luca Schloderer, Virginia und Phillip Hätscher), ihre riskante Fahrt über den Lech und landen im sagenumwobenen Damasia, wo sie allerlei unheimlichen Gestalten begegnen: Hojemännlen, Truden, dem Wilden Gejäg und dem alten Allawei (Ulrich Zehntner) mit seiner Enkelin Mälla (Lena-Sarah Papke), der erstmal ihr Herz auf die Probe stellt, bevor er ihnen hilft, den Weg nach Hause zu finden. Doch zuvor müssen sie noch ein paar Prüfungen bestehen; den Salzkönig besiegen, die Truden überlisten, den Erdspiegel finden und den Schlüssel zum Herz Damasias erringen. Eine schwierige Sache, zumal so hoch über dem Boden. Doch die jugendlichen Darsteller laufen, tanzen, rennen auf Stelzen wie auf ihren eigenen Beinen, auch das schlüpfrige Pflaster des Hauptplatzes, die Lechkiesel um den Brunnen, die Treppenstufen oder auch die Unterführung stellen keine Hindernisse dar. Im Zusammenspiel mit einigen professionellen Schauspielern, den farbenprächtigen Kostümen von Cinzia Fosatti und der Musik von Richard Waldmüller, gespielt von der Sing- und Musikschule unter der Leitung von Lothar Kirsch, entwickelte sich eine bunte, spannende und außergewöhnliche Geschichte von Freundschaft, Abenteuer, eingebettet in den Sagenschatz des Lechrain und vor der wunderbaren Kulisse des Landsberger Hauptplatzes. Glücklich die Zuschauer, die einen Fensterplatz oder einen Platz in der Kurve vor dem Brunnen ergattern konnten, denn durch die wechselnden Spielorte von der Salzgasse bis zur Unterführung konnten nur die das komplette Stück sehen; für die meisten blieben Teile der Aufführung ein Hörspiel, doch immer nur für kurze Zeit, bis zur nächsten Szene. Einziges Manko: die Festspiellänge von mehr als zwei Stunden, besonders für die vielen Kinder im Publikum, doch könnte das daran gelegen haben, dass die Spieler ihren Spielort noch nie unter „Live-Bedingungen“ erproben konnten, was eine zusätzliche Schwierigkeit für alle Beteiligten darstellte. Insgesamt eine großartige Leistung und ein wunderbarer Auftakt für das diesjährige Ruethenfest. Für die Jugendlichen bleibt zu hoffen, dass noch ein Ersatztermin für die wegen Regens abgesagte Vorstellung am Sonntagabend gefunden werden kann, damit sie „ihre“ Reise noch einmal präsentieren können.

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