Rinder "erheblich vernachlässigt"

Verdreckt und abgemagert:  Landsberger Veterinäramt rettet 44 Kühe

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"Erheblich vernachlässigt" waren 44 Kühe in einem Stall im nördlichen Landkreis. Das Veterinäramt hat sie nun abgeholt und im landkreiseigenen Stall in Penzing untergebracht.

Landkreis – Bad Grönenbach ist auch im Landkreis: Mitte Dezember wurde gut die Hälfte der Rinder eines Hofes im nördlichen Landkreis von den Mitarbeitern des Veterinäramtes gerettet. In dem Stall gab es enorme Missstände: unterernährte Tiere, keine Klauenpflege, komplett verkoteter Boden. Die 44 abgeholten Glückspilze stehen jetzt in einem Stall in Penzing, den der Landkreis extra für solche Vorfälle angemietet hat. Der Rest ist weiterhin in seinem Heimatstall untergebracht.

Ohne Klauenpflege, unterernährt und im eigenen Kot stehend: unwürdige Bedingungen für alle Tiere.

„Den restlichen rund 30 Tieren geht es vorerst einigermaßen gut“, teilt Pressesprecherin des Landratsamtes Landsberg Anna Diem mit. Der betreffende Landwirt im nördlichen Landkreis sei dem Amt bekannt gewesen, so die Pressesprecherin. „Wir hatten den Vorbesitzer des Hofes seit 2015 im Visier“. 2019 habe man diesem dann „ein Rinderhaltungs- und Betreuungsverbot“ ausgesprochen, woraufhin der seinen Hof im Mai letzten Jahres einem anderen Landwirt überschrieben habe. Weitere Kontrollen folgten, „fast monatlich“, so Diem. Und auch Geldstrafen seitens des Landkreises seien auferlegt worden: Inzwischen eine vierstellige Summe. Die Höhe der Geldstrafen werde indessen in einem Bußgeldkatalog festgelegt.

Abholen dürfe das Amt nur Tiere, die „erheblich vernachlässigt oder bei denen die Haltungsbedingungen völlig unzureichend seien“, betont Diem. Die abgeholten 44 Tiere seien stark abgemagert, die Klauen verdreckt, der Boden im Stall voller Kot gewesen. Die restlichen Kühe hätten nicht „erheblich vernachlässigt“ gewirkt. Im Moment werde der Hof dennoch 14-tägig kontrolliert. Der Abtransport der 44 Tiere sei „die vorerst letzte Konsequenz“, sagt Diem. Sollte der Landwirt die Missstände nicht beheben, drohe auch ihm ein Tierhalteverbot: „Wenn es so weit ist, dann bleibt dem Amt ja keine andere Möglichkeit, als das Verbot auszusprechen.“

Die Handlung des Amtes sei „ein normaler Vorgang einer Behörde“, bestätigt die Landratsamt-Pressesprecherin: Pro Jahr gebe es im Durchschnitt zwei solcher Fälle. Den Stall in Penzing habe das Amt Ende 2014 gepachtet. Da er aber mit Platz für rund 80 Tiere für etwas „überdimensioniert“ gewesen sei, hätten auch andere Landkreise den Stall für die Tierunterbringung genutzt. „Fünf oder zehn Tiere irgendwo unterzubringen, ist kein Problem. Aber 40 oder mehr? Wo soll man denn mit denen hin?“

Seit Februar letzten Jahres gebe es nun auch eine Zweckvereinbarung mit neun anderen Landkreisen über die Nutzung, beispielsweise Fürstenfeldbruck, München, Dachau oder Rosenheim. „Diese Einrichtung ist auf jeden Fall eine sehr einmalige Situation“, urteilt Diem über das Konstrukt.

Die Kosten für den Transport der Tiere und deren Pflege – vor Ort ist ein Landwirt – holt sich der Landkreis durch den Verkauf der Milch und den Verkauf der Tiere – wenn sie denn wieder gesund sind.
Susanne Greiner


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