"Besser als anderswo"

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Die Containerunterkunft in der Münchner Straße stand auf dem Besichtigungsplan des bayerischen SPD-Abgeordneten Dr. Herbert Kränzlein.

Landsberg – „Man kann das Thema Asyl nicht nur aus dem Landtag heraus beurteilen, man muss sich auch immer wieder vor Ort ein Bild machen“, meint der bayerische SPD-Abgeordnete Dr. Herbert Kränzlein. Sprach’s und machte sich unter anderem auf den Weg nach Landsberg. Seine Erkenntnis nach Besichtigung der Unterkünfte in der Lechstadt: „Hier läuft vieles besser als anderswo, das muss man ganz offen sagen.“

Der 64-jährige Landtagsabgeordnete weiß, wovon er spricht. „Ich habe als Bürgermeister selbst zwei große Flüchtingswellen mitgemacht. Man kann das als Kommunalpolitiker überhaupt nur dann anständig bewältigen, wenn man engagierte Leute vor Ort hat, die sich für diese traumatisierten Menschen um die Dinge kümmern, die über „sauber und satt“ hinaus gehen.“ Kränzlein fand in Landsberg Integrationsklassen und viele ehrenamtlichen Helfer vor, warnt aber vor der weiteren Entwicklung. „Die Zahlen werden auf absehbare Zeit nicht weniger werden. Da, wo dann größere Gruppen in kleinen Orten ohne ÖPNV untergebracht werden müssen, gibt es auch Schwierigkeiten.“ 

Ein Beispiel dafür hatte Hanni Bauer parat. „In Obermühlhausen sitzen jetzt zehn Flüchtlinge, die kämen in den Ferienzeiten mit dem Bus einmal am Tag weg – wie sollten die ihren Sprachkurs in Landsberg machen“, fragt die Dießener SPD-Vorsitzende. Allerdings ist auch in Obermühlhausen die Unterstützung groß: „Die Menschen werden im Moment von Ehrenamtlichen gefahren, drei Lehrer geben Sprachkurse vor Ort. Auch der Sportverein hat sich sofort bereit erklärt, die jungen Männer am Fußballtraining teilnehmen zu lassen und stellt sogar Ausrüstung.“ 

Wenn nicht schnell durch Kommunen, Freistaat oder Bund weitere Unterkünfte bereitgestellt würden, sieht Kränzlein trotz solcher gelungener Arbeit bald flächendeckend Schwierigkeiten. „Die Regierung greift zunehmend zu krassen Maßnahmen und lädt die Leute einfach mit Bussen vor dem Landratsamt ab. Da werden wir bald wieder bei der Beschlagnahmung von Turnhallen sein.“ Sein Schluss: „Wir brauchen ein Sonderprogramm Asyl, ohne wird's nicht gehen, das ist ganz klar.“ Und die Hoffnung des Abgeordneten bleibt, „dass unsere Bevölkerung angesichts dieser Probleme nicht in eine unwürdige Abschottungsdebatte verfällt.“

Christoph Kruse

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