Sprungdienst aus dem M28 Skytruck

Wachablösung für die Transall

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Die M-28 Skytruck nach dem Absetzen von Fallschirmspringern beim Landeanflug.
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Die M-28 Skytruck nach dem Absetzen von Fallschirmspringern beim Landeanflug.
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Letzte Einweisung für Piloten und Springer durch den Absetzleiter Hauptmann Erwin Weber (links, blaues Gurtzeug).
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An diese Form des Luftfahrzeugs muss man sich jetzt gewöhnen. Die neue M-28 Skytruck beim Start zum ersten offiziellen Sprung.
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Beim Absetzen des 1. Springers taucht die Maschine kurz in einen Wolkenfetzen ein.
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Sind erleichtert, dass nach fünfeinhalb Jahren Vorarbeit die M-28 Skytruck in Altenstadt die Springer in die Lüfte bringt. Leiter des Ausbildungsstützpunktes Oberstleutnant Christian Schoebel (re) und Projektleiter Hauptmann Tobias Hub vor dem ersten offiziellen Sprung.
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Die offizielle Mannschaft des Projekts M-28 Skytruck vor dem ersten Start in Altenstadt. Den Gesichtern nach zu urteilen eine „g´mahde Wies´n“.
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Dieses Quintett hat den ersten offiziellen Sprung aus der M-28 Skytruck gemeistert. Erleichterung in den Gesichtern von Dirk Engelmann, Christian Riesenbeck, Christian Schoebel, Tobias Hub und Udo Jürgens (von links).

Altenstadt/Penzing – Unzählige Flüge und Hilfstransporte in Katastrophengebiete hat die C-160 Transall gemeistert, tausende von Fallschirmspringern hat sie während des Sprungdienstes von Penzing zum Absetzplatz Altenstadt geflogen. Doch jetzt ist die alte Dame in die Jahre gekommen und mit dem Nachfolgeflugzeug Airbus A400M sieht es fürs Fallschirmspringer noch schlecht aus. Die perfekte Lösung für einen reibungslosen Sprungdienst gibt es ab jetzt mit dem Flugzeug M-28 Skytruck.

„Es ist ein echter Quantensprung. Heute wurde die gesamte Fallschirmsprungausbildung revolutioniert“, sprudelt es förmlich aus Oberstleutnant Christian Schoebel heraus. Der Leiter des Ausbildungs-Stützpunktes Luftlande- und Lufttransport hat vor wenigen Minuten aus dem neuen Luftfahrzeug M-28 Skytruck den ersten offiziellen Absprung gemeistert und ist von der Maschine begeistert. Genau um 11.47 Uhr Ortszeit hat er die Maschine in 400 Metern Höhe verlassen, ist wenig später auf dem Absetzplatz sicher gelandet.

Weitere vier Springer folgten im selben Anflug. Klar, dass der zweite Mann in der Sprungfolge Hauptmann Tobias Hub ist. Er hat das gesamte komplette Projekt die letzten Jahre begleitet, kennt das Konzept in allen Einzelheiten in- und auswendig. Auch er zeigt sich nach einer perfekten Landung von der Situation angetan und formuliert seine Freude dementsprechend erleichtert: „Nach fünfeinhalb Jahren auf steinigen Wegen haben wir unser Ziel erreicht. Es ist ein großer Tag für die Fallschirmjägertruppe.“

Vor dem Jungfernsprung gab Projektleiter Hauptmann Hub eine fundierte Einweisung und erklärte, warum die Bundeswehr auch auf zivile Flugzeuge zurückgreift. Bekanntlich wird die C-160 Transall 2021 auslaufen. Das Nachfolgeflugzeug Airbus A400M ist noch nicht für den Fallschirmsprungdienst zugelassen. Darüber hinaus schließt der Fliegerhorst Penzing, von dem aus die Fallschirmspringer bisher starteten, zum Jahresende. Lange Busfahrten der Springer zum nächst möglichen Startplatz wären die Folge, darüber hinaus erhöhen sich die Anflugzeiten des Luftfahrzeugs. Außerdem besteht ein großer Mangel an Lufttransportraum, da viele der Maschinen für die Auslands­einsätze zur Verfügung stehen müssen.

Deshalb wurde schon 2012 eine Marktsichtung für geeignete Luftfahrzeuge für den Fallschirmsprung begonnen. Wie Projektleiter Hub erklärt, standen bestimmte technische Anforderungen ganz oben auf seiner Liste, damit die Springer wenig umtrainiert werden müssen. So war eine der Voraussetzungen, dass zwei seitlich laufende Ankerseile im oberen Teil der Maschine angebracht und zugelassen sein müssen. In diese haken die Springer ihre Aufziehleine vor dem Sprung ein, was nach Absprung zur Schirmöffnung führt. Desweiteren soll der Absprung über eine Rampe am Heck und nicht über seitliche Türen gehen. Das wichtigste Kriterium jedoch ist, dass das Luftfahrzeug eine Rückholbergevorrichtung haben muss. Das heißt, dass ein Springer, der nach dem Absprung an der Maschine hängengeblieben ist, während des Fluges wieder in den Laderaum gezogen werden kann. Somit wird ausgeschlossen, dass die Aufziehleine notfalls durch­trennt werden muss. Die Folgen wären dann fatal.

„Die Sicherheit der Soldaten muss oberste Priorität haben“, betont Hub. Deshalb wurden in der Erprobungsphase Flug- und Bergetests mit Dummys durchgeführt. „Und dieses Flugzeug ist das einzige auf dem europäischen Markt, das allen Anforderungen gewachsen ist“, betont Hub. Dafür bekam es dann 2016 die Freigabe für das Absetzen von Fallschirmspringern bei der Bundeswehr. Doch nicht nur für Springer mit „automatischen Fallschirmen“ ist die Zulassung ausgestellt worden, auch sogenannte Freifallspringer können auf Höhe gebracht werden. Wie Pilot Olaf Helbig bestätigt, kann bis auf eine Höhe von 25.000 Fuß (ca. 8.300 Meter) geflogen werden. Natürlich nur unter Verwendung von Sauerstoffgeräten, die in kurzer Zeit eingebracht werden können.

Eine der Fragen der Gäste war natürlich, wie viele Flugzeuge nach Altenstadt kommen und vor allem, wie eine zivile Firma das Ganze meistert. Auch hier konnte Projektleiter Tobias Hub Rede und Antwort geben. Vorerst stehen zwei nagelneue Maschinen am Heimatstandort in Magdeburg, die 365 Tage im Jahr der Bundeswehr zur Verfügung stehen. Bei Anforderung zum Sprungdienst sind diese in gut eineinhalb Stunden in Altenstadt. Dort verbleiben sie so lange, bis der Sprungdienst abgeschlossen ist. „Wir haben jederzeit Zugriff auf die Maschinen“, so Hub weiter. Der lange Vorlauf zu „Transall-Zeiten“ ist damit hinfällig.

Wie der Leiter des Ausbildungsstützpunktes, Oberstleutnant Christian Schoebel, nach gelungener Premiere sagt, wird die C-160 Transall natürlich mit dem heutigen Tage nicht sofort vom Himmel verschwinden. Bis September wird bei den Lehrgängen zweigleisig gefahren. Das sonore Brummen der alten Dame aus Penzing wird noch einige Male über Altenstadt zu hören sein.

Hans-Helmut Herold

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