Abschied von Liselotte Orff

Ihr ganzes Leben galt den Werken und dem Schaffen von Carl Orff: Kürzlich verstarb dessen Witwe Liselotte Orff im Alter von 82 Jahren. Foto: Bentele

Warme Sonnenstrahlen spielen mit dem herbstlichen Blumenschmuck auf dem Sarg, der bescheiden vor dem Barock-Altar ruht. Von der Empore erklingt die Deutsche Messe von Franz Schubert. Die Singphoniker erfüllen den Kirchenraum von St. Georg in Dießen mit Klängen, die zu Herzen gehen. Langjährige Wegbegleiter nehmen Abschied von Liselotte Orff. „Die große Frau des großen Carl Orff ist heimgegangen“, sagt Alt-Abt Dr. Odilo Lechner. Sichtlich berührt steht er am Altar. Auch ihn verbindet eine innige Freundschaft mit der Komponisten-Witwe.

Am Mittwochnachmittag haben die Glocken in St. Georgen für Liselotte Orff geläutet. Ganz in der Nähe ihrer geliebten Heimat am Ziegelstadel erfüllten ihr die engsten Freunde, Verwandten und Vertrauten den letzten Wunsch: Eine kleine Trauerfeier. Ohne großes Aufhebens. Fernab der Öffentlichkeit. Das musikalische Totengedenken gestalteten die Singphoniker unter anderem mit Carl Orffs „Laudes creaturarum“ und dem „Sunt lacrimae rerum“, sowie mit geistlicher Musik von Franz Schubert und Johann Sebastian Bach. Kinder aus der Carl Orff-Schule Diessen unter der Leitung von Barbara Kling stimmten „Wie schön glänzt die Sonn“ und Carl Orffs „Der Tag is schon uma“ an. Christian von Gehren begleitete die Feier an der Orgel und Menyhért Arnold den Abschied am Grab mit der Trompete. Über den Kinderchor, der sich im Altarraum gruppierte mit den „Stimmen der schlafenden Blumen“ aus dem Weihnachtsspiel Ludus de nato Infante mirificus von Carl Orff hätte sich Liselotte Orff sehr gefreut. „Die Blumennamen, die die Kinder gesungen haben, beziehen sich auf das neue Leben, das nach der Kälte des Winters entsteht“, hielt Abt Odilo fest. Diese Blumennamen habe die Naturliebhaberin Liselotte beigesteuert, als Carl Orff 1960 sein Weihnachtsspiel komponierte als „nachgerichtetes Vorspiel zum Osterspiel.“ Hier werde die Musik zum Medium der Transzendenz, fuhr der Abt fort. „Alles, was Liselotte Orff so geliebt hat an der Natur und den Blumen, ist ein Zeichen der großen Sehnsucht nach der Erlösung. Das gilt für das ganze Leben.“ Der Kirchenmann bezog sich auf den Auferstehungsbericht im Lukas-Evangelium, aus dem Marcus Everding gelesen hat. Er zitierte die Frauen am Kreuz, die sich auf den Weg machten durch das Dunkel. Todtraurig über den Tod gingen sie ans Grab Jesus, das mit einem Stein verschlossen war. Auf einmal sei der Stein weg gewesen, „wie immer wieder das, was uns bedrückt und den Weg versperrt, weggenommen wird.“ Abt Odilo würdigte auch das Lebenswerk von Liselotte Orff. Erinnerte, wie sie bei der Heirat am 10. Mai 1960 versprochen hat, Carl Orff treu zu bleiben, bis dass der Tod sie scheidet. Sie sei ihm 30 Jahre über den Tod hinaus treu geblieben und hätte nur für Orff und dessen Werk gelebt, „dass die Menschen erfassen, was diesem Werk an Kostbarem und Tröstlichem zu eigen ist.“ Sie hat in Dießen das Carl Orff-Museum gegründet und es zunächst auch allein getragen. Die Carl Orff-Stiftung begründet und das Carl Orff-Zentrum in München auf den Weg gebracht, die Andechser Orff Akademie des Bayerischen Rundfunks unterstützt, die Festspiele „Orff in Andechs“ begleitet und vor allem das Orff’sche Schulwerk in aller Welt gefördert. „Ihre eigene Persönlichkeit trat zurück in seinem Werk.“ Am Grab auf dem St. Georgener Höhenfriedhof leuchteten Kerzenlichter, der Kranz mit blauen Blüten vom Bayerischen Ministerpräsidenten stand neben dem letzten Gruß der Carl Orff-Schule. Feierlich erklang Carl Orffs „In trutina“, intoniert von Menyhért Arnold, einem Mitglied der Andechser Orff-Akademie des Münchner Rundfunkorchesters. Zum Abschied kündigte Abt Odilo noch einen Gruß an für Liselotte Orffs Verbundenheit mit der oberbayerischen Heimat: Ignaz Zanantoni, der im Hause Orff über Jahrzehnte als „Zani“ das Gelände und die Tiere pflegte, war mit seinen Alphornbläsern gekommen. Der würdevolle Klang der archaischen Instrumente tönte weit über den Kirchhof hinweg ins Land.

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