"Ich will doch nur leben!"

Inklusion auf der Theaterbühne

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Die Herzogsägmühler „Theatergruppe TamTam“ unter der Leitung von Michael Krone (links) zeigte im Stadttheater, wie ein Miteinander funktionieren kann.

Landsberg – Am Ende steht der Traum von einer besseren Welt – ein Miteinander aller Menschen, egal welcher Nation und Religion. Das Theaterstück „Selinas Weg“ der inklusiven Herzogsägmühler „Theatergruppe TamTam“ setzt sich mit dem aktuellen Thema der Flüchtlingsproblematik auseinander.

Ein weißgekleideter Geigenspieler betritt durchs Publikum die Bühne, an seiner Seite die Erzählerin des Stückes. „Die Insel der Gestrandeten“, so beschreibt die Erzählerin das kleine syrische Dorf, in dem Selinas Weg in die Fremde beginnt. Hier leben Menschen aus verschiedensten Kulturen in Frieden miteinander, erzählen Geschichten, essen und feiern gemeinsam. Doch der hereinbrechende Krieg holt die „Insel“ zurück in die Realität: Eine Filmprojektion taucht die Bühne in schwarz-weiß und bringt die ausgelassene Stimmung zum Verstummen. Selina muss fliehen.

Die erste Station ihrer Flucht ist ein Lager in der Türkei. Es gibt nicht genug Platz, nicht genug Wasser, kein Essen: Sie muss weiter, übers Meer: „630 Menschen in einem kleinen Boot, viele Tote, sie lernen Tau zu fangen, um nicht zu verdursten“, beschreibt die Erzählerin. Auf der Bühne ein weißes Tuch, das in Bewegung versetzt die Wellen des Meeres suggeriert. In Deutschland angekommen, schlägt den Flüchtlingen Hass entgegen. Selina ist erschüttert: „Was habe ich getan? Ich will doch nur leben.“

Das Theaterstück löst die Gewalt in einem Traum auf: In der „Manufaktur Regenbogen“ arbeiten und leben alle zusammen: Die Schauspieler verteilen Essen, sie tanzen und singen gemeinsam. Das Lied dazu ist eines aus der Friedensbewegung, „Sieben Tage lang“. Eine der Liedzeilen fasst Selinas Traum zusammen: „Jeder packt mit an, wir schaffen zusammen, nicht allein.“

Michael Krone, der Leiter der Theatergruppe, will den Traum auch als möglichen Weg sehen: „So wie in dem Stück Ausgrenzung stattfindet, gibt es sie auch für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung.“ Er und seine Theater- gruppe hatten sich überlegt, wie sie auf die aktuelle Flüchtlingssituation reagieren könnten. Krone überlegte ein Kon- zept und führte Regie, „aber die letztendliche Form der Idee entstand beim Machen.“

Die Theatergruppe TamTam gibt es in dieser Form schon seit sechs Jahren, „für das Stück haben wir jetzt gut ein Jahr gebraucht“, erzählt Krone. Die Proben begannen mit Atem- und Sprachübungen, danach improvisierten die Teilnehmer einzelne Szenen zum Thema. Viel Geduld habe dazugehört, gibt Krone zu, „denn bei jeder Probe fängt man praktisch fast wieder von vorne an.“

Ein Theaterstück, in dem Menschen mit Behinderung mitspielen, sei natürlich immer auch eine therapeutische Arbeit, betont der Regisseur. Einiges sei nicht möglich, man müsse vor allem durch Bilder sprechen: „Die Erzählerin übernahm den Großteil der Worte, aber diese Erzählkonstruktion unterstützt auch die Vorstellung, dass alles nur im Traum geschieht.“ Ein weiteres Element sei die Musik, „und da konnte ich in der Gruppe immerhin auf fünf Musiker zurückgreifen.“

Allen Teilnehmern war der Spaß am Spielen anzusehen. Vieles klappte, manches ging schief. Aber der Applaus war groß und belohnte die Schauspieler für ein hochambitioniertes Projekt, in dem jeder Teil- nehmer eine Schwäche hat, aber seine besondere Stärke zeigen konnte.

Susanne Greiner

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