Überraschungsbonbon in F-Dur

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Das Nonett F-Dur von Louis Spohr bildete das Finale eines glanzvollen Konzertes im Rahmen der Landsberger Sommermusiken in der Aula der Beruflichen Schulen.

Landsberg – Was braucht man da noch Worte? Es war verblüffend, mitreißend – nichts Neues bei einem Konzert der Landsberger Sommermusiken, bietet dieses exklusive Festival seit nunmehr 15 Jahren klassische Musik auf allerhöchstem Niveau. Und daher seien doch ein paar Worte zur Würdigung gestattet.

Das Abschlusskonzert am Sonntag in der Aula der Beruflichen Schulen stand laut Programm ganz im Zeichen der Virtuosen – ein Begriff, der leicht von der Zunge geht, wenn es um gut gespielte Musik geht, sich aber einer genauen Definition entzieht. Einen Versuch machte Erich Reimer, indem er den Virtuosen als „Ideal des reproduzierenden Musikers schlechthin“ darstellte.

Doch sind Virtuosen nicht nur reproduzierend, sondern auch produzierend tätig, indem sie komponieren oder bekannte Werke für ihr Instrument arrangieren. So eröffnete das Ensemble Berlin das Konzert mit einer Paraphrase über Verdis „La Traviata“ von Luigi Orselli aus dem 19. Jahrhundert, eine spannungsreichen, rhythmischen Version des bekannten Themas für Fagott und Streicher, die den Musikern bereits zu Beginn Bravo-Rufe eintrug und in dem sich besonders der israelische Fagottist Mor Biron und der charismatische Violinist Alessandro Quarta hervortaten.

Weiter ging es, zu dem schönen Sommerabend passend, mit einem der wohl heitersten Stücke Franz Schuberts, das er 1819 für seinen Mäzen Sylvester Paumgartner schrieb, auf dessen Wunsch auch die ungewöhnliche Besetzung aus Klavier, Violine, Viola, Cello und Kontrabass und auch die Verwendung des Schubert-Lieds „Die Forelle“ als Thema zurückging – ein spielerischer Dialog zwischen der Pianistin Angelika Merkle und den Streichern.

Leichtigkeit und Spielfreude bei allerhöchster Präzision: auch bei der „Kleinen Kammermusik für fünf Bläser“ von Paul Hindemith kam diese Erfolgsformel, die mittlerweile ein Markenzeichen der Sommermusiken ist, zum Tragen. Die Musiker tanzen förmlich mit ihren Instrumenten, von der Enge des Orchestergrabens befreit, leben sie ihre Musik. Es ist diese Leichtigkeit, diese Freiheit, das Musizieren ohne Druck, das den Konzerten der Sommermusiken ihre Besonderheit verleiht.

Ein musikalisches Überraschungsbonbon gab es mit dem Nonett F-Dur von Louis Spohr (1784 – 1859), eines zu Lebzeiten gefeierten und danach nahezu in Vergessenheit geratenen deutscher Komponisten und Dirigenten. Als Geiger erlangte er internationalen Ruhm und galt neben Niccolò Paganini als größter Violin-Virtuose seiner Zeit. Ein wunderbares Kleinod der Kammer-musik, ein Dialog zwischen Streichern und Bläsern, mit eingestreuten Ländlermotiven und Zitaten italienischer Operntradition und dem ausgereiften Spiel mit den einzelnen Klangfarben. Ein furioses Finale!

Patricia Eckstein

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