Zurechtgestutzt:

Inklusion geht auch anders

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Wie man gelebte Inklusion öffentlich machen kann, zeigen das Psychosoziale Netzwerk Landsberg und der KREISBOTE mit „Mittendrin im Arbeitsleben“ auf. Hier Alexander Barth (SIP Scootershop), mit Azubi Christof Kriebel (links)

Landsberg – Der Kreisausschuss hat den „Aktionsplan Inklusion“ auf den Weg gebracht – dabei allerdings deutliche Abstriche gegenüber der Empfehlung des Inklusionsbeirates gemacht. Sowohl die gewünschte personelle als auch die finanzielle Ausstattung des Projektes wurden mit knappen Abstimmungsergebnissen gekürzt.

Barbara Juchem, Behindertenbeauftragte des Landkreises und Vorsitzende des Beirates, hatte zunächst auf der Zuhörertribüne des Sitzungssaales im Landratsamt Platz genommen, als der Punkt aufgerufen wurde. Auf Wunsch der Kreisausschuss-Mitglieder musste sie dann aber am Podium erst einmal genauer erläutern, wofür die Mittel gedacht sind, die der Beirat beantragt hatte.

Die Liste, die zur Abstimmung stand, umfasste neben einer Halbtagesstelle im Landratsamt („Koordination Inklusion“) auch eine Honorarkraft, die den Aktionsplan ausarbeiten sollte (25000 Euro), Geld für die Öffentlichkeitsarbeit (30000), eine „Inklusionswoche“ (20000) und noch einen Internetauftritt für 10000 Euro.

Enttäuscht: Behindertenbeauftragte Barbara Juchem.

Das war nicht nur Michael Kießling zuviel. „Wenn man sich das genau ansieht, sind das 60000 Euro nur für verschiedene Aspekte der Öffentlichkeitsarbeit“, so der Denklinger Bürgermeister. „Da gibt es sicher andere Möglichkeiten, dieses Geld in Maßnahmen sinn- voll zu verwenden.“ Auch Quirin Krötz (Rott) hatte an dieser Stelle Einwände. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich 30000 Euro für einen solchen Zweck durch meinen Gemeinderat bringen sollte und da habe ich auch ein Problem, Kreisgeld in dieser Höhe freizugeben“, so der CSU-Politiker. Für konkrete Maßnahmen stelle er Mittel „herzlich gerne“ zur Verfügung, „aber nicht für Flyer“.

Kauferings Bürgermeister Erich Püttner (UBV) brach eine Lanze für den Antrag aus dem Inklusionsbeirat. „Wir starten in dieser Sache komplett neu. Da ist es schon angebracht, in der Startphase das Geld zur Verfügung zu stellen.“ Genauso sah das Hermann Dempfle (BP) aus Rott. „Das Thema ist mehr als wichtig, es sollte nicht am Geld scheitern.“ Da ließ auch Landrat Thomas Eichinger (CSU) seine Bedenken deutlich durchblicken. „Man kann sich durchaus fragen, ob wir zwei ver­schiedene Stellen brauchen, um einen Aktionsplan zu erarbeiten.“

In der Abstimmung ging es dann richtig eng zu. Der Schaffung der Koordinationsstelle stimmte das Gremium einstimmig zu, bei der zusätzlichen Honorarkraft hieß es 6:6 – damit war der Antrag gescheitert.

Aktionsplan knicken

„Wenn das abgelehnt wird, können wir den ganzen Aktionsplan knicken“, meinte darauf eine sichtlich enttäuschte Barbara Juchem. Der Landrat beschwichtigte: „Ich bin der Meinung, dass derjenige, der die Halbtagesstelle besetzt, sicher die Qualifikation hat, um auch die Erstellung des Planes zu schaffen.“ Mit demselben Ergebnis (6:6) lehnte der Ausschuss die 30000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit und 20000 Euro für eine Inklusionswoche ab, bewilligte aber einstimmig 20000 Euro bzw. 15000 Euro.

Die Mittel für den Internetauftritt wurden von 10000 auf 5000 Euro gekürzt. Wie die Debatte und die Abstimmung verlaufen wären, wenn ein Vertreter der Stadt Landsberg im Kreisausschuss anwesend gewesen wäre, bleibt offen – Oberbürgermeister Neuner stieß erst nach diesem Tagesordnungspunkt zur Sitzung.

Christoph Kruse

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