"Ärgerlich und ganz bitter!"

Seit einigen Wochen meist geschlossen: das Tor zum Lechstrand unterhalb des Lechwehres. Foto: Peters

Strahlender Sonnenschein, sommerliche Temperatur bis zu 30 Grad, perfektes Badewetter. Da möchte sich der Gast des Inselbades nach den flotten Runden im 50-Meter-Becken gerne ein wenig am Lechstrand sonnen. Doch das ist bekanntlich seit kurzem aus rechtlichen Grünen nicht mehr möglich. Und das schlägt nach wie vor hohe Wellen. Der KREISBOTE spracht darüber erneut mit OB Ingo Lehmann (SPD).

Herr Lehmann, hat die Stadt, haben die Stadtwerke mit der Abschottung des Lechstrandes nicht überzogen reagiert? Lehmann: „Wer argumentiert, dass die Entscheidung überzogen ist, hat mein absolutes Verständnis. Im konkreten Fall sind wir beziehungsweise die Stadtwerke, gleichermaßen wie der Bürger ,Opfer‘ jenes Sicherheitsdenkens in der Rechtssprechung, das zu solchen Auswüchsen führt. Das Wort ,überzogen‘ ist also meiner Meinung nach durchaus zutreffend, allerdings nicht für das Verhalten der Stadtwerke, sondern für das der Judikative.“ Wie darf man das verstehen? Lehmann: „Rechtlich geht es um die Verkehrssicherungspflicht, wonach zum Beispiel der Betreiber eines Bades für den sicheren Badebetrieb zu sorgen hat. Dazu gehört nach der Rechtssprechung auch, dass der Betreiber des Bades verhindern muss, dass kleine Kinder sich aus dem Bad etwa zu einem fließenden Gewässer entfernen können. Läuft also ein vierjähriges Kind zum Lechstrand, fällt etwa an der Fischtreppe ins Wasser und ertrinkt, so trifft die Verantwortlichen nicht nur die zivilrechtliche, sondern auch die strafrechtliche Haftung.“ Es ist also mit einem Strafverfahren zu rechnen? Lehmann: „Ja. Der vernünftige Standpunkt, dass bei einem Bad wie unserem Inselbad, dessen Attraktion ja gerade durch den Lech und dessen Erreichbarkeit gegeben ist, eigentlich die Eltern auf ihre Kinder aufpassen sollte und nicht der Badbetreiber, nützt dann vor dem Strafrichter nicht viel.“ Warum kocht das Thema dann erst jetzt hoch und nicht schon vor Jahren? Lehmann: „Da täuscht der Eindruck. Bei uns in der Verwaltung und neuerdings bei den Stadtwerken schwelt das Thema seit vielen Jahren. Ende der 90er Jahre hat sich die Werkleitung sogar eine Deckung durch den Stadtrat und meinen Amtsvorgänger geben lassen. Ich habe dies dann Anfang 2001 als damals neuer OB bestätigt. Wir haben allerdings in den Folgejahren immer wieder überprüft, ob diese Verantwortung, die dadurch auf mir lag, noch getragen werden kann, weil es zur Verkehrssicherungspflicht jedes Jahr neue, immer überzogenere Urteile von Obergerichten gegeben hat.“ Eine gewaltige Last… Lehmann: „Korrekt. Lange hätte ich das auch nicht mehr ausgehalten. Die Stadtwerke, die das Inselbad betreiben, sind seit 1. Januar 2010 ein eigenständiges Unternehmen, so dass die Verantwortung nicht mehr bei mir, sondern beim Vorstand, Norbert Köhler, liegt. Diese Verantwortung kann auch nicht auf mich oder den Stadtrat delegiert werden. Dass Herr Köhler diese strafrechtliche Verantwortung nicht tragen kann, finde ich richtig.“ Der Lechstrand ist also fortan unzugänglich? Lehmann: „Nein. Wir versuchen vorerst, es mit einer Aufsichtsperson an der Westtüre zumindest zeitweise möglich zu machen, dass der Lechstrand zugänglich ist. Darüber hinaus werde ich dem Stadtrat den Vorschlag machen, im Nachgang zum Bau des Mutterturm-Stegs eine Wegeführung zwischen Inselbad und Lech bis hin zur Langen Fahrt zu machen. Dann ist der Strand für alle zugänglich. Aber: Die Verbindung zum Inselbad muss aus den genannten Gründen geschlossen bleiben.“ Hätten nicht anstelle der Schließung andere Maßnahmen ergriffen werden können, die einen Erhalt möglich machen? Lehmann: „Alle von uns bislang durchgeführten Maßnahmen, etwa die Klinke mit Griff nach oben, grundsätzlich nicht zugänglich für Kleinstkinder – reichen nicht aus. Wenn ein kleines Kind im ,Windschatten‘ eines größeren durch die Tür läuft, sind wir in der Verantwortung.“ Ihr Resümee? Lehmann: „Ärgerlich, ganz ärgerlich. Auch ich lag in meiner Jugend am Lechstrand und habe dies genossen. Alle reden von mehr Freiheit und weniger Bürokratie. In der Wirklichkeit geschieht das Gegenteil: überzogene Regelungen, wohin man sieht, die wir dann auch noch umsetzen müssen. Wirklich ärgerlich und bitter.“

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